Wenn es nach dem DFB geht, sollen F-Junioren-Fußballer - wie hier jene des VfB Habinghorst - künftig mit weniger als sieben Spielern auflaufen. © Manuela Schwerte
Juniorenfußball

Revolution: DFB krempelt Nachwuchsfußball um – und plant Zweiermannschaften

Wenn es bei der Nationalmannschaft hakt, hat der DFB sofort Ideen für die jüngsten Fußballer im Köcher. Jetzt einen Masterplan mit kleineren Feldern und Tore sowie kürzeren Spielen. So sieht der Plan aus.

Das Bild kennen alle, die Nachwuchsfußballern beim Kickern zuschauen: Zu sehen sind hüben wie drüben Torhüter – mutterseelenallein. Vor ihnen ist viel leerer Raum, irgendwo dann eine Traube von viel zu vielen viel zu kleinen Kindern auf einem viel zu großen Spielfeld.

Seit 2015 wirbt Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann beim DFB dafür, dass der heimische Juniorenfußball reformiert werden soll. Der Wissenschaftler der Universität Erlangen hat jetzt offenbar sein Ziel erreicht. Denn der Deutsche Fußball-Bund hat sich auf die Fahnen geschrieben: Kinderfußball in kleineren Teams in Turnierform auf vielen kleinen parallelen Feldern spielen zu lassen.

Inzwischen hat der DFB eine Offensive eingeläutet, die sich an Professor Lochmann orientiert. Durch neue Spielformen für Bambini, F-Jugend und E-Junioren soll für die Jüngsten der Fußball attraktiver gestaltet und Talente besser geformt werden.

Nach dem Plan des DFB würde auf einem Platz ein Turniertag für U8- und U9-Junioren über die Bühne gehen. © DFB © DFB

Der DFB will den Kinderfußball von den Bambini bis zur E-Jugend also umkrempeln. In einem Video zum Masterplan „Kinderfußball – neue Spielformen“ wird gesagt: „Beim Kinderfußball stehen persönliche Erfolgserlebnisse und Spaß am Spiel im Vordergrund. Damit jedes Kind viel spielt, sind die Teams deutlich kleiner als bisher.“

Die Grundidee: Gespielt wird auf mehreren kleinen Spielfeldern gleichzeitig. Bei den Bambini mit Zwei gegen Zwei und Drei gegen Drei, der F-Jugend (Drei gegen Drei und Fünf gegen Fünf), mit Mini-Toren ohne Keeper. Bei der E-Jugend (Fünf gegen Fünf und Sieben gegen Sieben) mit Keeper und etwas größeren Toren.

Mehr Pässe, Schüsse und Kreativität sind das Ziel

Eine Meisterschaft gibt es nicht, nur Spiele und Turniere. „Man kann es im Modus spielen, bei dem die Sieger ein Feld aufsteigen und die Verlierer ein Feld absteigen. So gibt es Spiele, in denen sich Kinder auf vergleichbarem Niveau messen“, sagt Markus Hirte, Leiter der DFB-Talentförderung. Das sportliche Ziel: Mehr Pässe und Schüsse, größere Kreativität, viele Aktionen für jeden, stärker hin zum Straßenfußball.

Der DFB sieht den Druck nach Veränderungen und will Ländern wie Dänemark, Belgien, Schweiz nicht mehr hinterher hinken, in denen diese Spielformen erfolgreich praktiziert werden. In 13 der 21 deutschen Landesverbände gab es bereits Pilotprojekte.

Beim Funino, dem die DFB-Reform zugrunde liegt, spielen zwei Teams mit je drei Spielern auf vier kleine Tore. © dpa © dpa

Der DFB muss derzeit dicke Bretter bohren und ist bemüht, seine Ideen nicht von oben einfach drüberzustülpen. Er hat in Videokonferenzen hunderte Teilnehmer bereits informiert. Es gibt begründete Widerstände, auch, weil die Organisation aufwendiger ist, weil vielerorts ausreichend kleine Tore fehlen.

Aber auch, weil es nicht wenige Kinder gibt, die Toreschießen im kleinen Kreis weniger freudig erregt als beim großen Spiel. Hirte weiß: „Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten. Die Stammtische müssen sagen: ,Ja, das ist richtig.‘“

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Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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