Utz Lebus ist auch mit 81 noch am Ball

Das Sportporträt

20, 60, 80 – das sind drei ganz wichtige Zahlen im Sportlerleben von Utz Lebus. Der in Lippramsdorf lebende Physiker kam mit 20 Jahren zum ersten Mal in Kontakt mit dem Basketballsport, den er nun schon seit rund 60 Jahren ausübt und mit mittlerweile 81 Jahren immer noch aktiv beim ATV Haltern in der zweiten Mannschaft spielt.

HALTERN / LIPPRAMSDORF

von Von Horst Lehr

, 22.11.2016, 16:54 Uhr / Lesedauer: 3 min
81 Jahre alt und noch immer auf Korbjagd: Basketballer Utz Lebus spielt in der zweiten Mannschaft des ATV Haltern.

81 Jahre alt und noch immer auf Korbjagd: Basketballer Utz Lebus spielt in der zweiten Mannschaft des ATV Haltern.

Für Lebus begann alles zu seiner Gymnasialzeit in Frankfurt. Damals brachten US amerikanische GI’s den Basketballsport in die Frankfurter Schulsporthallen. Lebus spielte mit und zwei Schiedsrichter sprachen ihn auf einen Vereinseintritt an. Das war für ihn zum damaligen Zeitpunkt noch keine Option und er ging erst 1956 nach dem Abitur zum Training. Als man ihm dort sagte „Du hast ein gewisses Talent“, trat er kurz entschlossen dem Polizeisportverein „Grün-Weiß Frankfurt“ bei. Dort traf Lebus auf den Trainer Tom Stern, einen GI, der selbst ein sehr guter Spieler war, und als Trainer die jungen Sportler betreute. Er erinnert sich noch gut an die erste Ansprache des Trainers: „Ihr könnt alle überhaupt nichts.“

Lebus erlebte in diesen ersten Jahren die Spiele in der Bezirksliga, feierte mit der Mannschaft einen Aufstieg und Trainer Stern wurde sein Freund. Aber viel mehr als die großen Erfolge hat ihn der Sport an sich fasziniert.

Als Lebus 1957 sein Physikstudium aufnahm, trat er auch der Frankfurter Unimannschaft bei. Der Trainer hatte damals keinen aktuellen Center und übertrug aus dieser Not heraus Lebus diese Aufgabe. Damit hatte Lebus noch mehr Spaß am Spiel und seine Spielposition fürs Leben gefunden. Obwohl er die klassischen Voraussetzungen eines Centers wie Größe und Stärke nicht mitbrachte, spielte Lebus auf dieser Position mit dem Team sieben Jahre lang zusammen. Danach wechselte er zum FSV Frankfurt und erlebte auch dort schon gleich zu Beginn den Aufstieg in die hessische Verbandsliga.

Mit 30 zu alt?

1964 trat Lebus eine Stelle bei der Bundeswehr in Koblenz an. Nach dem Einleben wollte er natürlich Basketball spielen und fand einen Verein in der Nähe. Zwei Jahre später dachte er erstmalig: „Ich werde zu alt für den Sport, bin nicht mehr schnell genug für die Starting Five. Er entschloss sich zu einer Pause, in der durch Beruf und Familie zehn Jahre lang kein Raum mehr für den Sport war. Zufällig traf er dann 1975 einen Freund aus alten Basketballtagen wieder, und der sagte: „Hast du nicht mal wieder Lust zu spielen ?“ Lebus ging mit in die Halle und bekam schnell wieder Lust am Spiel. Als das Team der „alten Herren“ für Rot-Weiß Koblenz in der Bezirksliga auflief, hieß es bei den Gegnern zuerst: „Die Grufties kommen.“ Aber die machten gleich Nägel mit Köpfen und gewannen auf Anhieb die Meisterschaftsrunde. Getragen von dem Erfolg kamen auch schnell einige junge Spieler dazu und Lebus spielte weiter mit, ohne Zwang, aber voller Hingabe für den Sport.

