In einer Stellungnahme hat der Gesamtvorstand des Vereins Konsequenzen bekanntgegeben. Beendet ist die Thematik bei dem Amateurfußball-Verein damit aber keinesfalls.

Brambauer

, 13.05.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 6 min

Der Vorstand des Hauptvereins des BV Brambauer hat den Spieler der Alten Herren, der wiederholt mit rechtsradikalen Parolen aufgefallen sein soll, ausgeschlossen. Das hat der Klub nun in einer Stellungnahme bekanntgegeben. Zuvor hatte der Altherrenvorstand den Hauptunruhestifter suspendiert und sich deutlich von der rechten Szene distanziert. Beendet ist das Thema aber nicht.

Eigentlich hatte der BV Brambauer angekündigt, die Entscheidung über einen Vereinsausschluss dem Altherrenvorstand zu überlassen, der sich wiederum dafür ausgesprochen hatte, den Spieler zu suspendieren und ihm nach der Corona-Pandemie „Face-to-Face“ die Möglichkeit zu geben, Stellung zu beziehen. Nun hat der Gesamtvorstand doch das Heft wieder in die Hand genommen.

Der Vorstand der Alten Herren hätte sich mit der Entscheidung „ein bisschen schwergetan“, sagt Burkhard Trompeter, „die sind da wohl nicht mit klargekommen“. Weshalb nun der Hauptvorstand das weitere Vorgehen der Alten Herren nicht abgewartet und den Ausschluss beschlossen habe.

„Wir wollten niemanden vorverurteilen, ohne Bescheid zu wissen, weil wir gar nicht wussten, was in diesem vereinsinternen Chat geschrieben wurde, das war uns neu“, erklärt Trompeter. „Aber dann haben wir Bescheid bekommen und da das so eskaliert ist, haben wir das so beschlossen.“ Der 77-Jährige wurde noch während des Zweiten Weltkriegs geboren und lernte seinen Vater nie kennen. Rechtsradikales Gedankengut verabscheue er. „Wenn sowas kommt, läuft mir die Galle über. Dann muss man durchgreifen“, sagt er. „Ich begreife einfach nicht, was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht. Deshalb habe ich darauf gedrängt, dass wir, der Hauptvorstand, ihn aus dem Verein kegeln.“

Altherren-Vorstand weist Vorwürfe zurück

Der Untätigkeit verwehrt sich der Altherren-Vorstand um den Vorsitzenden Dariusz Jöres vollkommen - ebenso, wie er sich von rechtem Gedankengut distanziert. „Dass der Hauptvorstand alles auf die Alten Herren schiebt, ist nicht toll, wir werden da nochmal das Gespräch suchen, dass solche Geschichten nicht nochmal passieren und nochmal gegen die Alten Herren geschossen wird“, erklärt Jöres, der beruflich in der Pflege türkische Mitbürger mit dem gleichen Respekt behandle wie alle anderen auch.

Die Abteilung sei enttäuscht von der Situation und der Vorgehensweise. „Das ist nicht richtig, was da so dargestellt worden ist. Wie der David das geschildert hat, ist das ziemlich hoch übertrieben. Es ist nicht in Ordnung, was der eine gepostet hat, aber bei allem anderen widerspreche ich“, so Jöres. Am Donnerstagabend will der Vorstand der Alten Herren - mit Sicherheitsabstand und Masken -zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beschließen und eine eigene Gegendarstellung auszuarbeiten.

Mehr als „nur“ Nachrichten im Gruppenchat

Doch für David Türksoy, der die Vorwürfe an die Öffentlichkeit gebracht hat, waren es nicht „nur“ die Nachrichten im Gruppenchat - darunter der Geburtstagsgruß an Adolf Hitler. Er hatte auch von weiteren rassistischen und ausländerfeindlichen Vorfällen berichtet. „Es ist vier-, fünf-, sechsmal vorgefallen und ich habe vier-, fünf-, sechsmal interveniert“, berichtet Türksoy. „Einige wenige haben sich mir angeschlossen und gesagt, lasst die politischen Sachen doch mal weg.“ Der Anteil der aktiven Unterstützer seiner Meinung sei in der Gruppe jedoch gering gewesen.

