Ex-Trio des Lüner SV wirft Vorstandsmitglied Peter Marx rassistische Äußerung vor

hzLüner SV

Kadir Kaya, Fatih Kaya und Murat Büyükdere haben den Lüner SV im Oktober verlassen. Im Interview hat das ehemalige LSV-Trio die Gründe verraten. Im Raum steht eine rassistische Aussage.

Lünen

, 30.10.2019, 16:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kadir Kaya, Fatih Kaya und Murat Büyükdere haben am 16. Oktober ihren Rücktritt vom Lüner SV öffentlich gemacht. Kadir Kaya war zuletzt als Co-Trainer der Westfalenliga-Mannschaft bei den Rot-Weißen aktiv, Büyükdere fungierte zuletzt als spielender Trainer der Bezirksliga-Reserve, Fatih Kaya war sein Co-Trainer. In einem Interview hat das Trio nun seine Beweggründe für den Abgang genannt.

Als einen Grund nennt das Trio eine „rassistische Aussage“, die Peter Marx, stellvertretender Vorsitzender, in einer Facebook-Gruppe getätigt hat. Der Facebook-Post soll sich an Bülent Kara, für kurze Zeit Sportlicher Leiter der Reserve (wir berichteten), gerichtet haben.

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Zum Hintergrund: Bülent Kara hat kurz nach seinem Rauswurf beim Bezirksligisten Türkspor Dortmund (19. September) ein Angebot des Lüner SV erhalten, fungierte vom 22. September bis (offiziell) zum 14. Oktober als Sportlicher Leiter bei der Reserve des Lüner SV.

Am Montag, 14. Oktober, gab Kara dann seinen Rücktritt beim Lüner SV bekannt. „Ich habe gemerkt, dass die Sportliche Leitung nichts für mich ist. Die aktuelle Situation beim Lüner SV ist sehr schwierig. Ich kann der Mannschaft nicht auf Anhieb helfen“, begründete Kara am 14. Oktober seine Entscheidung im Gespräch mit dieser Redaktion.

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Ebenfalls am Montag, 14. Oktober, setzte Peter Marx, stellvertretender Vorsitzender der Lüner, einen Post bei Facebook in der Gruppe „Lüner SV Fussball Support“ ab. Bei dieser Gruppe handelt es sich um eine geschlossene Facebook-Gruppe, in der sich überwiegend Fans, Freunde und Spieler des Lüner SV befinden.

In seinem Post, der mittlerweile gelöscht wurde, reagierte Marx auf einen Beitrag des LSV-Anhängers Dieter Eschenbacher. In diesem Post äußert sich Marx scheinbar zum Abgang Bülent Karas.

„Einem türkischen Söldner, der gerade noch von seinem rot weissen LSV Blut sprach und schon immer zum LSV wollte und mit uns zusammen eine erfolgreiche Zukunft ansteuern wollte, da sagst du, dass wir schlecht kommuniziert hätten!! Der Herr K. folgt auch nur dem Geld, du wirst es bald lesen“, schrieb Marx.

Ex-Trio des Lüner SV wirft Vorstandsmitglied Peter Marx rassistische Äußerung vor

Dies ist ein Auszug aus dem Post von Peter Marx bei Facebook. © Patrick Schröer

Für Kadir Kaya, Murat Büyükdere und Fatih Kaya handele es sich bei dieser Aussage um eine „rassistische Aussage“. „Alleine die Bezeichnung Söldner ist schon abwertend und für uns wäre es auch ein Grund, rechtlich dagegen vorzugehen. Aber der Zweite Vorsitzende hält es noch für nötig, die Nationalität des ehemaligen Sportlichen Leiters zu nennen“, äußert sich das Trio in einem Schreiben, das die beiden Kayas und Büyükdere zum Interviewtermin mit dieser Redaktion mitgebracht haben.

Kadir Kaya legte nach: „Ein Zweiter Vorsitzender darf so etwas nicht kommunizieren. Er hat bewusst die Worte ,türkischer Söldner‘ gewählt. Das ist Nährboden für Rassisten und geht gar nicht“, so Kadir Kaya, der ergänzt: „Er hätte danach Konsequenzen ziehen müssen. Auch der Verein hat dazu keine Stellung genommen.“ Marx selbst bezeichnet das Trio allerdings nicht als Rassisten, sondern lediglich die Aussage an sich als „rassistisch“.

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Stellung genommen dazu hat am Dienstag, 15. Oktober, allerdings noch einmal Peter Marx, wiederum bei Facebook in der Gruppe „Lüner SV Fussball Support“.

Marx schrieb folgendes: „An alle Mitglieder dieser Gruppe: Leider habe ich aus persönlicher Enttäuschung gegenüber einer Person eine sicherlich unbedachte Äusserung in dieser Gruppe getätigt! Ich möchte hier aber klarstellen, dass sie weder einen nationalistischen oder rassistischen Hintergrund hat“, heißt es in dem Post.

„Wäre die von mir angesprochene Person ein Deutscher gewesen, hätte ich ihn als deutschen Söldner bezeichnet! Ich liebe alle Menschen jeder Nationalität und erst recht alle die für den grossen internationalen Lüner SV tätig sind. Danke und bis bald. Peter Marx 2. Vorsitzender Lüner SV“, heißt es weiter.

Ex-Trio des Lüner SV wirft Vorstandsmitglied Peter Marx rassistische Äußerung vor

Dies ist ein Auszug aus dem Post von Peter Marx bei Facebook. © Patrick Schröer

Dieser Redaktion ist ebenfalls bekannt, dass es nach den beiden Postings Kontakt zwischen Peter Marx und Bülent Kara gegeben habt. Kara teilte auf Anfrage mit, dass Marx sich bei ihm entschuldigt habe.

Dem Trio ist das aber nicht genug. In dem Schreiben teilt das Trio mit: „Wir überlegen auch weiterhin, diesen Kommentar anzuzeigen. Es gibt Meldestellen für Hetze im Internet“.

Trio will den Post rechtlich prüfen lassen

„Wir werden diesen Kommentar rechtlich prüfen lassen und gucken, inwieweit wir dagegen vorgehen können. Das entscheiden wir in den nächsten Tag“, so Kadir Kaya, der auf den Paragrafen 130 des Strafgesetzbuches hinweist.

Diese Redaktion hat nach dem Interview via E-Mail die drei Vorsitzenden des Vereins, Imdat Acar, Peter Marx und Arno Franke, um eine schriftliche Stellungnahme gebeten.

Das sagt der Lüner SV zu den Anschuldigungen

Der Verein hat sich wie folgt geäußert: „Die Vereinsführung hat monatelang sehr viele und auch sehr intensive Gespräche mit Herrn Büyükdere und Herrn Kadir Kaya geführt. Es ist aber nicht unsere Art und Weise Details, Fakten und Hintergründe in der Öffentlichkeit breit zu treten. Wir verurteilen das Nachtreten auf und neben dem Spielfeld und nach Spielende. Das Trio hat selbst den Schlusspfiff abgegeben und das Miteinander beendet. Deshalb erübrigt sich jedes weitere Wort von unserer Seite zu den Aussagen und Vorwürfen dieser Personen. Selbstverständlich wünschen wir ihnen beruflich, sportlich und privat alles Gute.“

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