Ein besonderes Erlebnis war für Lebus das Spiel mit einer Frankfurter Stadtauswahl in Frankreich. Die Mannschaft spielte dort in den 60er-Jahren im Vorprogramm des offiziellen Länderspiels Frankreich gegen Argentinien. Lebus erlebte damals eine tolle Atmosphäre in der Halle, die er bis heute nicht vergessen hat. Seinen größten sportlichen Erfolg feierte er allerdings erst 1994 beim Spiel um die Deutsche Meisterschaft der Ü60 Basketballer. Lebus wurde im Spiel um den dritten Platz bei der Partie Frankfurt gegen Düsseldorf „Player oft he Match“. Wegen seiner Schnelligkeit wurde er besonders oft gefoult, hatte aber eine 100-prozentige Trefferquote an der Freiwurflinie und war am Ende der „Top Scorer“ im Team.

Die Lakers live erlebt

Natürlich hat er auch die Gelegenheit genutzt, seinen Sport in höchster Vollendung zu erleben, und hat sich NBA Spiele live im Basketballtempel der Los Angeles Lakers angesehen. Dabei war er fasziniert von den Leistungen der US-Superstars Earvin „Magic“ Johnson und Kareem Abdul-Jabbar. Dessen Spezialwurf, den sogenannten „Skyhook“, hat er für sich selbst übernommen. Dieser schwer zu verteidigende Wurf war für Lebus die ideale Ergänzung seines eigenen Spiels.

Neben dem Basketball verspürte Lebus immer auch einen gewissen Hang zum Abenteuer und wollte etwas von der Welt sehen. Dies konnte er zum Teil schon auf beruflichen Reisen erleben, aber was ihm wirklich gefiel, waren echte Einzelgänger-Touren. So fuhr er mit dem Motorrad alleine durch Thailand, mit einem Camper durch Australien und nur mit Rucksack und Zelt durch Neuseeland und Namibia. Bei einer Tour mit Paddelboot und Zelt durch das Archipel des Inselstaats Palau im Pazifik spielte er sogar Basketball mit den einheimischen Jungs.

Mit dem Element Wasser befasste sich Lebus rund zehn Jahre lang sehr intensiv als DLRG-Ausbilder und Rettungstaucher. Er probierte Hochseesegeln aus und erfüllte sich mit 54 Jahren endlich auch den alten Traum vom Fliegen. Zuerst im Ultraleichtflieger und später auch mit einmotorigen Maschinen. Dabei half ihm seine Leidenschaft als Funkamateur, der er von 1989 bis 2008 frönte.

Seit 1996 in Lippramsdorf

Als er 1996 in den Ruhestand ging, verlegte Lebus seinen Lebensmittelpunkt nach Haltern. Schnell kam er dort mit Rupert Joemann in Kontakt und trat dem ATV bei. Zehn Jahre später wurde Lebus dann zum „Fernsehstar“, als der WDR über den nimmermüden Basketballer einen kleinen Film drehte. In Spiel und Training lebt er immer noch von seiner Grundschnelligkeit und Fitness. Wenn er dann Punkte gegen Schnellere und vor allem Jüngere machen kann, genießt er jeden Ballkontakt. Der „Hookshot“ ist sein persönliches Markenzeichen geworden, aber er gesteht lachend: „Ich habe in den 60 Jahren noch nie einen Dreier geworfen.“

Mittlerweile kostet es ihn auch schon mal etwas Überwindung, zum Training zu gehen, aber die Anerkennung in der Mannschaft gleicht das immer wieder aus. Sportliche Betätigung ist für ihn der perfekte Lebensausgleich und er hält sich zusätzlich mit Gymnastik und Radfahren fit. Utz Lebus hofft, dass er noch lange gesund bleibt, um seinen geliebten Sport auszuüben: „Solange die Jungs mich noch wollen, mache ich weiter.“

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