Saison abbrechen oder fortführen? Uneinigkeit unter Lünens Fußballern

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Der DFB hat am Freitag Änderungen in seiner Spielordnung bekanntgegeben, wohl um einer Klagewelle zu entgehen. Doch wie es letztendlich weitergeht, ist weiter unklar. Das sagen Lünens Fußballer.

Lünen

, 06.04.2020, 17:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um die Grundlage für eine rechtliche Handhabe zu schaffen, wie es mit der wegen der Corona-Pandemie pausierten Fußball-Saison weitergeht - oder auch nicht - hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Freitag Änderungen in seiner Spielordnung bekanntgegeben. So muss die Spielzeit 2019/20 nicht wie normalerweise am 30. Juni beendet sein und könnte sogar weitergespielt werden, wenn die kommende Saison eigentlich regulär schon hätte beginnen müssen.

Die Folgesaison 2020/21 könnte gar „zu einem späteren Zeitpunkt beginnen oder notfalls sogar ganz oder teilweise entfallen“, wie Rainer Koch, Vizepräsident der Amateure im DFB-Präsidium, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte. Damit wollen die Verbände wohl eine Klagewelle vermeiden. Doch wie stehen Lünens Fußballklubs zu der neuen Regelung, die weiter keine Klarheit bringt? Wir haben nachgefragt.

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Für Christian Hampel, Trainer des Westfalenligisten Lüner SV, hat sich „ehrlich gesagt nicht wirklich viel geändert“, wie er erklärt: „Mit der entscheidungsrechtlichen Geschichte wurde festgelegt, dass man über Juni hinaus spielen kann. Man muss weiter abwarten, was passiert.“

Die kommende Spielzeit auf Kosten der aktuellen zu streichen hält er für eine schlechte Lösung. „Die nächste Saison ausfallen zu lassen, macht überhaupt keinen Sinn“, sagt Hampel. „Ich glaube nicht, dass wir diese Saison noch spielen werden, die wird meiner Meinung nach annulliert. Alles andere ist nicht umsetzbar, wir können froh sein, wenn wir die neue Saison im August angehen können.“ Er erwarte, dass sich in den nächsten zwei Wochen nicht viel ändere. „Fußballer müssen auch jetzt mal die Augen aufmachen und sehen, dass es momentan wichtigere Dinge gibt“, stellt Hampel klar.

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Aus Sicht von Westfalia Wethmars Sportlichem Leiter Rolf Nehling „wäre es das Beste, die Saison zu abzubrechen“, erklärt er: „Ich denke, da spreche ich auch für Wethmar. Gut, wir stehen mit der Ersten und der Zweiten nicht prickelnd (Vorletzter der Bezirksliga/Letzter der Kreisliga A Unna/Hamm, Anm. d. Red.), aber bei uns stehen noch zehn Spiele aus und da wäre noch alles machbar, auch wenn es schwierig aussieht.“

Er spricht sich für eine ähnliche Lösung wie Klaus Prediger vom BV Brambauer aus, mit Auf- und ohne Absteiger. Dann gebe es in der nächsten Saison mehr Teams, die die Ligen wieder in Richtung unten verlassen müssten. „Wenn man Alstedde sagen würde, die können jetzt nicht aufsteigen, wäre das nicht fair“, sagt Nehling mit Blick auf den Tabellenführer der Kreisliga A Dortmund.

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Bei Bezirksligist BV Brambauer hat sich Klaus Prediger mit den Neuerungen in der Spielordnung auseinandergesetzt. Auch wenn der BVB-Kassierer sonst eher den Nachwuchs im Blick hat, findet er, „grundsätzlich, dass die Saison nach Möglichkeit zu Ende gespielt werden sollte“. Wenn das nicht ginge, sollten Vereine, die noch um Auf- und Abstieg kämpften, eine Wildcard für die nächsthöhere beziehungsweise aktuelle Liga erhalten, sodass die Ligen gegebenenfalls aufgestockt würden, ähnlich der Regelung im Basketball in NRW.

Gahmen pocht auf Fairness

Tolga Demir, Sportlicher Leiter der SG Gahmen, sieht die Änderungen „mehr oder weniger als Zeichen dafür, dass die Saison zu Ende gespielt werden soll. Das hätten wir lieber, als wenn die Saison jetzt komplett unterbrochen oder annulliert wird. Das wäre sogar eine Katastrophe.“

In der Kreisliga A belegt die SGG aktuell Rang zwei, mit zwei Punkten mehr als der VfB Lünen, hat aber auch ein Spiel mehr absolviert. „Das wäre denen gegenüber unfair“, sagt Demir. Könnte die Saison dagegen zu Ende gespielt werden, würde sich das noch ausgleichen. So habe auch bei den Abstiegskandidaten „jeder nochmal die Chance, nicht abzusteigen“.

Beim VfB Lünen spricht sich Friedhelm Hoffmann, Vorsitzender der Fußball-Abteilung, allerdings für einen Abbruch der Saison aus. „Aus meiner Sicht wäre es der falsche Weg, wenn man versucht, mit aller Gewalt die Saison zu Ende zu spielen“, sagt Hoffmann. „Man sollte einen Cut machen. Besondere Umstände erfordern besondere Entscheidungen, und dann fangen wir im nächsten Jahr hoffentlich wieder unter vernünftigen Voraussetzungen an.“

Man solle den Vereinen Planungssicherheit geben und die Saison beenden. Doch die Prioritäten sollten anders liegen. „Man sollte erst anfangen und die Wirtschaft wieder in Gang bringen und den Sport ins letzte Glied stellen. So wichtig mir der Fußball ist - es gibt Wichtigeres.“

BW Alstedde, zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung mit acht Punkten Vorsprung auf Gahmen Tabellenführer der Kreisliga A, käme es entgegen, die Saison zu Ende zu spielen. „Für uns ist das natürlich gut. Wir wollen Meister werden, wir wollen aufsteigen. Ob die Saison beendet wird und wir gehen hoch oder ob wir das zu Ende spielen und wir gehen hoch, ist egal. Hauptsache, die Saison wird nicht annulliert. Ob nochmal gespielt wird, ist uns egal, das Problem haben alle anderen auch“, erklärt Kuhne. „Wichtig ist, dass die Menschen fit und gesund werden, nicht nur im Fußball, sondern überall. Wie es weitergeht, lassen wir uns überraschen.“

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