Westfalia Wethmars neuer Abwehrboss Jonas Osterholz: „Es ist schon ein krasses Derby“

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Jonas Osterholz ist der neue Abwehrchef bei Westfalia Wethmar. Wir haben mit ihm über seine neue Rolle, seinen erlösenden Treffer und das anstehende Derby gegen den Lüner SV II gesprochen.

Wethmar

, 06.09.2019, 12:41 Uhr / Lesedauer: 4 min

Westfalia Wethmar ist erneut katastrophal in die Fußball-Bezirksliga gestartet. Null Punkte und 1:11 Tore hatte die Westfalia nach drei Spielen auf dem Konto. Und auch das Heimspiel gegen Viktoria Kirchderne am vergangenen Sonntag sollte nicht den ersten Saisonsieg bringen. Fast eine Stunde kämpfte der TWW in Unterzahl um den ersten Zähler der Saison. Doch dann vergoldete Jonas Osterholz (21) die couragierte Leistung der Grün-Weißen: Sein Treffer zum 1:0 in der 90. Minute ließ die gesamte Wehrenboldstraße aufatmen. Wir haben uns mit dem umjubelten Torschützen, der seine gesamte bisherige Laufbahn beim TuS verbracht hat, zum Interview getroffen. Die Themen: Sein erlösender Treffer, Wethmars Vorliebe für Fehlstarts und seine neue Rolle innerhalb der Westfalia-Elf.

Herr Osterholz, am vergangenen Sonntag haben Sie Ihrem TuS Westfalia Wethmar durch Ihren Treffer kurz vor Schluss den ersten Saisonsieg eingebracht. Wie viel Adrenalin spüren Sie noch, wenn Sie daran zurückdenken?

Wenn ich daran zurückdenke, schon eine Menge. In dem Moment war es natürlich noch viel intensiver. Das war ein aufbrausender Moment, dafür spielt man Fußball. Die ganze Mannschaft hat das nochmal richtig mitgerissen. Es war auf jeden Fall ein Befreiungsschlag, dass wir jetzt beruhigter aufspielen können.

Sie sprechen von einem Befreiungsschlag. Wie viel ist in der Sekunde abgefallen, in der der Ball über die Linie war?

Eine Menge. Wir waren erstmal zufrieden mit dem Unentschieden in Unterzahl. Dass das dann noch für drei Punkte reicht, war natürlich sensationell. Es tut einfach gut, mal wieder drei Punkte einzufahren.

Können Sie sich ausmalen, wie die Stimmung in der Mannschaft gewesen wäre, wenn es auch gegen Kirchderne nicht zu Punkten gereicht hätte?

Bei gar keinem Punkt wäre die Stimmung noch schlechter gewesen, die Niederlagenserie hätte sich fortgesetzt. Wie gesagt: Ein Punkt hätte sich schon wie ein Sieg angefühlt. In den letzten Wochen war die Stimmung in der Mannschaft zwar relativ gut - jeder wollte angreifen. Es hat aber nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt hätten. Kein Punkt wäre natürlich ein Rückschlag gewesen. Dass es drei Punkte werden, da hat keiner mehr mit gerechnet.

Ist es für die kommenden Wochen vielleicht sogar besser und motivierender, einen so emotionalen Sieg in letzter Minute und in Unterzahl einzufahren, statt souverän zu gewinnen?
Natürlich ist es für das Mannschaftsgefüge wertvoller, wenn man Punkte mitnimmt, die eigentlich aussichtslos erscheinen. Aber für den Punktestand ist es momentan wichtiger, Punkte einzufahren. Da gewinnt man lieber 3:0 und fährt sichere Punkte ein. Dass es aber jetzt so kommt, war natürlich optimal. Es pusht nochmal die Mannschaft und drei Punkte sind auch da - besser geht es eigentlich nicht.

Westfalia Wethmars neuer Abwehrboss Jonas Osterholz: „Es ist schon ein krasses Derby“

Jonas Osterholz (r.) nimmt in der Wethmarer Abwehrzentrale eine wichtige Rolle ein. © Weitzel

In der Woche davor hat die Westfalia mit 0:4 beim VfL Kemminghausen verloren. Trainer Andreas Przybilla hat anschließend die Qualität der Mannschaft infrage gestellt. Ist das etwas, was der Mannschaft in so einer Situation hilft oder verunsichert eine solche Äußerung zusätzlich?

„Pryze“ ist einer, der uns gerne kitzelt und immer versucht, uns ans Limit zu pushen. Man muss immer unterscheiden: Manche Spieler brauchen das Vertrauen und manche Spieler brauchen dieses Pushen, was „Pryze“ macht. Ich denke, viel mehr Leute brauchen dieses Kitzeln. Aber da sollte man immer noch gucken, dass man manchen Spielern auch den Rücken stärkt. „Pryze“ versucht auch, möglichst viel Vertrauen in die Mannschaft reinzubringen. So habe ich auch zu alter Stärke zurückgefunden, weil es bei mir anfangs auch nicht richtig lief.

