Tim Eibold stellt sich im Interview unter anderem der Frage, wie zehn externe Neuzugänge in das Bilbao-Konzept des TuS Haltern am See passen. © TuS Haltern am See
Interview: Teil 2

Viele externe Neuzugänge: Wie passt das ins Bilbao-Konzept, Herr Eibold?

Im zweiten Interview-Teil spricht Tim Eibold, TuS Halterns Leiter Seniorenfußball, über die Einhaltung des Bilbao-Konzepts und verrät, auf welchen Positionen der TuS noch Verstärkung sucht.

Tim Eibold (36), Leiter Seniorenfußball beim TuS Haltern am See, spricht im zweiten Teil des großen Interviews über das Bilbao-Konzept des Vereins, wie die externen Neuzugänge damit vereinbar sind und was sich am Kader des TuS noch verändern könnte. Außerdem erzählt er von einem Fehler, den er nicht noch mal begehen möchte.

Im ersten Teil des Interviews spricht Tim Eibold über seinen Start beim TuS Haltern am See und wie die Pandemie und der Lockdown seine Arbeit und seinen Dienstantritt erschwert haben. Das Interview finden Sie hier.

Das sogenannte „Bilbao-Konzept“ des TuS ist nun schon über ein Jahr alt. Wie haben Sie das damals als Außenstehender wahrgenommen, Herr Eibold?

Der Verein hat das Bilbao-Konzept erarbeitet, um sich langfristig nachhaltig gesund aufzustellen. Inmitten der Corona-Pandemie haben die Verantwortlichen die Situation analysiert und gemerkt, auf welch wackligen finanziellen Beinen der ambitionierte Amateurfußball steht und sich zum Wohle des Vereins zu diesem Schritt entschieden.

Ich hatte mich damals auch damit beschäftigt und dachte im ersten Moment, dass es ein mutiger, aber richtiger Schritt ist. Man will weniger Geld ausgeben, mehr Local Player im Team haben und der Jugend wieder eine Chance geben. Für die Jugendspieler ist die Corona-Pandemie eine absolute Katastrophe.

Tim Eibold (r.) vom TuS Haltern am See konnte in den vergangenen Monaten schon einige Neuzugänge, wie hier Nils van den Woldenberg, präsentieren.
Tim Eibold (r.) vom TuS Haltern am See konnte in den vergangenen Monaten schon einige Neuzugänge, wie hier Nils van den Woldenberg, präsentieren.

Das haben wir jetzt wieder gut hingekriegt, finde ich: Fünf Spieler aus unserer Jugend kommen ins Team A, zwei erst mal ins Team B. Da hat Timo (Ostdorf, Anm. d. Red.) mit dem Trainerteam auch eine extrem gute Vorarbeit geleistet. Da wurden teilweise schon im letzten Sommer Gespräche geführt und den Jungs das Gefühl gegeben: Ihr seid wichtig, wir bauen auf euch.

Es heißt, Sie haben ein großes Netzwerk im westfälischen Amateurfußball. Ist das besonders in der jetzigen Zeit, in der so gut wie keine Spieler beobachtet werden können, ein großer Vorteil?

Ich habe einmal den Fehler gemacht, einen Spieler zu holen, den ich nur auf Videos gesehen hatte. Das war nicht ganz so gut. Es war der letzte Tag der Transferperiode, wir hatten viele Verletzte und mussten reagieren. Am Ende war es nicht das, was wir uns vorgestellt hatten, es hatte sportlich nicht gepasst.

Deswegen bin ich da etwas vorsichtiger geworden. Ich erkundige mich viel über andere Spieler, beispielsweise bei Paul Wietzorek habe ich mir vorher bei Gievenbeck und Preußen Infos über ihn reingeholt. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage muss jeder Transfer sitzen.

Da ist es dann wichtig, dass du weißt, wen du holst und dass es auch menschlich passt. Grundsätzlich war das schon mit extrem viel Aufwand verbunden, weil wir uns mehr informieren mussten. Viele Spieler kannte ich aber schon, das kam mir auf jeden Fall zugute. Mein Netzwerk ist bei sowas schon hilfreich.

Der TuS hat sich selbst mit seinem Bilbao-Konzept einige Regeln auferlegt. Inwiefern macht das Ihre Kaderplanung schwieriger?

Wir wissen, dass wir nur 25 Prozent externe Spieler haben können. Da musst du dann schon genau gucken, ob es Verbindungen zum TuS gibt. Ein gutes Beispiel ist Peter Elbers: Er ist zweifelsfrei ein hochbegabter Kicker, der in der Westfalenliga immer gut getroffen hat.

