DFB-Präsident Fritz Keller hat vorgeschlagen, dass die Amteurfußballer mit Schnelltests wieder spielen könnten. Für die Vereine würde das teuer werden. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Coronavirus

Unverständnis über DFB-Idee: Für Halterner Vereine würden Schnelltests teuer werden

Corona-Schnelltests für alle Amateurfußballer? Für die Halterner Vereine würde schon ein einzelner Spieltag ziemlich teuer werden. Die Idee stößt nicht gerade auf Gegenliebe.

Es war ein Vorschlag, der für Diskussionen sorgte: DFB-Präsident Fritz Keller brachte in der „Welt am Sonntag“ die Idee ins Spiel, Amateurfußballer könnten Corona-Schnelltests benutzen, um wieder spielen zu dürfen. Allein in Westfalen würde das mehrere Millionen pro Spieltag kosten. Doch wie sieht es in Haltern aus? Und was sagen die Vereine zu Kellers Idee?

„Ich halte da gar nichts von“, sagt Frank Herrmann, Vorsitzender des SV Bossendorf auf Nachfrage der Halterner Zeitung. „Wer soll das denn finanzieren?“ Für die Bossendorfer gehen 13 Mannschaften – klammert man die Altherren mal aus – an Spieltagen an den Start.

15 Schnelltests pro Team würden Bossendorf 975 Euro kosten

Neben drei Seniorenmannschaften spielen auch noch zehn Jugendmannschaften beim SVB. Die günstigsten Corona-Schnelltests kosten derzeit fünf Euro. Pro Team und Spieltag würden schätzungsweise zwischen 15 und 20 solcher Tests benötigt werden.

Bei 15 Tests pro Team würden auf den SV Bossendorf – sofern alle Mannschaften an einem Spieltag im Einsatz sind – 975 Euro zusammenkommen. Das sei für den Verein nicht zu stemmen, so Herrmann.

Ähnlich teuer würde es auch für den SV Lippramsdorf kommen, wenn seine zwei Senioren- und zehn Juniorenmannschaften an einem Wochenende spielen würden. Rund 900 Euro kämen dann jedes Mal auf den Verein zu.

Schnelltests würden beim LSV „den finanziellen Rahmen sprengen“

„Aufgrund der sowieso entstandenen finanziellen Einbußen durch die Corona-Pandemie wäre das nicht machbar“, sagt Josef Teltrop, Vorsitzender des LSV. „Das würde den finanziellen Rahmen sprengen.“

Der SV Lippramsdorf sei finanziell noch gesund. Was grundsätzlich gut ist, bringt aber auch einen Nachteil mit sich. „Wir bekommen keine Hilfsmittel“, so Teltrop. Da der Verein in der Vergangenheit gut gewirtschaftet hat, bekommt er nun keine Unterstützung und muss seine Reserven benutzen.

Corona-Schnelltests kann und möchte der Verein daher nicht auch noch finanzieren müssen. Die Finanzsituation des Vereins solle damit nicht noch zusätzlich belastet werden.

„Wenn es die Tests kostenlos gäbe, dann könnte man darüber reden“

Ähnlich ist das auch bei BW Lavesum. „Wer soll das denn stemmen?“, fragt Albert Gerding, Vorsitzender des Vereins. Mit sieben Junioren- und zwei Seniorenmannschaften stellen die Lavesumer zwar die zweitwenigsten Teams aller Halterner Fußballvereine, doch die Kosten wären dennoch viel zu hoch.

Laut unserer Hochrechnung würde der Verein bei 15 Tests pro Team auf 675 Euro kommen. So wird aus einer nett gemeinten Idee schnell eine teure und nicht realisierbare. „Wenn das finanzielle nicht wäre und es die Tests kostenlos gäbe, dann könnte man darüber reden“, sagt Gerding. Doch ansonsten wäre das keine Alternative.

So sehen es übrigens auch die Verantwortlichen des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW). „Wir hatten uns auch schon Gedanken über Schnelltests gemacht, aber die Idee aufgrund der Kosten ganz schnell verworfen“, sagte Manfred Schnieders, Vizepräsident Amateurfußball des FLVW, zuletzt.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert
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