„Lieber Fußball mit dem Fuß spielen“: Trainer äußern sich zu Kopfballeinheiten in der Jugend

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Kopfballtraining bleibt im Fußball weiterhin ein umstrittenes Thema. Vom DFB gibt es dazu Empfehlungen. Doch die benötigen einige Jugendtrainer in Herbern, Selm und Lünen eigentlich gar nicht.

Lünen, Bork, Herbern

, 21.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Jugendfußballtrainer rund um Lünen, Selm und Herbern kommen mit ihrer Meinung zur Spieltaktik und Planung von Einheiten nicht immer auf einen gemeinsamen Nenner. Doch bei einer Sache sind sich einige der Trainer einig: Kopfballballübungen für die Jüngsten müssen absolut nicht sein und wenn dann nur in ganz geringem Ausmaß. Damit sind sie das beste Beispiel für eine neue Einschränkung, die aus dem englischen Fußball kommt.

Dort dürfen nämlich die Trainer mit Kindern im Grundschulalter zwischen sechs bis elf Jahren keine Kopfbälle mehr üben. Ab der U12 nur noch selten und ausnahmsweise und bis zur U18 sollen die Coaches dieses Training soweit wie möglich meiden und reduzieren. In Punktspielen sei der Kopfball aber in sämtlichen Altersklassen erlaubt, heißt es. Vorreiter dieser Maßnahme war der nationale Fußballverband der USA. Dort gilt seit 2015 ein Kopfballverbot für Kinder bis zum elften Lebensjahr.

Lieber Fußball mit dem Fuß spielen

An die neue Regelung, die nun in England in diesem Jahr beschlossen wurde, hält sich auch Sezer Yildiz, Jugendleiter des BV Brambauer - aber ganz unbewusst. Denn bei ihm in der F-Jugend gab es bisher noch keine spezifischen Einheiten zu Kopfbällen. „Ich sehe nicht, dass Kinder in dem Alter schon Kopfbälle trainieren müssen. Wir legen das Augenmerk in dem Alter eher auf den Fußball, mit dem Fuß und nicht mit dem Kopf“, erklärt er.

Diese Sichtweise teilt auch Dirk Stadthaus, der beim PSV Bork die E-Jugend trainiert. „Das ist in dem Alter viel zu früh, so ein Training kann zu mehr Schaden als wirklichem Nutzen führen.“ Auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Jüngsten in Punktspielen zum Kopfball greifen, stuft er als sehr gering ein.

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Aber warum eigentlich die ganze Diskussion um Kopfbälle und das damit verbundene Training speziell im Jugendbereich? Es geht darum, die Kopfgesundheit zu schützen, und das bereits bei den Nachwuchsspielern. Denn auch in England kam das Verbot nicht von ungefähr. Eine Studie, die von der FA (Football Association) und der Spielergewerkschaft in Auftrag gegeben wurde, kam zu dem Ergebnis dass Fußballprofis im Vergleich zur britischen Gesamtbevölkerung mit einer 3,5-mal höheren Wahrscheinlichkeit an einer degenerativen Hirnkrankheit sterben.

Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, sei bei Fußballern 3,45-mal höher, wenn es um Alzheimer geht sogar 4,4-mal. Ein Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen den Kopfbällen, die Fußballer im Spiel oder im Training machen, wurde damit aber nicht nachgewiesen. Das seien nur Spekulationen.

Kaum Notwendigkeit in Kopfballtraining

Der E-Jugend-Trainer des SV Herbern, Michael Zdahl, ist ehrlich: Große Gedanken hat er sich zu diesem Thema in der Vergangenheit noch nicht gemacht. In dieser Saison standen Kopfballübungen nur ein bis zwei Mal auf dem Plan. „Und das auch nur, damit die Kinder wissen, wie sie richtig köpfen, nämlich mit der Stirn. Wenn im Spiel dann eine kritische Situation vorkommt, weiß ich, dass ich vorgesorgt habe und meine Mannschaft keine Angst bekommt.“ Aber in vermehrtem Training von Kopfbällen sieht auch der 41-Jährige keine Notwendigkeit. „Das ist jedoch abhängig vom Trainer, denn richtige Standards gibt es nicht.“ Damit hat Zdhal nur zum Teil recht.

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Denn der DFB gibt auf seiner Internetseite einige Empfehlung zum eingeschränkten Kopfballtraining, von den Bambinis bis zur U20, spricht aber kein klares Verbot aus. Für die Coaches gibt es zusätzlich noch verschiedenen Einheiten zum Nachmachen.

Die gute Technik und nicht das unendliche Kopfballtraining stehen hier im Vordergrund, damit unkontrollierte Stöße auf das Gehirn von vornherein vermieden werden können. Ein dosiertes Kopfballtraining gibt es auch bei Alexander Specht, Jugendleiter des BW Alstedde. „Das sind kleine Übungen, die maximal fünf Minuten gehen. Da sollten wir bei den Kindern mit Vorsicht rangehen und nicht mit den harten Bällen trainieren.“

Spaßfaktor aber keinen Mehrwert

Dirk Stadthaus hat sich mit seinem Trainerteam die Tipps des DFB angeschaut. Das Luftballontraining, das dort für die Jüngsten empfohlen wird, setzt er aber in seinen Einheiten nicht um. „Das bringt zwar einen gewissen Spaßfaktor für die Kinder, aber keinen wirklichen Mehrwert.“ Er beobachtet in seiner Mannschaft auch, dass die Kinder den Kopfball im Spiel gar nicht erst aktiv suchen und es eher vermeiden.

Wenn es aber gar nicht anders geht, beispielsweise bei einer Flanke, darf beim Brambaueraner Team von Sezer Yildiz das Tor auch mit dem Kopf gemacht werden. „Sonst rate ich den Kindern aber den Ball eher mit der Brust zu kontrollieren.“ Er hat nämlich schon negative Erfahrungen mit Kopfbällen gemacht.

Als Zuschauer bei den Lüner Stadtmeisterschaften beobachtete er vor einiger Zeit, wie zwei Kinder zum Ball hoch gesprungen sind, und Kopf an Kopf aneinandergeknallt sind. „Dabei hat sich dann eines der Kinder sogar die Zunge verschluckt“, erinnert sich der Trainer.

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