Wegen steigender Corona-Zahlen: Bereits drei Fußballverbände haben die Saison unterbrochen

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Steigende Corona-Zahlen in ganz Deutschland, immer mehr Spielabsagen im Amateurfußball. Die Spielzeit scheint zu wackeln, doch wie sieht es in anderen Teilen von Deutschland aus?

Lünen

, 27.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Hiobsbotschaft am Sonntagmorgen. Nur noch vier Kreise in Nordrhein-Westfalen sind kein Risikogebiet. Zum Risikogebiet wird ein politischer Kreis oder eine Stadt, wenn die 7-Tage-Inzidenz kritische Werte übersteigt.

Doch der Fußball läuft weiter. Zwar sind zahlreiche Spiele für das Wochenende bereits abgesagt worden, aber beim Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen ist man gewillt, die Saison fortzusetzen. Das hat der Verband so am vergangenen Freitag noch mal bekräftigt.

Doch wie sieht es in den anderen Teilen von Deutschland aus? Eine Spurensuche bei den Landesverbänden.

Ein Überblick:

Westdeutscher Fußballverband

Fußballverband Mittelrhein: Der Verband appellierte gerade erst vergangene Woche an die Vereine, dass sie sich noch strenger an die aktuellen Hygienevorgaben zu halten haben. Grundsätzlich ist das Fußballspielen im FVM-Gebiet erlaubt. In als Risikogebieten eingestuften Regionen gibt es einschränkende Regelungen, die jedoch den Trainings- und Wettkampfbetrieb nicht untersagen.

Fußballverband Niederrhein: Am Niederrhein sind zahlreiche Spiele in den vergangenen Tagen ausgefallen. Unter anderem deshalb, weil die Stadt Duisburg ein Kontaktsportverbot verhängt hatte, was den Amateurfußball zum Erliegen brachte.

„Wir waren auch nicht erfreut darüber und können es nur schwer nachvollziehen“, sagte Henrik Lerch, Pressesprecher des Verbands zu „RevierSport“. „Es ist bitter für die Vereine im Stadtgebiet Duisburg. Wir haben den Vereinen angeboten, das Heimrecht zu tauschen, in einigen Fällen haben die Vereine das schon selbst gemacht.“ Der Spielbetrieb soll aber weiterlaufen.

Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen: Der Spielbetrieb läuft weiter, eine Unterbrechung oder ein Abbruch stehen für den FLVW nicht zur Debatte, wie der Verband am vergangenen Freitag mitteilte.

Süddeutscher Fussball-Verband:

Bayerischer Fußballverband: Der Wettkampfspielbetrieb ist in Bayern seit dem 19. September wieder erlaubt.

Ab einem 7-Tage-Inzidenzwert über 50 können alle Vereine, die in einer Region beheimatet sind oder nicht zu Partien in ein Risikogebiet reisen wollen, auf einen Antritt verzichten. Eine Zustimmung des gegnerischen Vereins ist dafür nicht erforderlich. Es reicht aus einen Antrag beim jeweiligen Spielleiter zu stellen.

Generell wird den Spielleitern großer Ermessensspielraum eingeräumt. Es gilt die Faustregel, lieber ein Spiel zu viel als eines zu wenig abzusetzen.

Für die nötige Flexibilität sorgt die Entscheidung, die Saison 2019/20 im Frühjahr nicht abgebrochen zu haben. So lief in der München-Kreisklasse beispielsweise am vergangenen Wochenende der 16. Spieltag.

85 Prozent der Spiele durchgeführt

Jürgen Faltenbacher, im BFV-Präsidium für den Spielbetrieb in Bayern verantwortlich, sagt dazu: „Dass wir mit unserer bereits im April getroffenen Entscheidung, die Saison 2019/20 nicht abzubrechen, sondern fortzusetzen, genau diese große und dringend notwendige Flexibilität geschaffen haben, um wie aktuell auf außergewöhnliche Situationen reagieren zu können, ohne dabei gleich die komplette Saison infrage stellen zu müssen. Von Anbeginn war uns immer bewusst, dass wir im Laufe der Pandemie mit exakt den Problemen konfrontiert werden, die wir jetzt erleben. Das war einer der Hauptgründe, die Saison nicht abzubrechen und nicht in eine neue Spielzeit zu starten.“

Seit dem Re-Start wurden nach Angaben des Verbands rund 85 Prozent aller Spiele durchgeführt.