Er habe auch mit dem Vorsitzenden der Alten Herren darüber gesprochen. Dieser habe daraufhin nochmal einen Kommentar in die Whatsapp-Gruppe geschrieben mit der Bitte, diese Beiträge zu unterlassen und dem Verweis darauf, dass der Verein für alle offen sei. Auch mit Obmann Werner Smuda habe er darüber gesprochen. „Der hat auch gesagt, das ist eine Frechheit. Aber nur zehn Leute in der Gruppe haben gesagt „nichts politisches“ und 40 haben geschwiegen“, so Türksoy.

David Türksoy: „Fühle mich in dem bestätigt, was ich gemacht habe“

Er berichtet von einer weiteren Anekdote, die die Problematik seiner Meinung nach gut beschreibt: „Ich habe einen Anruf vom Vorsitzenden der Altherrengruppe erhalten, da bin ich von einer Sitzung angerufen worden. Die haben gesagt, sie werden ihn aus der Whatsapp-Gruppe ausschließen, aber nicht aus dem Verein. Ich habe gesagt: Ich bin mit eurer Entscheidung nicht zufrieden“, so Türksoy. Dies war wenige Tage nach dem 20. April. Der Trainingsbetrieb war hier schon wegen des Coronavirus rund einen Monat unterbunden. „Auch da lief es genau in dem selben Tempo. Die Aussage ,sowas macht man nicht‘, aber keine Aktion. Und als dann doch der Druck gestiegen ist, kam dann doch die Aktion. Deswegen fühle ich mich auch in dem bestätigt, was ich gemacht habe.“

Er habe zuletzt drei Nachrichten von Bekannten von „ganz früher“ erhalten, mit denen er kaum Kontakt habe. „Die haben gesagt ‚Pass auf dich auf, das kann gefährlich sein’, und mich bestärkt, dass es eine stumme Gruppe zu geben scheint, die beklagt, dass das Thema nicht so angegangen wird, wie es sollte“, berichtet David Türksoy.

Demokratiefeindliche Meinungen gesellschaftsfähig machen?

Ihm geht es um die Gesamtsituation. „Rassismus, das Thema ist überall latent, auch, dass ein gewisser Rechtsruck da ist. Das ist vielleicht nur eine kleine Gruppe, aber diese kleine Gruppe ist halt aktiv und damit sehr gefährlich“, erklärt Türksoy. Er geht davon aus, dass auch beim BV Brambauer die aktiv Beteiligten in der Hoffnung agierten, ihre demokratiefeindlichen Meinungen gesellschaftsfähig zu machen.

Als Beispiel führt er die Person an, die nun aus dem BV Brambauer ausgeschlossen wurde. „Da gab es noch den einen oder anderen, der das auch gemacht hat, und ein, zwei, die das immer mit Daumen nach oben kommentiert haben. Diese Personen sind sehr bewusst rechtsradikal und ergreifen jede Möglichkeit, Witze zu streuen und das Thema durchzudiskutieren“, so Türksoy. „Viele, die keine Lust auf sowas haben, klinken sich da raus, aber der, der überbleibt und spricht, ist der Rechtsradikale. Dem stellt sich niemand gegenüber und dann wird keine Diskussion daraus.“

Fußball als „perfekte Plattform“ für Rechtsradikale

Das Wichtigste, das er aus dieser Sache mitnehme: „Die breite Masse findet das Thema Rechtsradikalismus nicht gut, aber fast keiner möchte dieses Thema besprechen und durchdiskutieren oder auch nur auf der Agenda haben. Man meidet es gerne“, sagt Türksoy. „Ich möchte auch nicht streiten. Die Leute kommen nicht nach der Arbeit zum Fußball, um zu streiten. Aber deshalb ist das auch die perfekte Plattform für Rechtsradikale.“

Dass die betreffenden Beiträge im Whatsapp-Gruppenchat nicht immer besonders viel Gegenwind bekommen haben, gesteht Altherren-Vorstand Dariusz Jöres ein. „Viele nehmen das gar nicht wahr. Da sind so viele Nachrichten, die in der Gruppe gepostet werden, die gucken weg oder sagen ‚das interessiert mich nicht‘“, so Jöres.

