David Spiekermann (v.) vom ASV Hamm-Westfalen ist der einzige Handballspieler aus Haltern, der noch spielen darf. Im ersten Teil eines großen Interviews spricht er über die Auswirkungen der Pandemie, Corona-Tests und seinen Sprung in die 2. Handball-Bundesliga. © imago images/Eibner
Interview

Zweitligaspieler Spiekermann über Corona-Tests und was er alles vermisst

Im Interview erzählt der Halterner David Spiekermann, wie der Alltag in der 2. Handball-Bundesliga während der Corona-Pandemie aussieht und welche Rolle er beim ASV Hamm-Westfalen einnimmt.

So gut wie alle Mannschaftssportler müssen derzeit pausieren, doch mit David Spiekermann gibt es zumindest einen Halterner, der seinem liebsten Hobby weiterhin nachgehen darf – und das sogar im Profisport. Der 22-Jährige spielt regelmäßig in der 2. Handball-Bundesliga. Im ersten Teil des großen Interviews spricht er über die Auswirkungen der Pandemie, Corona-Tests und seinen Sprung in die erste Mannschaft des ASV Hamm-Westfalen.

Der komplette Amateursport ruht derzeit. Als Zweitligist können Sie aber weiterspielen. Ist das nicht eine komische Situation für Sie?

Etwas komisch schon. In erster Linie freue ich mich, dass ich das weitermachen darf, was mir Spaß macht und weiterspielen darf. Aber es ist natürlich schade für alle anderen, dass sie nicht mehr spielen können.

Manche Sportler, die weiterspielen dürfen, berichteten in den vergangenen Monaten von Anfeindungen, Beleidigungen oder generell negativen Kommentaren. Gab es sowas Ihnen oder Ihren Mitspielern gegenüber auch schon?

Nein, gar nicht. Von so etwas habe ich noch nichts mitbekommen. Was ich von Anderen höre, ist, dass die auch alle gerne spielen würden. Negative Kommentare gab es aber nicht.

Werden Sie und Ihre Mitspieler regelmäßig auf das Coronavirus getestet?

Wir werden zwei Mal pro Woche getestet, die Tests finden einfach vor dem Training statt. Ich denke, da sind wir dann auf der sicheren Seite. Der eine Test ist immer zwei Tage vor dem Spiel, damit die Ergebnisse dann pünktlich da sind, der andere meistens zwei Tage früher.

Gibt es in Ihrem Alltag irgendwelche Einschränkungen, weil Sie noch Leistungssport betreiben?

Wir sollen natürlich aufpassen und uns an alle Regeln halten. Es ist nicht so, dass wir in einer kompletten Blase sind. Durch die Regelungen ist aber im Moment sowieso nicht viel möglich, was ja auch richtig ist.

Im Oktober wurde die Saison in den unteren Ligen abgebrochen. Hatten Sie damit gerechnet, weiterspielen zu dürfen?

Schon ein bisschen, für den Großteil der Spieler in der Liga ist es ja der Beruf. Es hieß von vornherein, dass die Liga weiterlaufen soll. Auch wenn es ohne Zuschauer eigentlich für alle finanziell schwer ist. Ich hatte aber schon damit gerechnet, dass der Spielbetrieb mit Corona-Tests weitergeht.

Wie groß die Gefahr einer Ansteckung während eines Spiels ist, ist immer noch nicht ganz klar. Machen Sie sich darüber manchmal Sorgen?

Wenn wir nicht getestet werden würden, würde ich mir schon Sorgen machen. Mehr Kontakt als beim Handball geht ja gar nicht. Dadurch, dass man aber nur mit einem negativen Test spielen kann, mache ich mir da keine Sorgen.

Gab es schon Corona-Fälle in Ihrer Mannschaft?

Nein, bei uns zum Glück noch gar nicht. In der zweiten Mannschaft gab es aber im vergangenen Oktober drei Fälle. Bei uns sind bislang zwei Spiele ausgefallen, weil der Gegner jeweils einen Fall oder zumindest einen Verdachtsfall hatte.

Im vergangenen Jahr spielte David Spiekermann (l.) noch vornehmlich bei der zweiten Mannschaft des ASV Hamm-Westfalen. In der Liga traf er auch auf Julian Schrief (M.) und den HSC Haltern-Sythen.
Im vergangenen Jahr spielte David Spiekermann (l.) noch vornehmlich bei der zweiten Mannschaft des ASV Hamm-Westfalen. In der Liga traf er auch auf Julian Schrief (M.) und den HSC Haltern-Sythen. © Manfred Rimkus © Manfred Rimkus

Durch die Corona-Pandemie hat sich viel am Drumherum verändert. Wie sehr fehlt Ihnen derzeit das Zusammensitzen nach dem Spiel?

In der Kabine mit der Mannschaft können wir schon noch normal zusammensitzen, weil wir ja alle getestet sind. Da ist alles zumindest noch halbwegs normal. Die Zuschauer fehlen aber auf jeden Fall, das merkt man ganz extrem in jeder Halle. Das Drumherum fehlt einem schon, zum Beispiel, dass man mal mit anderen Mannschaften noch was macht oder sich mit anderen Leuten nach dem Spiel trifft. Im Grunde fahren wir nur in die Halle, trainieren oder spielen und dann geht es wieder nach Hause. Aber ich bin natürlich froh, dass wir überhaupt spielen dürfen.

Sie sollten in dieser Saison zwischen der ersten und zweiten Mannschaft (3. Liga) pendeln. Profitieren Sie nun ein bisschen davon, dass Sie nur noch für die erste Mannschaft spielen können?

Im Grunde war das so abgesprochen, dass ich zwischen den Mannschaften stehe. Ich sollte die Vorbereitung bei der ersten Mannschaft mitmachen. Es hatte sich dann ergeben, dass ich nun ausschließlich bei der ersten Mannschaft bin. Ich hatte noch ein Spiel bei der zweiten Mannschaft gemacht, aber nur bei der Ersten trainiert. Wenn es mal passt und die wieder spielen dürfen, werde ich sicherlich auch mal wieder in der 3. Liga spielen, aber die erste Mannschaft hat da Vorrang momentan. Es hat sich im Grunde alles unabhängig von Corona so entwickelt, dass ich jetzt auch hauptsächlich bei der Ersten dabei bin.

Trainiert die gesamte zweite Mannschaft nun nicht mehr oder gibt es weitere Spieler, die wie Sie für beide Teams spielen sollten und dementsprechend auch bei der ersten Mannschaft weiter mittrainieren?

Ich war von Anfang an der einzige. Es gibt aber noch weitere Spieler, die gegebenenfalls mal bei der zweiten Mannschaft aushelfen könnten. Zwischen den Mannschaften stand eigentlich nur ich. In den letzten Wochen wurde die erste Mannschaft aber auch mit Spielern aus der Zweiten aufgestockt. Die werden dann halt auch getestet und dann geht das.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert
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