Per Umfrage will der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) eine Diskussionsbasis für den weiteren Saisonverlauf nach Corona schaffen. Was halten die Lüner Vereine davon?

Lünen, Brambauer, Gahmen, Alstedde

, 19.04.2020, 11:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie geht die Fußballsaison von der Kreisliga D bis zur Oberliga nach der Corona-Krise weiter? Mit dieser Fragestellung sehen sich die Lüner Vereine aktuell konfrontiert - und freuen sich, überhaupt im Entscheidungsprozess berücksichtigt zu werden.

„Mitentscheiden können wir nicht, aber wir können ein Votum abgeben, zu was wir tendieren würden“, sagt Peter Marx, stellvertretender Vorsitzender des Westfalenligisten Lüner SV. „Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Die Entscheidung wird schwierig, aber bis Ende April muss eine Entscheidung gefällt werden.“

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Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat den Vereinen bei der Umfrage vier mögliche Lösungen für die Entscheidung über den weiteren Saisonverlauf in den Amateurligen vorgegeben: Bei der Annullierung würde die komplette Saison bis zum heutigen Tage gelöscht - sie hätte quasi nie stattgefunden.

Würde nur die Hinrunde gewertet, gäbe es nur Aufsteiger, aber keine Absteiger. „Dann hast du Staffeln mit über 20 Mannschaften oder was? Das ist auch nicht zielführend“, sagt Andreas Grundmann, Berater des Vorstands beim A-Ligisten BW Alstedde. „Man müsste die Winterpause wegfallen: Mit der Europameisterschaft 2021 und weiteren Turnieren zieht sich der Rattenschwanz bis in die unteren Ligen runter.“

Mehr Teams bringen mehr Einnahmen

Für Ibrahim Ünal, Vorsitzender beim A-Ligisten SG Gahmen, überwiegen die Vorteile, wenn die Tabellen voller würden. „Ein bis zwei Mannschaften ziehen doch sowieso fast jedes Jahr zurück, wegen finanzieller oder personeller Gründe“, sagt Ünal und ergänzt: „Bei über 20 Mannschaften können auch mal drei Mannschaften zurückziehen. Wir haben mehr Heimspiele, es gibt mehr Derbys.“

Er findet das Vorgehen des FLVW super und werde stellvertretend für die Gahmener jede Entscheidung akzeptieren. „Das ist eine sehr schwierige Entscheidung; die wollen sehen, wie wir als Vereine reagieren.“

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Beim dritten Vorschlag würde die Spielzeit abgebrochen und der jetzige Spielstand wäre ausschlaggebend. Auch hier würde es nur Auf-, aber keine Absteiger geben. „Die Frage, ob Relegationsspiele gespielt werden oder nicht, ist aber noch nicht beantwortet“, sagt Grundmann. Dies sei aus den bislang vorliegenden Informationen nicht hervorgegangen.

Das Ergebnis der Abstimmung soll dem FLVW ohnehin nur eine Diskussionsgrundlage bieten. Dem endgültigen FLVW-Vorschlag müssten das Präsidium und die Ständige Konferenz mit allen Kreisvorsitzenden zustimmen, damit die Entscheidung rechtskräftig wird. „Wobei ich denke, dass die Entscheidung im Innersten schon feststeht“, sagt Hans-Jürgen Kahl, Vorsitzender bei BW Alstedde.

Einig, sich nicht einig werden zu können

Eine letzte Möglichkeit besteht darin, die Saison erst spät im September weiterzuführen. „Einer wird sich immer aufregen“, sagt Peter Serges, Geschäftsführer beim A-Ligisten Preußen Lünen. Auch er möchte lieber nicht mit den Entscheidern beim Verband tauschen. „Aber das ist eine Grundlage. Das ist schon mal gut.“

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In seinem Verein wurde noch nicht abgestimmt. „Der Vorstand hat da verschiedene Meinungen; ich muss die auch noch auf meinen Stand bringen“, sagt Serges. Denn für seine Preußen würde sich eine Rückrunde ohne Zuschauer finanziell nicht rentieren. „Ohne Zuschauer brauchen wir gar nicht spielen.“

Der finanzielle Druck, der momentan auf eigentlich ausnahmslos allen Vereinen lastet, bietet viel Raum für rechtliche Schritte in verschiedenen Richtungen. „Diese ganze Klagewelle, die da angeblich kommen soll“, sagt Rainer Manns, Geschäftsführer beim Bezirksligisten BV Brambauer. „Im Vorfeld war klar, dass sowas kommt. Ich finde es gut, dass wir mitentscheiden sollen.“ In seinem Club steht die Entscheidung schon einstimmig fest. Auch in Alstedde freut sich Grundmann darüber, „überhaupt eine Möglichkeit zu haben, abzustimmen, und dass das nicht allein von den ominösen älteren Herren entschieden wird“.

Sorgen um Nachwuchs beim VfB Lünen

Beim VfB Lünen macht sich Geschäftsführer Martin Wanata eher Sorgen um die Jugendabteilungen. „Die Frage ist: Kommen die Kinder überhaupt wieder? Wie geht es dann weiter“, sagt Wanata. Denn nicht alle Eltern werden ihre Kinder voraussichtlich gleichzeitig wieder zum Fußball schicken.

Geschäftsführer Martin Wanata (l.) vom VfB Lünen sorgt sich um die Nachwuchsarbeit.

Geschäftsführer Martin Wanata (l.) vom VfB Lünen sorgt sich um die Nachwuchsarbeit. © Günther Goldstein

Auch er weiß um die Sorge einiger Bezirke. „Einige haben Angst vor rechtlichen Konsequenzen.“ Die Gesundheit solle aber im Vordergrund stehen. So hat der VfB sein für Juli geplantes Turnier bereits abgesagt. Gerade beim Fußball ist die Infektionsgefahr sehr hoch und eine schnelle Verbreitung möglich. Daher würde die SG Gahmen im Falle einer Fortsetzung lieber auf Zuschauer verzichten. „Nur Trainer, Mannschaftsverantwortliche und so weiter dürften auf die Anlage“, sagt Ünal.

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Seine Jungs brennen jedenfalls darauf, wieder unter Wettbewerbsbedingungen vor das runde Leder zu treten. Eine Annullierung der Spielzeit 2019/2020 fände Ünal sehr schade für viele Clubs aus verschiedenen Kreisen und Ligen, für seinen eigenen als Tabellenzweiten der Dortmunder Kreisliga A2 natürlich besonders.

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