Es ist der dritte Fehlstart in Serie, den der TWW hinlegt. Haben Sie eine Idee, woran das liegt?
(überlegt) Man verzweifelt ein bisschen auf der Suche nach Lösungen. Es ist nicht so, dass man sagt: Das ist die Lösung, daran liegts. Klar, es ist auf jeden Fall eine Sache. Man merkt ja, dass die Mannschaft einfach noch nicht bei hundert Prozent ist, was die Fitness angeht. Da will ich auch gar nicht sagen, dass die Trainer schuld sind oder die Spieler, sondern das Gesamtpaket. Man ist ein Stück weit ratlos. Man versucht und gibt alles in der Vorbereitung, die lief ja eigentlich auch ganz gut.

Wie sehr nervt das?

Es stört einen schon. Man nimmt sich immer andere Ziele vor. Das Ziel eines jeden Sportler sollte es ja nicht sein, immer nur am Minimum zu kratzen. Dass man drei Mal in Folge so einen Start hinlegt, nervt natürlich enorm. Aber nichtsdestotrotz würde ich sagen, dass immer alle alles reinwerfen. Durch solche Erfolgserlebnisse (wie am Sonntag, Anm. d. Red.) weiß man aber auch, warum man den Sport macht.

Sie persönlich stehen nach den schweren Verletzungen von Paul Mantei und Bastian Quiering in der Innenverteidigung besonders in der Verantwortung. Ist die Rolle des neuen Wethmarer Abwehrchefs etwas, das Sie sich zutrauen?

In meiner Jugend habe ich eigentlich nie Innenverteidiger gespielt. Klar, ich bin mit 21 zwar noch einer der jüngeren, aber es sind auch viele aus der A-Jugend zuletzt hochgekommen. Die beiden kann man nicht ersetzen. Das sind richtige Typen auf dem Platz. Ich habe mir in den letzten Jahren auch versucht, viel von ihnen abzugucken.

Welche Eigenschaften haben Sie da ins Auge gefasst?

Das sind halt richtige Teamleader. Die setzen sich immer für die Mannschaft ein, haben auch für den einzelnen ein offenes Ohr. Sie tun dem Team einfach richtig gut, halten es auch ein Stück weit zusammen. Das ist einfach sensationell, wie die das machen.

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Sind das zwei Spielertypen, die der Westfalia während des schwachen Saisonstarts gefehlt haben?

Ja klar. Das sind Kämpfertypen, die man in solchen Spielen auch braucht. Die sagen: Kopf oben lassen, weiterkämpfen. Das ist in solchen Momenten immer schwierig, vor allem mit einer so jungen Mannschaft. Da ist man erstmal enttäuscht, aber man muss den Kopf oben behalten. Basti und Paul sind Beispiele dafür, wie man das Team über sein Limit pushen kann.

Jetzt steht das Derby gegen den Lüner SV II an. Wie wichtig wäre da ein weiteres Erfolgserlebnis, um nicht wieder ins Zweifeln und in die Negativspirale zu geraten?

Das Spiel zeigt, wo es die nächsten Wochen hingeht. Wenn man da irgendwas mitnimmt, das wäre schon wichtig, um die Mentalität der Mannschaft nochmal zu stärken. Für mich und andere Wethmarer ist es schon ein krasses Derby. Man kennt das ja aus der Jugend und von den Stadtmeisterschaften, dass es eine große Rivalität ist. Ich habe Bock auf die Aufgabe und freue mich auf das Spiel.

Wethmar hat zweifellos die erfolgreichste Jugendarbeit der Stadt und gerade erst einige Jugendspieler in die erste Mannschaft integriert, der LSV holt vor allem externe Akteure für seine beiden ersten Mannschaften. Ist das Lokalduell auch das Aufeinandertreffen zweier verschiedener Philosophien?

(überlegt lange) Klar lässt sich sagen, dass die Spieler beim LSV oft nicht aus der eigenen Jugend sind. Bei uns verfestigt sich das wieder mehr, aber zwei komplett unterschiedliche Philosophien würde ich da nicht sehen. Aber was das angeht, ist die Jugendarbeit in Wethmar nachhaltiger und bringt mehr für die Seniorenmannschaften.

Und wer entscheidet dieses Duell am Sonntag für sich?

Ich glaube, dass wir alles in die Waagschale werfen, um da Punkte mitzunehmen. Es wird ein knappes 2:1 für uns.

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