Heiko Vogel, der Trainer von Borussia Mönchengladbach II, soll eine Schiedsrichter-Assistentin beleidigt haben. Das hat für ihn nun ein Nachspiel. © dpa
Fußball

Schiedsrichterin aus dem Kreis Unna: „Frauenfeindliche Sprüche gehören leider Gottes dazu“

Der Trainer der U23-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach steht dieser Tage in den Schlagzeilen. Eine Schiedsrichterin aus Holzwickede begrüßt die Maßnahmen gegen Heiko Vogel nach dem Sexismus-Eklat.

Für Heiko Vogel sind es wahrlich nicht die einfachsten Tage. Der Trainer der Reserve-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach soll im Januar nach dem Spiel in der Regionalliga West zwischen Gladbachs U23 und dem SV Bergisch Gladbach das Schiedsrichterteam beleidigt haben. Nach Aussage der Schiedsrichter-Assistentin soll Vogel „Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen“ gerufen haben.

Machte zuletzt eher negative Schlagzeilen: Gladbachs Reservetrainer Heiko Vogel. © dpa © dpa

Das hat für Vogel jetzt ein Nachspiel. Er wurde für zwei Spiele gesperrt und muss 1500 Euro Strafe zahlen. Doch damit nicht genug: Laut diverser Medienberichte soll Vogel zudem bis zum Saisonende sechs Trainingseinheiten von Frauen- und Mädchenmannschaften leiten.

Heiko Vogel soll Maßnahme selbst angeboten haben

Diese Auflage rief viele Reaktionen hervor. „Dieses Urteil diskriminiert alle Frauen im Sport und speziell im Fußball. Uns stellt sich die Frage, wie das Trainieren eines Frauen- oder Mädchenteams als eine Strafe festgelegt werden kann“, heißt es in einem offenen Brief der Spielerinnen der 1. und 2. Frauen-Bundesliga, den Nationalmannschaftskapitänin Alexandra Popp auf Instagram veröffentlichte.

Borussia Mönchengladbach hat diese Darstellung inzwischen zurückgewiesen. Sportdirektor Max Eberl dementierte, dass es sich bei dem Training von Frauen- und Mädchenmannschaften um eine Strafe vom Verband handelt. Vogel habe von sich aus angeboten, er könne die Einheiten der Frauen-Teams leiten.

Schiedsrichterin aus Holzwickede: „Diese Maßnahme ist gar nicht so verkehrt“

Anna-Lena Weiß ist seit elf Jahren Schiedsrichterin. Sie pfeift Spiele für den Holzwickeder SC. Auch sie hat eine Meinung zu den Maßnahmen gegen Heiko Vogel. „Die Aktion als Strafe zu bezeichnen, ist bescheuert. Die Maßnahme an sich ist aber gar nicht so verkehrt“, findet die 24-Jährige. „Vielleicht muss er die Erfahrung einfach mal machen und sieht dann, dass es bei den Frauen teilweise professioneller zugeht als bei den Männern. Die stecken viel Herzblut in den Fußball.“

Schiedsrichterin Anna-Lena Weiß (Holzwickede, 2.v.r.) kennt frauenfeindliche Sprüche auf dem Fußballplatz nur zu gut. © Palschinski © Palschinski

Sie selbst habe in der Vergangenheit auch schon mit frauenfeindlichen Sprüchen auf dem Fußballplatz Erfahrung machen müssen. Von den Aktiven würde sie solche Sprüche nicht hören, vielmehr von außen: „Das kommt andauernd vor. Mir wurde schon so einiges verbal vor den Kopf geworfen. Sprüche wie, ich soll mich an den Herd stellen – die kommen meistens von der älteren Generation am Spielfeldrand“, sagt sie.

Anna-Lena Weiß könnte „ganzes Buch“ mit Sprüchen füllen

Diese frauenfeindlichen Sprüche von den Zuschauern regen Anna-Lena Weiß aber nicht allzu sehr auf. Melden würde sie solche Vorfälle nicht. „Das gehört leider Gottes dazu. Vielleicht kommen wir eines Tages dahin, dass solche Sprüche nicht mehr vorkommen. Aber ich setze mich damit auch nicht wirklich auseinander, sondern konzentriere mich aufs Spiel“, so Weiß.

Und weiter: „Wenn ich das alles notieren würde, was ich so von den Zuschauern höre, dann könnte ich pro Spiel fast ein ganzes Buch füllen. Für den Schiedsrichter-Job muss man schon abgehärtet sein.“ Aber hat man als Frau einen schwereren Stand als Spielleiterin als die männlichen Kollegen? Anna-Lena-Weiß verneint diese Frage: Die Männer müssen sich genau so viel anhören wie wir Frauen.“

Assistenz in der 2. Frauen-Bundesliga – für Anna-Lena Weiß eine „große Ehre“

Die 24-Jährige pfeift bereits seit ihrem 13. Lebensjahr – zunächst Jugendspiele, später auch Partien im Seniorenbereich; bei den Frauen wie bei den Männern. „Da wird ja nicht differenziert. Man kann vor einer Ansetzung aber sagen, dass man sich das Spiel nicht zutraut“, sagt Weiß. Für sie kam es aber nie infrage, eine Ansetzung abzulehnen.

Seit letztem Jahr ist sie in der 2. Frauen-Bundesliga als Assistentin im Einsatz. Die Saison ist jedoch seit einigen Monaten Corona-bedingt unterbrochen, soll jetzt aber wieder aufgenommen werden. Weiß: „Ich habe erst zwei oder drei Spiele in der 2. Liga mitmachen dürfen. Ich freue mich, wenn weitere Einsätze dazukommen. Es ist auf jeden Fall eine große Ehre für mich, dass ich auf DFB-Ebene als Schiedsrichter-Assistentin eingesetzt werde.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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