Für die Kamener Fußballvereine bedeutet die Umsetzung der womöglich bald geltenden 2G-Regeln einen großen Aufwand. © Jens Lukas
Coronavirus

„2G heißt für mich Saisonabbruch“ – Verschärfte Corona-Regeln bereiten den Kamener Klubs Sorgen

Datenschutz-Hürden, Wettbewerbsverzerrung und fehlende Einnahmen: Die geplanten flächendeckenden 2G-Kontrollen versetzen die verantwortlichen der Kamener Fußballvereine in Aufruhr.

2G-Regel im Amateurfußball: In der kommenden Woche könnte die neue Regelung womöglich umgesetzt werden. Dies würde eine große Umstellung für die Kamener Vereine bedeuten. Denn nur wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist oder als genesen gilt, darf das Vereinsgelände dann betreten. Egal ob als Sportler oder Zuschauer. Ein Umstand, der von den jeweiligen Vorsitzenden unterschiedlich aufgenommen wird. Unsere Redaktion fasst die Aussagen zusammen.

Benjamin Wagner, Vorsitzender Kamener SC:



„Wir wollen die Regel definitiv einhalten, da die Zahlen nach oben gehen und es so oder so Sinn ergibt, das anzupassen. Wir kennen die Situation ja auch und kontrollieren am Eingang jeden Besucher und Spieler auf 3G. An der Stelle dann wahrscheinlich bald auf 2G. Trotzdem ist es natürlich ein gewisser Aufwand, weil immer jemand am Eingangstor stehen muss – auch beim Training. Das müssen wir Ehrenamtlichen dann eben koordinieren und in unserer Freizeit machen. Aber da rotieren wir einfach durch.

Wie viele bei uns im Verein geimpft sind, kann ich gar nicht sagen. Das obliegt ja auch dem Datenschutz. Sorgen macht man sich natürlich so oder so, dass die Saison wieder abgebrochen wird. Das ist die ganze Zeit im Hinterkopf.

Wir haben ja aber auch schon Mitte November und bis zur Winterpause ist es nicht mehr weit. Hoffentlich wirken die Maßnahmen jetzt und noch mehr Leute lassen sich impfen, sodass die Zahlen dann bis zum Frühjahr zur Rückrunde wieder besser sind.“

Ulrich Eckei, Vorsitzender BSV Heeren:
„Am Montag haben wir mit allen Kamener Vereinen bei uns im Vereinsheim schon entschieden, dass wir die diesjährigen Hallen-Stadtmeisterschaften nicht stattfinden lassen können. Wie soll man das auch bewerkstelligen unter 2G? Das können wir so nicht durchziehen. Dass die Turniere nicht stattfinden, werden wir natürlich durch die fehlenden Einnahmen auch finanziell merken. Eigentlich sind wir ganz gut durch die Pandemie gekommen, aber wenn wir noch mal für mehrere Monate die Saison rigoros unterbrechen müssen, wäre das ein Problem. Dann müssten wir uns schon strecken.

Ulrich Eckei: „Eigentlich sind wir ganz gut durch die Pandemie gekommen, aber wenn wir noch mal für mehrere Monate die Saison rigoros unterbrechen müssen, wäre das ein Problem.“
Ulrich Eckei: „Eigentlich sind wir ganz gut durch die Pandemie gekommen, aber wenn wir noch mal für mehrere Monate die Saison rigoros unterbrechen müssen, wäre das ein Problem.“ © Privat © Privat

Aber wenn die Zahlen weiter steigen, bleibt uns wahrscheinlich gar nichts anderes übrig. Von daher ist es gut, wenn jetzt 2G kommt. Bei uns im Verein waren vor ein paar Wochen noch ein paar wenige nicht geimpft. Das ist vorbei. Mittlerweile sind alle durchgeimpft. Gut ist, dass wir durch den Feiertag am Wochenende keine Spiele haben. Dann haben wir genug Zeit, die kommenden Maßnahmen auch sofort umzusetzen. Wir haben im Verein schon ganz andere Sachen gestemmt. Das bekommen wir hin.“

Olaf Haeseler, Sportlicher Leiter VfL Kamen:

„Bislang hat alles unter 3G gut funktioniert, aber durch den dramatischen Anstieg der Zahlen muss jetzt etwas verändert werden. Dann heißt 2G für mich – Saison-Abbruch.

Denn gewisse Mannschaften, bei denen noch viele Spieler ungeimpft sind, werden dann nicht mehr die nötige Kaderstärke haben. Bei uns werden es nur zwei oder drei sein, aber bei anderen Vereinen mit Sicherheit mehr. Es wäre also grenzwertig. Dann würden die Spieltage wieder auseinandergerissen werden. Es wird meiner Meinung nach also eine Pause geben. Sonst wäre das eine Wettbewerbsverzerrung.

Wenn die 2G-Regel wirklich umgesetzt wird, dann bräuchten wir ja nur noch wenige Spiele, bis die 50-Prozent-Grenze erreicht ist. Das wäre trotz einer Unterbrechung bis Mai oder Juni absolut möglich. Die Regeln allerdings umzusetzen, stelle ich mir schwierig vor. Wir werden ganz genaue Auflistungen beim Training und an Spieltagen führen müssen. Aber weil die Zahlen so explodieren, wird es nicht anders möglich sein.“

Eckart Stender, Vorsitzender SuS Kaiserau:

„Wir haben 3G über Monate gelebt und echt gut hinbekommen. Im Seniorenbereich begrüßen wir, dass jetzt 2G kommt. Das schafft aufgrund der aktuellen Inzidenzen viel mehr Sicherheit.

Wie das dann genau umgesetzt wird, also wie die Gästemannschaften uns ihren Nachweis vorlegen oder wie wir unsere eigenen Spieler und Zuschauer checken, das wird sich dann zeigen, wenn die genauen Vorgaben bekannt gegeben wurden.

Auf jeden Fall ist die 2G-Regel unabdingbar, wenn wir keinen Saisonabbruch riskieren wollen. Das wäre psychologisch brutal, egal ob im Senioren- oder Junioren-Bereich. Gerade auch für die Kids wäre das total bitter. Es nützt aber nichts. Für uns steht der Schutz unserer Mitglieder an erster Stelle.“

Nail Kocapinar, Pressesprecher und Trainer TSC Kamen:

„Die 2G-Regel für den Fußball wird kommen, aber ich finde es ehrlich gesagt nicht so gut. Wir sind auf den Sportplätzen an der frischen Luft. Da ist die Gefahr geringer, sich mit Corona zu infizieren. Wenn 2G für den Fußball kommen sollte, wäre das ein Hammer für die Vereine. Viele Zuschauer würden nicht mehr kommen. Ich selber bin geimpft, so wie auch der Großteil der ersten Mannschaft. Aber viele Mannschaften werden damit Probleme bekommen, wenn sie zwei, drei Stammspieler haben, die nicht geimpft sind.

Es sind jetzt eh nur noch drei Spiele bis zur Winterpause. Vielleicht sollten wir einfach später wieder anfangen und in den Sommer hineinspielen. Wir haben ja daraus gelernt, dass die Zahlen runtergehen, wenn es draußen nicht mehr so kalt ist.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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