Württembergischer Fußballverband: Nach der aktualisierten Fassung der Corona-Verordnung Sport vom 23. Oktober der Landesregierung Baden-Württemberg gilt für den Trainingsbetrieb grundsätzlich weiterhin die maximale Gruppengröße von 20 Spieler*innen. Maximal 500 Personen dürfen sich im Rahmen von Wettkämpfen auf dem Sportplatz aufhalten, inklusive Spieler und Verantwortliche. Lokale Behörden können strengere Vorgaben erlassen und beispielsweise die Zuschauerzahl reglementieren und eine Maskenpflicht verordnen.

Nach eigenen Angaben konnte der Verband bisher 93 Prozent der angesetzten Spiele durchführen.

Identischen Vorgaben machen die Verbände Südbaden und Baden. In Südbaden fanden 94 Prozent der Spiele statt.

Lokale Anweisungen können trotzdem Einschränkungen bringen. Grundsätzlich können die örtlichen Gesundheitsbehörden den Sportbetrieb auch über die Corona-Verordnung Sport hinausgehend einschränken oder gar untersagen. Solche Fälle sind in Baden-Württemberg bisher jedoch nicht bekannt.

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Hessischer Fußball-Verband: Grundsätzlich sind ab dem 1. August Test- und Freundschaftsspiele erlaubt, die Pokalwettbewerbe laufen seit dem 15. August. Die Meisterschaft startete so wie in Nordrhein-Westfalen am ersten September-Wochenende. Voraussetzung für den Spielbetrieb ist die Umsetzung des HFV-Hygienekonzepts.

Dennoch sind die Ängste und Sorgen groß, gerade aktuell, wo die Infektionszahlen in die Höhe schießen. „Derzeit erreichen zahlreiche Rückmeldungen der hessischen Vereine den Verband, darunter auch gesundheitliche Bedenken und Ängste, weiter am Spielgeschehen teilzunehmen“, schreibt der HFV in einer Mitteilung. Kommenden Donnerstag soll über die neue Situation beim Verband beraten werden, der Spielbetrieb läuft aber weiter.

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Nordostdeutscher Fußballverband

Berliner Fußballverband: Maximal 30 Personen dürfen Kontaktsport ausüben. Seit dem 21. August sind in Berlin Pflichtspiele wieder erlaubt.

Sächsischer Fußball-Verband: Einschränkungen gibt es in Sachsen in Gebieten mit erhöhtem Infektionsrisiko. Ab einer Inzidenz von mehr als 35 wird die Zuschauerzahl auf 250 Personen beschränkt. Ab 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen wird die Teilnehmerzahl auf 100 Personen beschränkt.

Fußball-Landesverband Brandenburg: Spiele können dort stattfinden. Es gibt keine zahlenmäßige Begrenzung für Spieler und Funktionspersonal, entscheidend ist die Einhaltung der Abstandsregelung. Es sind unter Einhaltung der Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen maximal 1000 Zuschauer erlaubt. Bei manchen Vereinen sogar noch weniger, was immer von der Anlage abhängig ist.

Es gibt aber Einschränkungen durch die lokale 7-Tage-Inzidenz: ab einem Wert von 35 sind nur maximal 250 Zuschauer erlaubt, ab 50 sind maximal 150 Personen erlaubt.

Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern: Seit Ende August läuft dort der Spielbetrieb, auch unter Berücksichtigung von Corona-Richtlinien innerhalb des Verbandes, die Hygienekonzepte der einzelnen Vereine voraussetzen.

Fußballverband Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt steigen ebenfalls die Corona-Zahlen an. Am vergangenen Wochenende gab es laut dem Portal „volksstimme.de“ 13 Spiele, die auf Landesebene wegen des Coronavirus abgesagt werden mussten.

Der Fußballverband möchte deshalb seine Spielverordnung ändern und auch Spielverlegungen neu regeln.

Wegen einer Vorsichtsmaßnahme sollen Vereine dann nicht mehr absagen dürfen, sondern nur bei einem konkreten Corona-Verdachtsfall.

Thüringer Fußball-Verband: Der Pflichtspielbetrieb läuft seit dem ersten September-Wochenende unter Einhaltung der Coronaverordnung des Landes und Hygienekonzepte der Vereine.

