Hendrik Schürmann nennt sich im Internet auch „HS7“ - ähnlich wie sein Vorbild Cristiano Ronaldo. Am Sonntag trifft Schürmann auf seine alte Liebe Kemminghausen und hat eine Wette offen.

Lünen, Wethmar

, 23.08.2019, 10:44 Uhr / Lesedauer: 4 min

Fünf Jahre lang hat Hendrik Schürmann (23) seine Fußballschuhe für den VfL Kemminghausen geschnürt, bei dem Kevin Großkreutz Co-Trainer ist. In diesem Sommer hat Schürmann seine große Liebe verlassen und ist zum TuS Westfalia Wethmar gewechselt. Mit den Wethmarern trifft Schürmann am kommenden Sonntag, 25. August, (15.15 Uhr, Gretelweg 1, Dortmund) auf die Kemminghausener. Wir haben mit dem Offensivspieler über schlaflose Nächte, Meinungsverschiedenheiten mit Kevin Großkreutz und über Cristiano Ronaldo gesprochen.

Herr Schürmann, am Sonntag geht es für Sie zu einem für Sie sehr vertrauten Fußballplatz: nach Kemminghausen an den Gretelweg. Dieses Mal aber als Gegner - wie groß ist die Aufregung?

Seitdem ich weiß, dass ich in der Liga gegen Kemminghausen spiele, freue ich mich auf das Spiel. Mit dem Spiel sind viele Emotionen verbunden. In Kemminghausen war es immer sehr familiär. Ich habe viele Freunde gefunden und viele Leute kennengelernt, die jetzt wissen, dass ich deren Gegner bin.

Ist es so schlimm, dass Sie nachts nicht mehr schlafen können?

Die Vorfreude ist echt schon groß, aber schlaflos bin ich deswegen noch nicht (lacht).

Wie war jetzt in den vergangenen Tagen der Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielern? Gab es da schon gegenseitig Sprüche?

Der Kontakt zu den alten Mitspielern war ja immer da. Zum Beispiel haben wir über Eichlinghofen gesprochen, gegen die beide Vereine schon gespielt haben. Da haben wir dann verglichen. Die Ergebnisse sagen aber nicht viel aus, weil in der Liga jeder jeden schlagen kann. Mit guten Freunden ist der Austausch noch da, aber nicht mit allen.

Gibt es irgendwelche Wetten vor dem Spiel?

Ja, mit meinem wahrscheinlichen Gegenspieler Ilja Petreian. Wir haben gewettet, ob ich es schaffe, gegen ihn ein Tor zu schießen.

Schürmann über Kemminghausen: „Ich hatte mit Reza und Kevin viele Auseinandersetzungen“

Hendrik Schürmann fühlt sich in Wethmar wohl. © Patrick Schröer

Fünf Jahre lang haben Sie in Kemminghausen gespielt, überwiegend in der Landesliga. Warum sind Sie jetzt den Schritt zum TuS Westfalia Wethmar in die Bezirksliga gegangen?

Das hatte berufliche Gründe. Ich schaffe es wegen meiner Trainingsbeteiligung nicht mehr, in der Landesliga zu spielen. Außerdem hatte ich mit Reza und Kevin (Trainer Reza Hassani und Co-Trainer Kevin Großkreutz, Anm. d. Red.) viele Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten. Der Hauptgrund war aber beruflicher Natur.

Was für Meinungsverschiedenheiten denn?

Nach unserer guten Hallensaison, in der wir Vierter wurden, war ich der Meinung, dass ich mehr Spielzeit verdient hätte. Da hätte ich mir gewünscht, dass ich mehr Chancen bekomme.

Ist der Schritt nach Wethmar für Sie bislang der richtige?

Ja, bislang schon. Ich fühle mich hier extrem wohl, auch wenn die Ergebnisse noch nicht so gut sind. Das Umfeld tut mir gut und auch die Fahrt von Dortmund nach Lünen stört mich nicht besonders.

Beschreiben Sie mal das Umfeld...

Die Trainer sind sehr bemüht, dass man sich hier wohlfühlt - und auch mit den Fans bin ich direkt warm geworden. Auch bei Auswärtsspielen ist immer eine positive Stimmung. Das ist schon besonders hier.

