Kuriose Verkettung von Umständen bringt Lüner Team wohl alleiniges Aufstiegsrecht

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Kopf-an-Kopf-Rennen an der Tabellenspitze, Türkspor Dortmund, ein Spruch von und einer an Kevin Großkreutz - diese Lüner Fußball-Mannschaft darf in der kommenden Saison wohl eine Liga höher antreten.

Brambauer

, 09.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ganz so simpel ist die Empfehlung zur Wertung der Saison des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW) nicht - es ist allerdings auch keine Atomphysik. Absteiger soll es von der Fußball-Kreisliga D bis zur Oberliga keine geben, wer die Tabelle zum Zeitpunkt des Abbruchs anführt, steigt unter Anwendung einer Quotientenregelung auf, und wenn ein anderer Klub als der derzeitige Spitzenreiter die Hinrunden-Meisterschaft errungen hat, steigt dieser ebenfalls auf. In einer Kreisliga bietet sich nun eine besondere Situation.

Als Mitte November die Hinrundentabelle feststand, lag der BV Brambauer III in der Kreisliga C auf Tabellenrang zwei. Elf Spiele, 30 Punkte, 53:13 Tore - die Elf von Trainer Yildiz Arslan war bis zu diesem Zeitpunkt durch die Liga marschiert und eigentlich viel zu stark für die meisten Konkurrenten. Doch damit war sie nicht das einzige Team: Spitzenreiter Türkspor Dortmund II hatte ebenfalls 30 Punkte aus elf Partien gesammelt und führte mit dem besseren Torverhältnis von 63:14 die Liga an.

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Vorgespult bis Mitte März: Aufgrund der Ausbreitung der Corona-Pandemie unterbrechen die Verbände den Spielbetrieb. Spitzenreiter ist auch jetzt Türkspor Dortmund, mit nun 39 Punkten aus 15 Spielen. Mit 37 Zählern aus 14 Partien folgt der BVB III direkt auf dem Fuße und könnte mit einem Sieg in der noch ausstehenden Partie die Tabellenführung übernehmen. Aus der Traum vom Aufstieg?

Brambauer sammelt im Schnitt mehr Punkte

Doch im Saisonabbruchs-Szenario des FLVW wird diese ausstehende Partie nicht mehr gespielt, sondern ein Quotient errechnet. Und berechnet man diesen, hat Türkspor im Schnitt 2,6 Zähler pro Partie gesammelt, und Brambauers Dritte 2,64 Punkte.

Dementsprechend würde der Aufstiegsplatz des Tabellenführers nach Saisonabbruch unter Anwendung der Quotientenregelung an das Team von Trainer Yildiz Arslan gehen und Türkspor Dortmund würde als Hinrundenmeister ebenfalls das Aufstiegsrecht erhalten - oder? Falsch. Denn in der Kreisliga C4 hatte das Team von SF Ay Yildiz Derne III im Februar seine Mannschaft zurückgezogen - alle Spiele dieses Klubs fallen somit aus der Wertung.

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Und ohne diese Spiele zeigt sich auch in der Hinrundentabelle ein neues Bild: Nun führt der BV Brambauer III die Tabelle an, mit 27 Zählern und einem Torverhältnis von 48:11. Türkspor Dortmund ist punktgleich, hat aber „nur“ noch ein Torverhältnis von 37:14. Ergo würde der BV Brambauer III nun für das Hinrunden-Szenario sowie für den aktuellen Tabellenstand nach Quotientenregelung das Aufstiegsrecht erhalten - und die Dortmunder müssten in die Röhre gucken.

Türkspor tritt zum Topspiel mit verstärkter Mannschaft an

„Man darf eins nicht vergessen: Dürften wir nochmal gegen Türkspor spielen, hätten die mindestens vier hochkarätige Spieler aus der ersten Mannschaft dabei, wie in der Hinrunde. Da merkt man, ob man Bezirks- oder Landesligaspieler hat in der Kreisliga C, oder nicht“, wirft Trainer Yildiz Arslan ein. „Also wollen wir‘s mal so sagen: Es ist eigentlich fair, dass wir aufsteigen, weil wir nur mit unseren Mitteln kämpfen, die wir zur Verfügung haben, und Türkspor da natürlich ganz anders aufgestellt ist.“

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Aber auch sportlich sei ein Aufstieg verdient, da sein Team ein Spiel weniger absolviert und dieses sicherlich gewonnen hätte. Die einzige Saisonniederlage des BV Brambauer III datiert vom Aufeinandertreffen mit der verstärkten Türkspor-Elf, 0:2 unterlag Arslans Team auf heimischem Boden. Hinzu kommt ein Remis, alle anderen Partien gewann der BVB III. Die Dortmunder dagegen unterlagen zweimal, Anfang September 3:5 gegen den VfL Kemminghausen III und 1:2 gegen den FC Fortuna Anfang Dezember.

Die Taktik für das Rückspiel stand schon

Für das Rückspiel hatte der Brambaueraner Coach bereits einen Plan. „Da hätte ich dann auch mindestens eine so defensive Taktik angewendet, dass es zu einem Unentschieden gekommen wäre. Ich wüsste genau, wie ich gegen die aufstellen sollte“, erzählt Yildiz Arslan, der den Verein Türkspor Dortmund gut kennt. „Ich hatte schon mit Kevin (Großkreutz, Fußball-Profi und Trainer der Bezirksliga-Mannschaft Türkspors, Anm. d. Red.) geflachst. Er hat gesagt: ‚Ich schicke sechs Leute runter.‘ Und ich habe gesagt: ‚Wir spielen Kreisliga C - du weißt, womit die zu rechnen haben. Wir werden die bestimmt nicht mit Samthandschuhen anfassen.‘“

Diese Behandlung bleibt den Spielern aus der ersten Mannschaft der Dortmunder nun wohl erspart: Am Freitag bestätigte FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski in einem Verbandsinterview noch einmal, dass die Fußball-Saison trotz der Lockerung der Corona-Maßnahmen im Land NRW abgebrochen werden soll.

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