Norddeutscher Fußball-Landesverband

Schleswig-Holsteinischer Fußballverband: Der Kontaktsport ist seit dem 19. August erlaubt. Für Veranstaltungen im Freien ohne feste Sitzplätze gilt unter Einhaltung des Mindestabstandes eine Zuschaueranzahl von 150 Leuten. Doch hier geht der Blick jetzt zu den benachbarten Bundesländern.

In Hamburg ist die Saison unterbrochen, ein Nachziehen aus Schleswig-Holstein gilt als wahrscheinlich, da viele Ligen Überschneidungen haben.

Dort hat, so berichtet das Portal „sportbuzzer.de“, mit der FSG Südtormarn bereits ein Klub angekündigt, mit den ersten beiden Herrenteams vorerst nicht mehr anzutreten.

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Hamburger Fußball-Verband: In Hamburg steht der Fußball seit vergangenen Sonntag still. Der Hamburger Fußball-Verband hat die aktuelle Spielzeit wegen steigender Corona-Infektionszahlen in allen Spielklassen unterbrochen. In einer Videokonferenz möchte der Verband in den kommenden Tagen beraten, wie es weitergehen soll.

Bremer Fußball-Verband: Auch in Bremen ruht der Ball seit dem vergangenen Wochenende und auch noch in dieser Woche wegen steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus. In dieser Woche möchte der Verband mit den Vereinen das weitere Vorgehen abstimmen.

Niedersächsischer Fußballverband: Seit dem 1. September läuft in Niedersachsen wieder der Pflichtspielbetrieb. Bei mehr als 50 Zuschauer sind Sitzplätze notwendig, die zugewiesen werden, ansonsten dürfen die 50 Personen unter Einhaltung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen zusehen.

Auch hier gibt es einzelne Regelung für die Inzidenzwerte einzelner Städte und politischer Kreise. Übersteigt der Wert die Zahl 50, sind maximal 100 Zuschauende erlaubt.

Fußball-Regional-Verband Südwest

Saarländischer Fußballverband: Auch der Saarländische Fußballverband hat die aktuelle Spielzeit unterbrochen. Zunächst für zwei Spieltage. Der Spieltag, der regulär am vergangenen Wochenende stattgefunden hätte, und der kommende Spieltag, fallen somit beide aus.

„Der gesamte Spielbetrieb ist eingestellt. Wir werden Anfang November die Situation neu beurteilen und dann erneut entscheiden. Wir möchten auch als SFV verantwortlich handeln und einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten, denn unser aller Gesundheit geht schließlich vor“, so SFV-Präsident Heribert Ohlmann auf der Website des Verbands.

Der aktuelle Plan sieht wohl vor, im Dezember wieder weiterzuspielen.

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Südwestdeutscher Fußballverband: Der Spielbetrieb in Rheinland-Pfalz läuft zwar weiter, doch erste Maßnahmen aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen wurden auch hier beschlossen.

Vereine, die in einem Risikogebiet liegen, dürfen mit einer Zustimmung des Gegners, die Partie verlegen oder das Heimrecht tauschen.

Sollte eine ganze Staffel zu einem Corona-Risikogebiet gehören, könne durch ein Votum der Spielbetrieb für die Staffel ausgesetzt werden, teilte der Verband mit.

Fußballverband Rheinland: Der Fußballverband Rheinland (FVR) wird den Pflichtspielbetrieb ab Donnerstag bis auf Weiteres aussetzen. Diese Entscheidung betrifft sämtliche Amateur-Spielklassen im Herren-, Frauen- und Jugend-Bereich, wie der FVR am Dienstagabend mitteilte. Als Grund nannte der Verband „die zunehmenden Verschärfungen der Hygieneauflagen“. Insbesondere die „Einschränkungen bei der Nutzung von Duschen und Umkleiden“ machten es „zunehmend schwierig, in Anbetracht der anbrechenden Winterzeit eine verantwortungsvolle Durchführung des Spielbetriebs zu gewährleisten“.

Die Entscheidung zur Unterbrechung des Spielbetriebs betrifft nicht nur sämtliche Wettbewerbe im Freien, sondern auch in der Halle.

Info: Alle Angaben beziehen sich auf die Informationen der jeweiligen Landesverbände, lokale und regionale Regelungen durch Gesundheitsbehörden können die genannten Maßnahmen jederzeit verändern.

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