Überlegung des Fußballkreises: Zur Not gibt es ein paar Wochen Zwangspause

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Der Fußballkreis Unna/Hamm hat den Spielbetrieb gestoppt, Herne hat zumindest schon die Zuschauerzahl begrenzt. Auch der Fußballkreis Recklinghausen diskutiert die Corona-Lage.

von Thomas Braucks

Kreis Recklinghausen

, 13.10.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt sie offenbar doch noch: Landstriche, in denen Amateure weitgehend unbehelligt von Corona ihrem Hobby nachgehen können. Zum vergangenen Wochenende meldete die Fuldaer Zeitung: „Erster Corona-Fall im osthessischen Amateurfußball – Teile der Mannschaft in Quarantäne“. Die Rede ist von einem A-Kreisligisten, der SG Dammersbach/Nüst.

Ein erster Corona-Fall? Davon können die Fußball-Funktionäre und Klubs in Westfalen, speziell im Revier, nur träumen. Die zuletzt rasant gestiegenen Corona-Infektionen sind Thema Nummer eins – weit vor Kantersiegen oder kapitalen Pleiten.

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Corona mischt im Fußball kräftig mit. Abzulesen nicht nur an Spielabsagen quer durch alle Ligen. Inzwischen haben die Gesundheitsbehörden ganze Vereine in die „Fußball-Quarantäne“ geschickt. Oder die sich vorsichtshalber gleich selbst – wie der TSV Marl-Hüls.

„Sie haben ein Signal gesetzt, dass der Fußball seiner Verantwortung gerecht wird“

Einem Fußballkreis wurde die Lage vor dem letzten Fußball-Wochenende zu heiß: Unna/Hamm. Nachdem der (politische) Kreis Unna verfügt hatte, dass Kontaktsport vom 11. bis 25. Oktober untersagt ist, sagte der Fußballkreis umgehend alle Senioren- und Juniorenspiele auf Kreisebene ab – auch in seinem Hammer Teil.

Überzogen? Für die Stadt Herne, wo die Corona-Zahlen am Wochenende schlechter aussahen als in Unna, war ein Verbot von Kontaktsport kein Thema. Dort wurde die Zuschauerzahl bei Sportveranstaltungen auf 200 begrenzt.

Auch für den Fußballkreis Herne stand eine Absage nicht zur Debatte – ebenso wenig beim großen Nachbarn, dem Fußballkreis Recklinghausen. Dessen Vorsitzender Hans-Otto Matthey hatte viel Verständnis für die Kollegen in Unna/Hamm: „Respekt. Sie haben damit ein Signal gesetzt, dass der Fußball seiner Verantwortung gerecht wird.“

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Ausschließen will Hans-Otto Matthey eine solche Absage für die Zukunft aber nicht – ganz unabhängig davon, ob Kontaktsport seitens der Behörden verboten wird oder nicht.

Wenn an diesem Dienstag der Kreisvorstand in Recklinghausen zusammenkommt, stehen Corona und mögliche Szenarien ganz oben auf der Tagesordnung. Matthey: „Wir schauen uns die Lage im Fußballkreis an. Klar ist: Ab einer bestimmten Anzahl von Absagen macht es keinen Sinn mehr.“

Zumindest 50 Prozent der Spiele müssen gespielt worden sein

Der Recklinghäuser geht noch weiter. Ein Gedankenspiel lautet, bei weiter steigenden Infektionen und Spielabsagen die Saison für ein paar Wochen zu unterbrechen. Und die Hinrunde in allen Klassen später fortzusetzen. Zur Not eben 2021.

Die Spielordnung lässt den Entscheidern viel Spielraum. Für die laufende Saison gilt, dass die Hinrunde absolviert sein muss. „Wenn wir diese 50 Prozent in allen Klassen erreichen, können wir werten“, sagt Matthey. Mit Auf- und Abstieg. Lassen sich diese 50 Prozent nicht erzielen, wird die komplette Spielzeit 2020/21 annulliert.

Dass Behörden und auch der Fußball selbst die Zügel anziehen sollten, steht für den Fußball-Kreisvorsitzenden außer Frage. „Wenn ich mir Fotos von Spielen anschaue, sehe ich immer noch Zuschauer, die im Pulk beieinander sitzen. Ich kann nur appellieren: Seid vernünftig! Wir sollten uns jetzt nicht alles kaputtmachen.“

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Die vom Kreis Recklinghausen am Wochenende ins Spiel gebrachte Maskenpflicht für Zuschauer begrüßt Matthey ausdrücklich: „Da sollte jetzt schnell eine verbindliche Ansage von der Politik kommen.“

Auf der Geschäftsstelle des Fußballkreises ist sie inzwischen amtlich: Wenn die Entscheider aus dem Kreis an diesem Dienstagabend tagen, heißt es für alle: Maske auf!

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