TuS-Marketingchef Raphael Brinkert: „Mir geht es um den Amateursport“

Fussball: Regionalliga West

Nach der 0:2-Niederlage von RW Essen gegen Aufsteiger VfB Homberg, sorgte der Halterner Raphael Brinkert mit einem Post bei Facebook für große Diskussionen. Nun nimmt er dazu Stellung.

Haltern

, 15.12.2019, 11:34 Uhr / Lesedauer: 3 min
TuS-Marketingchef Raphael Brinkert: „Mir geht es um den Amateursport“

Raphael Brinkert hält das Wettrüsten einiger Amateurvereine für gefährlich. © Christopher Kremer

Der 42-Jährige kümmert sich um das Marketing beim Regionalligisten TuS Haltern am See. Unmittelbar nach der Niederlage des Ligakonkurrenten aus Essen am Freitagabend übte er harsche Kritik an dem Traditionsverein.

„Wenn man als Profi-Team trotz jährlicher Millionen-Investments endlich aus der Regionalliga aufsteigen will, muss man übrigens gegen die von Eurem Vorstand sogenannten amateurhaften Dorfclubs gewinnen“, heißt es zu Beginn des Beitrags. „Als direkter Konkurrent vom VfB Homberg hätten wir uns selbst am meisten über einen Sieg von Euch heute Abend gefreut. Bitte macht aber für euer jahrelanges sportliches Versagen keine Dritten, sondern nur euch selbst verantwortlich“, richtete er deutliche Worte in Richtung Rot-Weiss Essen.

Spielabsage

Die Fronten zwischen den Verantwortlichen der beiden Klubs dürften sich damit weiter verhärten. Ein erster Streit war bereits vor zwei Wochen aufgekommen. Das Spiel der beiden Teams war aufgrund einer Platzsperrung in Herne abgesagt worden. Marcus Uhlig, Vorsitzender von Rot-Weiss Essen, hatte sich darüber sehr geärgert und seinen Unmut öffentlich gemacht.

„Wir haben der Stadt Herne angeboten, dass wir mit zusätzlichem Personal und Gerät nach Herne kommen, um kurzfristig den Platz zu präparieren. Selbstverständlich hätten wir die Kosten dafür übernommen. Wir haben einen der besten Greenkeeper in Deutschland und hätten gerne geholfen. Doch die Botschaft aus Herne war, dass das nicht helfen würde“, sagte Uhlig, der auch noch eine andere Idee hatte: „Wir haben sogar die Idee gehabt, das Spiel kurzfristig woanders auszutragen. Zum Beispiel in Wattenscheid. Aber das bekommt der TuS Haltern organisatorisch nicht hin. Leider.“

Plädoyer für den Amateurfußball

Nutzte Brinkert die Niederlage von Rot-Weiss Essen gegen den VfB Homberg nun zu einer gezielten Retour-Kutsche? Brinkert: „Nein, mein Beitrag sollte vielmehr als Plädoyer für den Amateurfußball verstanden werden. Mir geht es einfach um den Amateursport, der mir am Herzen liegt“, stellt er auf Anfrage unserer Zeitung klar.

Die Regionalliga sei laut den Statuten die höchste Amateurliga im deutschen Fußball. „Mir ist klar, dass sich hier dennoch Vereine mit Profistrukturen befinden“, so Brinkert. „Diese sollten jedoch akzeptieren, dass sie sich in einer Amateurliga befinden. Denn auf Dauer macht dieses Wettrüsten diese Liga kaputt. Wenn das nicht mal aufhört, stehen wir im Amateurbereich vor weiteren Insolvenzen.“

Zuletzt erwischte es bereits die Traditionsvereine SG Wattenscheid und Westfalia Herne. Und auch Regionalligist Wacker Nordhausen ist insolvent. Dort träumte man vom Profifußball. Jetzt drückt den Klub aus dem Harz ein gigantischer Schuldenberg.

Uhlig hält Beitrag für Unfug

Der Beitrag von Raphael Brinkert spaltet die Gemüter. Während einige User die deutlichen Worte von Brinkert loben, gibt es auch Gegenwind. Insbesondere Fans von RW Essen äußern ihren Unmut. Sie sehen in dem Beitrag einen überzogenen Angriff auf ihren Verein.

RWE-Boss Uhlig konterte via RevierSport: „Dass der Herr sich in dieser Form öffentlich äußert ist eine absolute Frechheit. Das ist dermaßen Unfug, dass sich jedes weitere Wort zu diesem seltsamen Kommentar erübrigt. Ganz schlechtes Marketing von Marketing-Mann Brinkert.“

Der nur für Freunde sichtbare Brinkert-Post im Wortlaut:

Lieber Rot-Weiss Essen e.V.,

wenn man als Profi-Team trotz jährlicher Millionen-Investments endlich aus der Regionalliga aufsteigen will, muss man übrigens gegen die von Eurem Vorstand sogenannten „amateurhaften Dorfclubs“ gewinnen.

Mehrfache Verbands- und Vereins-Beleidigungen hinsichtlich der Spielausfälle im Amateursport aufgrund widriger Platzverhältnisse sowie Sprüche gegen den Amateurfußball im Allgemeinen schießen weder Tore, noch sorgen sie für die erforderlichen Punkte, um in die erste Profi-Liga, die 3. Liga, aufzusteigen.

Wer Profi-Bedingungen im Amateursport fordert, der sorgt damit für ein gefährliches Auf- und Wettrüsten, dessen Ergebnis eine steigende Anzahl an Vereins-Insolvenzen ist, wie wir sie gerade bei Traditionsvereinen wie Wattenscheid und Herne erleben und wie sie vielerorts permanent drohen.

Als direkter Konkurrent vom VfB Homberg hätten wir uns selbst am meisten über einen Sieg von Euch heute Abend gefreut. Bitte macht aber für euer jahrelanges sportliches Versagen keine Dritten, sondern nur euch selbst verantwortlich.

Eure Fans und der Amateursport haben es verdient. Was die Spielausfälle betrifft sogar euer Team, denn Spiel starke Mannschaften profitieren in der Regel am meisten von besseren Platzbedingungen im Frühjahr.

Raphael Brinkert

Marketingleiter TuS Haltern am See

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