Schürmann über Kemminghausen: „Ich hatte mit Reza und Kevin viele Auseinandersetzungen“

Hendrik Schürmann nennt sich im Internet gerne auch "HS7". © Patrick Schröer

In der Liga klappt es bislang aber noch nicht, Sie sind mit zwei Niederlagen gestartet. Woran liegt das?

In Eichlinghofen haben wir viele individuelle Fehler gemacht und schnelle Gegentore bekommen. Da gehen bei den jungen aber auch bei den älteren Spielern die Köpfe runter und es ist schwer, sich zu motivieren. Gegen so einen guten Gegner wie Eichlinghofen zieht man dann den Kürzeren.

Wethmar hat eine sehr junge Mannschaft, die mit vielen A-Jugendlichen aufgerüstet wurde. Sehen Sie sich selbst daher auch ein bisschen als ein Leitwolf?

Ich sehe mich dazwischen. Wir haben Ouahib El-Gaouzi, der seit zwei Jahren hier spielt und Kapitän ist. Er leitet die Mannschaft gut. Außerdem gehören Andreas Kahlkopf und Dominik Dupke zu den Leitwölfen. Klar bin ich erfahrener als die A-Jugendlichen und gebe den Jungs auch mal Tipps, aber ich sehe mich nicht als Leitwolf.

Ouahib El-Gaouzi kennen Sie ja noch aus Kemminghausener Zeiten. War er auch ein Grund für den Wechsel?

Auch, ja. Wir waren ja immer gut miteinander befreundet und haben uns auch vor meinem Wechsel nach Wethmar ausgetauscht. Er hat mir nur Positives berichtet.

Schürmann über Kemminghausen: „Ich hatte mit Reza und Kevin viele Auseinandersetzungen“

Hendrik Schürmann gefällt das Umfeld bei der Westfalia. © Patrick Schröer

In zwei Spielen hat Wethmar erst ein Tor erzielt. Das Toreschießen ist ja eigentlich auch Ihre Aufgabe. Warum drückt vorne der Schuhe?

(lacht) Das liegt auch daran, dass unser Stürmer Choukri El Bahat Bouzekry noch im Urlaub ist. In ihn setzen wir alle unsere Hoffnungen. Bislang sind wir vor dem Tor noch nicht gierig genug. Gegen Brambauer habe ich zum Beispiel auch eine riesige Chance vergeben. Das muss besser werden.

Wie kriegt man die Gier zurück?

Der Bann muss einfach brechen. Das muss aber früh genug passieren.

Was erwarten Sie am Sonntag für ein Spiel?

Es wird ein extrem leidenschaftliches Spiel, das sehr kampfbetont sein wird. Ich kenne ja Rezas und Kevins Spielweise. Es wird sehr laufintensiv. Kevin und Reza legen sehr viel Wert darauf, dass ihre Mannschaften laufstark sind. Es ist immer emotional und lautstark bei den beiden.

Sie sind ja quasi ein Kemminghausener Insider: Haben die Trainer Sie um Rat gefragt?

Bislang nicht, was die Spielweise angeht. Sie haben ihre Infos schon bekommen. Sie haben nur Kleinigkeiten gefragt.

Wenn man Ihr Instagram-Profil durchforstet, dann findet man das Namenskürzel HS7, das ja für „Hendrik Schürmann mit der Rückennummer sieben“ stehen sollte. Cristiano Ronaldo hat ein ähnliches Kürzel. Ist er Ihr großes Vorbild?

In gewisser Weise schon, ja. Er ist auch generell ein Vorbild für mich. Die Sieben war aber sowieso passend, weil ich sie schon immer getragen habe. Ich spiele ja auch fast dieselbe Position wie Ronaldo. Am Anfang war das nur ein kleiner Spaß, der sich jetzt aber durchgezogen hat.

Hat die Nummer sieben denn eine besondere Bedeutung für Sie?

Nein, keine besondere Bedeutung, aber viele große Spieler haben die Sieben schon getragen (grinst).

Wenn Sie gegen Kemminghausen treffen sollten, sehen wir dann den bekannten Ronaldo-Jubel?

Wie Cristiano Ronaldo habe ich bislang noch nicht gejubelt, das wäre auch zu hoch gegriffen. Nach fünf Jahren in Kemminghausen wäre es respektvoller einfach gar nicht zu jubeln. Ich will nicht den Affen da machen.

Wie geht das Spiel am Sonntag aus?

(überlegt lange) Es wird ein hart umkämpftes Spiel. Ich tippe auf ein 2:2.

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