Steffen Denter und die Basketballer des ATV Haltern haben in dieser Saison kein einziges Spiel absolviert. Enttäuschung habe es über den Abbruch nicht gegeben, sagt Spielertrainer Carsten Ulrich. © Blanka Thieme-Dietel
ATV Haltern

Saisonabbruch ohne ein Spiel: Bei einem anderen Szenario „hätte Chaos gedroht“

Halterns Basketballer haben seit Ewigkeiten kein Spiel mehr absolviert. Nun wurde die Saison ohne ein einziges Spiel abgebrochen. Für ATV-Spielertrainer Ulrich keine Überraschung.

Kein einziges Mal standen die Basketballer des ATV Haltern in dieser Saison in der Halle, um sich mit einem anderen Team zu messen. Nun wurde die Saison abgebrochen. Für Carsten Ulrich, Spielertrainer der ATV-Herrenmannschaft, keine allzu große Überraschung. Er hofft nun auf eine einigermaßen normale Spielzeit 2021/22 mit ausreichend Vorbereitungszeit. Aktuell hat er im Vergleich zu vielen seiner Teamkollegen derweil einen Vorteil.

Als die Nachricht des Saisonabbruchs die ATV-Basketballer erreichte, „hatten wir schon damit gerechnet“, erzählt Carsten Ulrich. Schon Ende Oktober, als der Saisonstart schon mal verschoben wurde, war er alles andere als überrascht.

Die Saison jetzt noch zu starten, so der Halterner nun, hätte zu Problemen geführt. Zum einen wäre die Vorbereitungszeit viel zu kurz gewesen. „Die meisten von uns sind ein gutes halbes Jahr raus“, erklärt Ulrich.

Erhöhtes Verletzungsrisiko durch die extrem lange Zwangspause

Außerdem wäre eine normale Spielzeit aus zeitlichen Gründen gar nicht mehr möglich gewesen. Selbst eine Serie nur mit Hinspielen hätte zu terminlichen Problemen führen können, erklärt er.

Mit Blick auf die derzeit wieder in vielen Regionen steigenden Corona-Infektionszahlen wäre ein Saisonstart außerdem „sowieso kritisch zu sehen gewesen“. Hätte der Westdeutsche Basketball-Verband (WBV) dennoch erklärt, die Saison doch noch zu starten, „hätte Chaos gedroht“.

Es hätte schwer werden können, „wenn der WBV entscheidet, dass es weiter geht, aber einzelne Städte dann entscheiden, dass nicht trainiert oder gespielt werden darf“, erklärt Carsten Ulrich.

Außerdem, so der ATV-Basketballer, wäre auch das Verletzungsrisiko deutlich höher gewesen, wenn direkt wieder gestartet worden wäre. Das gleiche gilt auch für die Amateurfußballer, bei den Basketballern ist die Gefahr aber eine andere.

„Die große Verletzungsgefahr sehe ich bei der Stabilität“

„Zweikämpfe sind bei uns zwar physisch anstrengend, aber die große Verletzungsgefahr sehe ich eher bei der Stabilität im Sprunggelenk und Knie“, sagt der Halterner auch aus eigener Erfahrung. „Da ist die Belastung bei uns viel höher.“

Wenn es irgendwann wieder losgehen kann, hofft er daher auch auf eine lange Vorbereitungsphase. Wird beim Fußball oft über vier Wochen diskutiert, was viele aber auch noch als zu kurz ansehen, hofft Ulrich ebenfalls auf noch mehr. „Ich würde mir lieber acht als vier wünschen“, sagt er.

Und unter diesem Gesichtspunkt sei er auch nicht mehr überrascht gewesen, dass die Saison nun nicht mehr startet. „Für uns kam das nicht überraschend, daher war die Enttäuschung auch nicht groß.“ Spätestens als klar war, dass es im Februar nicht wieder losgehen kann, „war klar, dass ein Saisonstart unrealistisch ist“.

„Über Monate hin war es nicht möglich zu trainieren“

Carsten Ulrich hofft nun, dass er mit seinem Team – genauso wie alle anderen Basketballer – im Sommer wieder ins Training einsteigen kann und im September dann eine einigermaßen normale Spielzeit starten kann.

Carsten Ulrich kann im Gegensatz zu seinen Teamkollegen noch hin und wieder ein paar Körbe in der Halle werfen, da er Sportlehrer ist.
Carsten Ulrich kann im Gegensatz zu seinen Teamkollegen noch hin und wieder ein paar Körbe in der Halle werfen, da er Sportlehrer ist. © Blanka Thieme-Dietel © Blanka Thieme-Dietel

„Über Monate hin war es nicht möglich zu trainieren. Es wird Zeit brauchen, bis alle wieder in der Lage sein werden, an einem Wettkampf um Punkte und Aufstieg teilnehmen zu können“, hieß es im Zuge der Abbruchs-Verkündung vom WBV. „In den kommenden Wochen sollte der Fokus darauf liegen, wieder einen Trainingsbetrieb in den Vereinen zu organisieren“, so der Verband weiter.

Derweil hat Carsten Ulrich aktuell einen Vorteil gegenüber vielen anderen Basketballern: der 32-Jährige ist Sportlehrer. „Ich habe in meinen Pausen auch mal alleine eine Halle zur Verfügung und gehe auch mit meinen Schülern joggen“, erklärt er. Deshalb sei er derzeit „noch relativ fit“.

Er wisse aber auch, dass viele seiner Teamkollegen derartige Möglichkeiten nicht haben „und es Überwindung benötigt, immer für sich selbst und alleine joggen zu gehen“. Irgendwann, so die Hoffnung aller, muss sich darüber wieder keine Gedanken mehr gemacht werden – wenn die Basketballer endlich wieder gemeinsam in die Halle dürfen.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert
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