Jöres: „Es gibt viele, die das nicht gelesen oder nur überflogen haben“

Er habe am 20. April einen Text in die Whatsapp-Gruppe geschrieben, dass „solche Texte zu unterlassen seien“: „Da waren nur zwei Däumchen hoch, aber da habe ich keinen Einfluss drauf“, sagt Jöres. „Es gibt viele, die das nicht gelesen oder nur überflogen haben. Viele, die nicht reagieren. Selbst ich sage: Okay, da hätte nochmal einer mehr zu schreiben können. Aber es wird auch viel Müll in der Gruppe gepostet und es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie Menschen reagieren und ob sie überhaupt antworten.“

David Türksoys Entschluss, an die Öffentlichkeit zu gehen, kritisiert er aber. „Die Vorgehensweise ist nicht richtig. Das kann man nicht machen, den ganzen Verein in den Dreck zu ziehen. Das hätte man auch intern klären können“, so Jöres. „Es ist zu bedauern, dass so ein Post kommt, aber da muss man miteinander sprechen. Wenn David mit mir gesprochen hätte und gesagt hätte: ‚Pass auf, das geht nicht, ich möchte mich abmelden, das ist zu viel‘, hätten wir anderes reagiert.“

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Auch Burkhard Trompeter hätte sich eine andere Art gewünscht, die Thematik anzugehen. „David Türksoy hat das alles richtig erkannt, aber er hat den verkehrten Weg gemacht. Er muss sich doch erstmal an uns, den Vorstand, wenden, und das nicht direkt öffentlich machen, damit wir als Verein nicht denunziert werden“, so der Vorsitzende. „Schade, dass er sich nicht an uns gewandt hat, dann hätten wir geguckt, dass wir eine Abmahnung geben und wenn der (mittlerweile Ausgeschlossene, Anm. d. Red.) dann nicht aufhört, wird er rausgeschmissen. Sowas können wir nicht dulden.“

BV Brambauer bemüht sich um Aufarbeitung

Doch wie geht es nun weiter? Burkhard Trompeter wünscht sich, dass David Türksoy „Ross und Reiter nennt, die da auch noch in das gleiche Horn geblasen haben“: „Solche Leute kann ich einfach in unserem Fußballverein nicht dulden“, erklärt Trompeter. Türksoys Schilderung, dass ein anderer Altherren-Spieler zu ihm gesagt habe, der Begriff „Kanake“ sei kein Schimpfwort, macht ihn wütend. „Wenn die Franzosen oder Engländer uns früher Sauerkrautfresser genannt haben, war das für mich auch beleidigend. Das sind Dinge - da begreife ich nicht, dass erwachsene Leute so einen Scheiß erzählen und machen. Da stehe ich auch zu, sonst nehme ich meinen Hut.“

Die Alten Herren „möchten auf jeden Fall eine Gegendarstellung bringen“, erklärt der Abteilungsvorsitzende Dariusz Jöres. „Donnerstag werden wir uns treffen und darüber diskutieren, was wir machen und in welche Richtung das geht.“

David Türksoy selbst sagt, dass es für ihn zwei Alternativen gebe. „Eine, dass man sagt, wir würden das Thema gerne mit dir lösen, dann bin ich weiter aktiv im Verein. Oder die Leute sagen ‚Du hast uns in eine Ecke gedrängt, du bist ein gebranntes Kind‘. Wenn ich das spüren würde, das muss man mir gar nicht sagen, dann würde ich mich abmelden“, sagt Türksoy. „Ich werde jetzt 53. Mich dort reinzukämpfen, das muss nicht sein, dann wäre es für mich auch schon zu Ende. Ich werde nicht noch woanders versuchen, das Thema zu vergrößern.“

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