Die letzte Runde ist beendet: Fred Gatzke, einer der letzten Lüner Boxer ist gestorben

Boxen

Fred „Freddy“ Gatzke, der bekannte Lüner Boxer, der aufgrund einer fehlenden rechten Hand nie an einer Meisterschaft teilnehmen durfte, ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

von Bernd Janning

Lünen

, 09.01.2021, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch eine Behinderung konnte Fred Gatzke (links) nicht vom Boxsport abhalten.

Auch eine Behinderung konnte Fred Gatzke (links) nicht vom Boxsport abhalten. © Privat

„Freddy“ Gatzke wurde am 25. August 1930 geboren und verlor unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 bei einer Explosion seine rechte Hand. Eine Laufbahn als Boxer? Kaum vorstellbar. Er durfte nur bei Vergleichen der Vereine untereinander starten. Zu Meisterschaftskämpfen ließen ihn die Sportärzte nicht zu. Trotzdem war er sehr erfolgreich.

„Ich fühlte mich mit meiner Behinderung meinen Gegnern nie von vorneherein unterlegen. Die fehlende Hand war für mich nur ein leichtes Handicap“, steckte er die schwere Verletzung gut weg. Der Weltergewichtler hatte als Bergmann auf der Lüner Zeche Viktoria ein gutes Stehvermögen. Schon mit 15 Jahren war er Mitglied einer Boxstaffel.

Boxer und Faustkämpfer arbeiteten eng zusammen

Als 1945 im heutigen Lüner SV eine Box-Abteilung entstand, zählte er zu den Mitbegründern. Später trennte sich die Box-Staffel vom Lüner SV, machte sich 1951 als „Faustkämpfer 51 Lünen“ selbstständig. Veteranen des ehemaligen Vereins „Boxsport 32 Brambauer“ kamen im Laufe der Zeit hinzu. Der Namen wurde in „Faustkämpfer Groß-Lünen“ geändert, hieß von 1955 bis 1964 nur noch „Faustkämpfer Lünen“.

Gatzke war zudem auch als Ringrichter aktiv. Hier beim Kampf zwischen Fritz Becker (links) gegen Gerd Weniger.

Gatzke war zudem auch als Ringrichter aktiv. Hier beim Kampf zwischen Fritz Becker (links) gegen Gerd Weniger. © Privat

Insbesondere Brambaueraner Bergleute, die nach Alstedde gekommen waren, gründeten 1957 den „Boxclub Alstedde 57“. Die Boxer aus Alstedde und die Faustkämpfer arbeiteten eng zusammen. Doch 1969 war die Zeit der Boxer in Lünen vorerst vorbei: Knockout!

Geblieben sind viele Anekdoten rund um den Kampfplatz im „Schützenhof“ an der Cappenberger Straße und den Freiluftring in Alstedde bei „Heideblümchen“ und unter den Platanen vor der Brambauer Achenbachschule.

Viele Anekdoten bleiben seither im Gedächtnis

Geblieben sind auch nette Geschichten. Diese hier stammt von Fred Gatzke persönlich: „1948 blieb die Boxstaffel ohne Niederlage. Zu den Auswärtskämpfen reisten die mit der Bahn, mit dem offenen Kohlelaster von Hugo Mehrholz oder dem Mehltransporter von Bach an.“

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„Nach uns die Sintflut!“ könnten die Boxer am 16. Mai 1947 gedacht haben. Auf der Fahrt nach Datteln mussten sie sich auf dem offenen Laster mit einer geliehenen Plane vor dem Dauerregen schützen. Die Umkleide im Dattelner Zentralkino unter der Bühne im Keller stand nach dem Wolkenbruch einen halben Meter unter Wasser. Die Sportler mussten sich auf Tischen und Stühlen umkleiden.

Großkampftag im Schützenhof

„Rauf in den Ring, boxen, wieder über Wasser umziehen und dann wieder mit der Plane über dem Kopf nach Hause“, erinnerte sich Gatzke an den denkwürdigen Tag. „Aber mit einem haushohen Sieg in der Tasche! Mensch, waren wir stolz!“

Eine weitere besondere Geschichte ereignete sich am 22. Mai 1948 – es war seinerzeit der Großkampftag im Schützenhof. Lünen gegen Selm. Der Saal war ausverkauft. 300 schauten noch von draußen durch die offenen Türen und Fenster zu. Über 50 Flaschen Schnaps, entweder schwarz gebrannt oder von der Zeche zugeteilt, standen im Hauptkampf beim Wetten auf dem Spiel. Der Selmer Arno Toplak als Favorit wurde jedoch nach sechs Niederschlägen aus dem Ring genommen. Lünen, mit Fritz Sambil, gewann 13:3, die Lüner Fans jede Menge Schnaps.

„Freddy“ Gatzke machte trotz seines Handicaps als Profi weiter. Nach einem undatierten Zeitungsbericht wurde er „als aufrichtiger und fairer Sportler für seinen 50. Kampf“ geehrt. Mehr als 30 davon hatte er gewonnen. Jetzt hat er seine letzte Runde beendet. Fred Gatzke starb am 11. Dezember 2020.

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