Das war ein Wahnsinnsspiel: Das 12:2 beim FC Overberge war der höchste Ligaerfolg von Nordkirchens Fußballern seit dem Aufstieg in die Bezirksliga vor zehn Jahren.

Nordkirchen

, 21.10.2018, 18:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Overberge – FC Nordkirchen 2:12 (1:6)

Man möchte mit Superlativen um sich werfen, wäre da nicht ein erschreckend schwacher Gegner gewesen. Das neue Schlusslicht bot eine Vorstellung, bei der man schon von einem Zwei-Klassen-Unterschied sprechen musste.

Mann des Tages war FCN-Stürmer Patrick Trawinski. Drei Tore selbst erzielt, an mehreren als Vorlagengeber beteiligt. Overberge war genau der richtige Aufbaugegner für den Nordkirchener Flügels, der in den vergangenen Wochen so oft verzweifelte und von Trainer Issam Jaber immer wieder starkgeredet worden war. „Patrick hat ein Superspiel gemacht“, sagte Jaber erst vor zwei Wochen, als Trawinski wieder als Vorbereiter glänzte, sich aber nicht als Torschütze in die Liste eintrug.

Trawinski formte mit seinen Fingern nach dem Dreierpack eine „3“ für die Kamera und gab sich hinterher wie immer mannschaftsdienlich, erzählte im Interview aber auch von einer Wette. „In der Woche habe ich zu Marian Tüns noch gesagt: Wenn ich drei Tore mache, rasiere ich mir eine Glatze. Das ist aber nur Spaß gewesen“, sagte Trawinski breit grinsend nach Spielschluss und fügte dann hinzu: „Hoffe ich!“ Dass er drei Mal das Tor trifft, damit habe er selbst nicht gerechnet.

Wettpartner Tüns übrigens traf auch. Der großgewachsene Abwehrspieler rannte nach einem Overberger Eckball die linke Seite runter. Trawinski, auf den 75 Prozent des Tores gehen dürften, flankte mustergültig von rechts – Tüns hielt den Fuß hin. Seine Tore haben normalerweise Seltenheitswert.

Aber an diesem Fußball-Sonntag war eben nichts normal. Es war bereits das vierte Nordkirchener Tor. Erst 22 Minuten waren da vorüber. Nordkirchen spielte völlig überforderte Overberger schonungslos an die Wand. „Overberge hatte es schwer. Die haben viele junge Leute in der Mannschaft“, sagte Trawinski.

FC Overberges Trainer Burghard Bachmann, der fünf Spieler mit dem Jahrgang 2000 in der Startelf hatte – sie könnten noch in der U19 spielen – konnte einem leidtun. „Im Fußball ist Mitleid nicht angebracht. Overberge will einen anderen Weg gehen als wir“, sagte Jaber.

Für Overberge war es die höchste Niederlage seit mindestens zehn Jahren. „Wir haben immer noch einmal quergelegt und geguckt, wer besser steht. Es ist eigentlich egal, wer die Tore macht. Bis auf die Gegentore können wir zufrieden sein“, sagte Trawinski.

Nordkirchen wollte auch etwas für das Torverhältnis tun. Allein in der ersten Hälfte köpfte Daniel Krüger zweimal aus dem Abseits ins Tor. Die Treffer zählten nicht. Glück hatte Overberge bei zwei Aluminiumtreffern und zwei weiteren Großchancen. „Man darf nicht überheblich wirken, aber wenn du 15 oder 16 Tore machen kannst, die mindestens möglich waren, sollte man mehr raus machen. Schade waren die Gegentore. Die waren über“, sagte Jaber.

„Zweistellig habe ich auch noch nie verloren“, sagte Burghard Bachmann, Overberges Trainer. Den A-Jugend-Trainer hatte der FCO vor vier Wochen als Nachfolger für Hans Bruch installiert. „Positiv sehe ich, dass die Jungs versucht haben, mitzuspielen. Wir haben es Nordkirchen aber aufgrund der Unerfahrenheit viel zu einfach gemacht“, sagte Bachmann ruhig. Mitleid hatte nur der Schiedsrichter. Er pfiff ohne Nachspielzeit ab.

FC Nordkirchen: Sandhowe - Venneker (46. Mangels), Tüns, Fricke, Närdemann (70. Neumann), Bröer, Lünemann, Schwick (65. Rabitsch), Trawinski, Mrowiec, Krüger

Tore: 0:1 Krüger (7.), 0:2 Trawinski (12.), 0:3 Mrowiec (15.), 0:4 Tüns (22.), 0:5 Trawinski, 1:5 Bachmann (31.), 1:6 Närdemann (33.), 1:7 Trawinski (58.), 1:8 Schwick (64.), 1:9 Mrowiec (73.), 2:9 Ayyildiz (77.), 2:10 Lünemann (80.), 2:11 Krüger (87.), 2:12 Lünemann (90.)

Union Lüdinghausen hat auch das zweite Spiel in der Fußball-Bezirksliga unter dem neuen Trainer Tobias Tumbrink gewonnen. Mit 2:0 siegten die Unionisten auswärts gegen die SG Alemannia Scharnhorst.
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