Coronavirus: Lüner Borussen und Schalker ärgern sich über Geisterspiel: „Das ist so kein Derby mehr“

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Das Fußball-Bundesliga-Derby zwischen Borussia Dortmund Schalke 04 findet wegen des Coronavirus vor leeren Rängen statt. Viele Fußballfans ärgern sich über die Entscheidung. Wir haben nachgehört.

Lünen

, 10.03.2020, 14:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Entscheidung steht: Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 findet am kommenden Samstag, 14. März, im Signal-Iduna-Park ohne Zuschauer statt. Grund ist die Sorge vor der Ausbreitung des Coronavirus.

Für die Fans beider Lager ist die Entscheidung, die die Stadt Dortmund am Dienstag getroffen hat, ein Schock. Betroffen sind davon auch Anhänger aus der Lippestadt, die am Samstag ins Stadion gegangen wären. Wir haben mit einigen gesprochen.

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Dominik Deppe spielt aktuell noch beim Westfalenligisten Lüner SV, ehe er im Sommer zum FC Brünninghausen wechselt. Mit den Lünern absolviert der Außenverteidiger am Samstagvormittag zunächst das Abschlusstraining. Danach wollte Deppe nach Dortmund ins Stadion fahren. Daraus wird nun nichts. „Das ist natürlich durchwachsen. Jeder, der ins Stadion gegangen wäre, hätte sich gefreut. Die Entscheidung ist ärgerlich. Das sind die Spiele, für die man die Dauerkarten hat“, sagt Deppe, der die Heimspiele immer von der Osttribüne aus verfolgt.

Plan B ist nun nötig

Nun braucht der Schwansbeller einen Plan B. Wahrscheinlich guckt er das Derby dann in der Innenstadt - und genau da befürchtet Deppe ein neues Problem. „Das Corona-Problem wird durch das Geisterspiel ja nur verlagert. Die Innenstadt wird aus allen Nähten platzen, das Problem in die Kneipen und Bars verschoben. Ich hätte das Spiel nicht abgesagt. Da ist viel Panikmache dabei“, sagt Deppe.

In eine ähnliche Richtung argumentiert auch Pascal Harder, Spielertrainer von GS Cappenberg. Harder ist BVB-Fan, aber kein klassischer Stadiongänger. Dennoch kann er die Entscheidung nicht ganz nachvollziehen und übt Kritik.

„Momentan wird da herumjongliert“

„Wenn Fans sich zum Massengucken treffen, ist es nicht besser. Außerdem darf dann keiner mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, keiner mehr in die Innenstadt gehen und keiner mehr feiern gehen“, sagt Harder und ergänzt: „Außerdem: Wenn man schon Geisterspiele ansetzt, dann für alle Vereine in der Bundesliga. Momentan wird da etwas herumjongliert“

Dennis Gerleve, Noch-Spielertrainer beim BV Lünen, wäre mit einigen Mannschaftskameraden der Geister auch im Stadion gewesen. Gerleve verfolgt die Heimspiele vom Block 13 der Südtribüne aus. Dass die Stadt so entschieden hat, beschreibt Gerleve als „extrem bitter“. „Für mich persönlich ist das eine doofe Geschichte. Man freut sich die ganze Zeit auf das Spiel. Es wird sicherlich sehr komisch ohne Fans sein. Das Flair wird ganz anders sein - ebenso die Herangehensweise. Ich bin gespannt“, sagt Gerleve.

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„Für mich ist das so kein Derby mehr“, sagt Thies Adam, Spieler beim TuS Niederaden und Anhänger des FC Schalke 04. Zwar wäre Adam am Samstag nicht im Stadion gewesen - die Entscheidung der Stadt Dortmund ärgert ihn aber.

„Ich finde es unverhältnismäßig“

„Ich finde es unverhältnismäßig, das Spiel ohne Zuschauer stattfinden zu lassen. Wir reden von knapp 1000 Infizierten bei über 80 Millionen Einwohnern. Das ist mir zu viel Panikmache und Aktionismus“, sagt Adam und legt nach: „Für die Fans ist das eine absolute Katastrophe. Es sind ja die Fans, von denen die Rivalität gelebt wird. Ohne Fans ist das nur ein x-beliebiges Bundesliga-Spiel“.

„Eine völlige Katastrophe“

Ein Stück weit verständnisvoller zeigten sich Oliver Basdorf, Spieler vom BV Brambauer II und Benedikt Kuhne, Sportlicher Leiter von BW Alstedde. Beide sind BVB-Fans und hätten das Spiel am Samstag im Stadion verfolgt. Kuhne auf der Südwest-Tribüne, Basdorf auf der Süd.

„Im Großen und Ganzen ist es eine völlige Katastrophe, dass das Spiel der Spiele vor leeren Rängen stattfindet. Für die Gesundheit ist es schon besser, im Herzen tut es aber richtig weh“, sagt Basdorf, der mit seinen Freunden das Spiel nun „irgendwo in Dortmund“ verfolgen wolle.

Auch Benedikt Kuhne zeigt Verständnis. „Ob es nötig ist, müssen Leute entscheiden, die davon Ahnung haben. Gesundheit und Schutz vor Verbreitung sollten natürlich immer an erster Stelle stehen“, sagt Kuhne, der dennoch traurig über die Entscheidung ist.

Einen anderen Blickwinkel hat noch einmal Olaf Bispinghoff, Wasserballtrainer des SV Lünen und Schalke-Fan: „Für jeden Sportler ist es eine schreckliche Sache, ohne Zuschauer zu spielen. Wenn wir keine Zuschauer haben, dann ist das auch schade für die Jungs. Aus gesundheitlicher Sicht ist die Entscheidung aber mit Sicherheit sinnvoll“, so Bispinghoff.

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