Er hatte mich kontaktiert und gesagt, dass er nach Haltern zieht. Den kannst du in jede Oberliga-Mannschaft mitnehmen, er bereichert ein Team menschlich und sportlich. Da freust du dich dann wirklich, wenn so ein Spieler eine Verbindung zu Haltern hat und dementsprechend auch zum Konzept passt. Ich finde das Konzept super und halte es für alternativlos.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass die Einhaltung des Konzepts nicht schwer war. Unsere Jugendspieler ziehen wir auch nicht einfach nur hoch, um unsere selbstauferlegte Quote zu erfüllen, sondern weil sie richtig Qualität mitbringen.

Für die kommende Saison wurden bereits zehn externe Neuzugänge für das Team A präsentiert. Wie passt das ins Bilbao-Konzept?

Aktuell liegen wir bei 78 Prozent, das heißt, wir konnten im Team B und im Team A noch externe Neuzugänge holen, da uns auch einige Nicht-Bilbao-Spieler im Sommer verlassen werden.

Ich lese auch die Kommentare bei Facebook unter unseren Transfers, in denen sich teilweise auch Elternteile von Spielern, die es vielleicht auch einfach vom Leistungsvermögen bislang nicht geschafft haben, beschweren. Manchmal klappt es auch einfach nicht direkt – aus verschiedenen Gründen. Die Jungs erhalten aber alle noch ihre Chancen, sich wieder in den Fokus und auch in den Oberliga-Kader zu spielen.

Und im Fall von Patrick Brinkert hat man beispielsweise gesehen, wie sich jemand über seine reine Leistung auf seiner Position in der Oberliga-Elf festgespielt hat. Der Zug ist also nicht abgefahren.

Zusätzlich haben wir mit unter anderem Peter Elbers, Noah Schulz und Paul Wietzorek externe Spieler verpflichtet, die aber alle ins Bilbao-Konzept passen. Wir achten sehr stark darauf, dass die Quote nicht unterschritten werden darf. Bilbao einführen ist das eine, aber wir leben es auch und das zeigt vielen jungen Spielern einen zuverlässigen Weg auf.

Wenn Sie schätzen müssten: Zu wie viel Prozent sind die Planungen für die Saison 2021/22 schon abgeschlossen?

Ich glaube, wir sind bei 90 Prozent. Es kann sich aber immer noch was verändern. Es gibt noch zwei Spieler von uns, die in der Regionalliga vortrainieren dürfen. Wenn Spieler von uns die Möglichkeit haben, Regionalliga zu spielen, wollen wir ihnen keine Steine in den Weg legen.

Auf welcher Position gibt es derzeit noch akuten Handlungsbedarf?

Die Torhüterposition haben wir überragend besetzt, in der Abwehr sind wir auch durch. Ubeyd Güzel hat es überragend gemacht, Cedric Drobe ist für mich ein Vorzeige-Oberliga-Fußballer und Julian Jaworek kenne ich auch noch aus Bochum, er ist ein starkes Talent.

Im defensiven Mittelfeld halten wir noch Ausschau und für die offensive Außenbahn gucken wir auch noch. Im Sturm sind wir gut besetzt. Da haben wir mit David Loheider und Yusuf Keskin ein starkes Duo.

Was den zentralen Sturm angeht, konnten wir die Lücke nicht besser schließen. Peter Elbers kann da auch noch spielen, ist aber variabel einsetzbar, kann auch über den Flügel kommen oder auf der Zehn spielen.

Seit über einem halben Jahr ruht der Amateurfußball bereits. Was vermissen Sie am meisten?

Es ist so viel. Zum Beispiel einfach diese Gespräche mit den Jungs beim oder nach dem Training. Auch die Spiele vermisse ich natürlich. Man steht sonntags auf, dann fängt es schon ein bisschen an zu kribbeln.

Auch das Kabinen-Leben und die Auswärtsfahrten fehlen. Und das ganze Drumherum: Auf den Platz zu kommen, Zuschauer zu treffen, die sich auf das Spiel freuen. Es sind so viele Dinge, die man erst so richtig schätzt, wenn man sie nicht mehr hat.

Im ersten Teil des Interviews spricht Tim Eibold über seinen Start beim TuS Haltern am See und wie die Pandemie und der Lockdown seine Arbeit und seinen Dienstantritt erschwert haben. Das Interview finden Sie hier.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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