Schiri-Ärger: Der DHB verhält sich rücksichtslos und schafft neue Probleme

hzKlare Kante

Der Deutsche Handballbund (DHB) bringt Handballvereine durch seine Schiedsrichterordnung in eine Notlage. Mittlerweile haben sich Vereine zusammengeschlossen und wehren sich. Ein Kommentar.

von Lukas Runde

Haltern

, 22.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der HSC Haltern-Sythen und der VFL Gladbeck haben sich zusammengeschlossen und sich in einem offenen Brief an den Präsidenten des DHB, Andreas Michelmann, gewandt. Grund dafür ist Paragraph 17 Absatz 3 der Schiedsrichterordnung des DHB. Dieser sieht vor, dass bei Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls der Verein zunächst mit Geldstrafen und dann mit Minuspunkten für die erste Mannschaft des Vereins bestraft wird.

Der DHB erkennt nicht, welche Konsequenzen dieser Absatz der Schiedsrichterordnung mit sich bringt. Der Grundgedanke ist, dass Vereine mit einer großen Anzahl gemeldeter Mannschaften genügend Kapazitäten haben, um eine ebenso große Anzahl an Schiedsrichtern auszubilden, um dafür zu sorgen, dass immer genügend Schiedsrichter zur Verfügung stehen - jetzt und in Zukunft.

„Kampf“ um Schiedsrichter

Das daraus lediglich ein „Kampf“ um die bereits ausgebildeten Schiedsrichter entsteht und der Fokus nicht auf der Ausbildung neuer Schiedsrichter liegt, sieht der DHB nicht. Am Ende werden durch diesen Absatz nämlich die Vereine, beziehungsweise die ersten Mannschaften, als Verlierer dastehen, die nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen, um Schiedsrichter von anderen Vereinen abzuwerben.

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Ich selbst kenne Personen, die für einen Verein gespielt, aber für einen anderen Verein gepfiffen haben. Aus dem einfachen Grund, dass sie bei dem anderen Verein das Doppelte verdient haben.

Eine weitere Konsequenz, die der DHB nicht beachtet, ist, dass Vereine sich dazu entscheiden könnten, weniger Mannschaften als eigentlich möglich zu melden. Der HSC Haltern-Sythen hat für die kommende Saison aufgrund des großen Interesses zum Beispiel drei männliche C-Jugenden gemeldet.

Sollte sich an der Schiedsrichterordnung nichts ändern, kann ich mir vorstellen, dass Vereine, die ihre höchstspielende Mannschaft schützen wollen, dies auf Kosten der Jugendmannschaften tun. Denn wenn weniger Mannschaften gemeldet sind, fällt es dem Verein leichter, dass Schiedsrichter-Soll zu erfüllen. Das würde im Endeffekt dazu führen, dass es zu wenige Jugendmannschaften für zu viele Kinder gäbe, die Spaß und Interesse am Handball haben.

Ein zeitaufwendiges Hobby

Der DHB darf nicht vergessen, dass die Jugendlichen und Erwachsenen, die sich dafür entschieden haben, sich zu Schiedsrichtern ausbilden zu lassen, dies auf freiwilliger Basis getan haben. Es ist ein ähnlich zeitaufwendiges Hobby, wie sich als Spieler oder als Trainer zu engagieren. Denn neben den regelmäßigen Schiedsrichterlehrgängen stehen am Wochenende die Fahrten zu den Spielen an. Freizeit, die jeder Schiedsrichter auch anders nutzen könnte.

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Glücklicherweise finden sich dennoch in jeder Spielzeit genügend Freiwillige, sodass die Saison ohne Probleme stattfinden kann. In meiner Zeit als aktives Mitglied des Vereins, in denen ich alle Jugendmannschaften durchlaufen sowie sechs Jahre in den Seniorenmannschaften gespielt habe, kann ich die Spiele, die aufgrund von fehlenden Unparteiischen abgesagt wurden, an einer Hand abzählen.

Jetzt ist es wichtig, eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten hilft. Die könnte zum Beispiel so aussehen, dass wenn Schiedsrichter mehr Spiele pfeifen, als sie eigentlich müssten, das Manko der zu wenig gestellten Schiedsrichter ausgeglichen werden kann. Mehr gepfiffene Spiele als das Soll vorgibt, finden aktuell nämlich noch gar keine Berücksichtigung.

Zudem wäre es notwendig über ein einheitliches Vergütungskonzept für Schiedsrichter nachzudenken, welches für alle Vereine gilt. Dies würde den „Bieterwettstreit“, wie es der HSC in seinem offen Brief an den DHB nennt, eindämmen und die Vereine könnten sich wieder auf die Ausbildung von neuen Schiedsrichtern in ihrem Verein konzentrieren.

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Der DHB muss sich mit den Problemen der Vereine auseinandersetzen. Es muss gemeinsam versucht werden, ein funktionierendes und zukunftsorientiertes Konzept zu entwickeln. Egal wie, fest steht, dass sich etwas ändern muss. Die Handballvereine dürfen nicht für eine gute Jugendarbeit bestraft werden.


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