Mario Plechaty über den FC Nordkirchen: „Der Verein ist in den letzten Jahren gewachsen“

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Mario Plechaty, künftiger Trainer des FC Nordkirchen, hat sein erstes Interview gegeben. Darin spricht er über Ziele, Heimat und warum sein Noch-Verein FC Iserlohn gar nicht glücklich ist.

Nordkirchen

, 17.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Beim FC Nordkirchen wird es im Sommer einen Trainerwechsel geben. Mario Plechaty wird Trainer am Schloss und folgt damit auf Issam Jaber. Im Interview beschrieb der 48-Jährige seine Zielsetzung.

Herr Plechaty, Sie haben bei vielen Oberligisten gespielt, haben zuletzt Landes- und Verbandsligisten trainiert. Können Sie auch „Dorfverein“?

Dadurch, dass ich Spielertrainer in Körne und Südkirchen war, kann ich damit umgehen. Ich war damals zu ehrgeizig und musste erst die Mischung finden. Wenn wir sonntags ein Spitzenspiel haben und ich kriege mit, dass halbe Mannschaft sich am Samstagabend auf der Simjü-Kirmes zum Saufen getroffen hat, dann kriegt sie auch mit mir Probleme. Da muss man früh nach Lösungen suchen. Aber natürlich geht jeder mal feiern. Ich sage immer: Feiert mit Niveau und lasst den Schnaps weg! Die nötige Einstellung muss man bei mir schon haben. Aber die Truppe bringt eine Einstellung mit und weiß, dass ich kein Pillepalle will. Ich habe Ziele. Entweder man macht es richtig oder man lässt es.

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Wollen Sie mit dem FC Nordkirchen 2021 in die Landesliga aufsteigen?

Man weiß nie, in welcher Liga wir spielen werden. Es gibt einige verrückte Leute. Vor allem im Dortmunder Raum, wo Bövinghausen und Türkspor sehr aktiv sind. Wenn man Pech hat, hat man so einen Verein in seiner Gruppe. Wie stark diese Teams dann wirklich sind, muss man dann aber erstmal testen.

Welche Ziele haben Sie mit dem FC Nordkirchen?

Ich sage immer: Aufsteigen muss man nicht, sondern man muss erstmal versuchen, gut in die Saison zu starten. Faktoren sind hierbei auch Spielglück und Verletzungspech. Man muss bescheiden bleiben, aber ich glaube schon, dass ich dem Verein helfen kann, in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Liga höher zu kommen. Wichtig ist, dass der Verein mitwächst.

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Meinen Sie damit die zweite Mannschaft und die Jugend?

Ja, das gesamte Umfeld, die Infrastruktur, der Etat. In der Landesliga oder Westfalenliga kommt ein Spieler leider nicht für ein Paar Fußballschuhe.

Wie hat sie der FC Nordkirchen überzeugt?

Ich habe gemerkt, dass sich hier etwas tut und dass es Leute gibt, die etwas vorhaben. Der Verein ist in den letzten Jahren gewachsen, hat es aber nicht geschafft, den nächsten Schritt zu machen und in die Landesliga aufzusteigen, obwohl der Kader immer gut war. Warum und weshalb, weiß ich nicht.

Mario Plechaty über den FC Nordkirchen: „Der Verein ist in den letzten Jahren gewachsen“

Mario Plechaty wird den FC Nordkirchen im Sommer von Trainer Issam Jaber übernehmen. © Benedikt Ophaus

Wie hat der FC Iserlohn auf Ihren Abschied reagiert?

Das ist nicht gut angekommen. In den letzten Wochen war sehr viel Unruhe im Verein. Ich war ehrlich und habe frühzeitig gesagt, dass ich nicht verlängere, obwohl eigentlich geplant war, dass ich länger bleibe. Ich bin kein Freund davon, nur kurze Sachen zu machen. Aber im Sommer hörte sich das alles noch deutlich positiver an und ich habe die Fahrzeit unterschätzt. Der Verein hat jetzt entschieden, mit mir in der Rückrunde weitermachen zu wollen.

Welchen Bezug hatten Sie vor Ihrer Unterschrift zum FC Nordkirchen?

Ich bin ja schon ein halber Nordkirchener nach den Jahren in Südkirchen damals (lacht). Als später Heiko Ueding Trainer wurde, habe ich die Ergebnisse auch immer verfolgt. André Alter (Anm.: Co-Trainer von Heiko Ueding, 2010 bis 2016) ist ein guter Freund von mir. Bernd Melchers (Anm.: Mitglied des Nordkirchener Vorstandes) war damals Trainer in Lüdinghausen - wir haben gegeneinander gespielt, als ich in Südkirchen Spielertrainer war. Ich kannte viele Leute aus dem Lüner Raum, zum Beispiel Dennis Gerleve oder Raphael Lorenz, die in Nordkirchen gespielt haben. Peter Wongrowitz kenne ich auch persönlich, wobei ich mich gewundert habe, als er Trainer wurde.

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Sie werden in Nordkirchen auch die Mannschaft zusammenstellen. Einen Sportlichen Leiter gibt es nicht. Gefällt Ihnen die Vorstellung?

Es ist genau das Richtige. Ich kann etwas verändern und meine Ideen reinbringen. In Mengede war ich drei Jahre auch Trainer und Sportlicher Leiter. Die Aufgabe des Sportlichen Leiters wurde dann irgendwann zu viel. Ich mag es nicht, sich einen Kader zusammenzukaufen. Sicherlich werden wir uns verstärken und junge Spieler holen, aber auch zwei bis drei Spieler, die nicht mehr so jung sind. Dann muss aber alles passen, auch finanziell. Dass sie aber aus Dortmund und Bochum einpendeln, ist nicht der richtige Weg. Sie sollten aus der Region kommen und auch in der Kreisliga A gibt es gute Jungs. Ich habe gemerkt, dass ich da viel Vertrauen bekomme. Der Kader bleibt ja soweit auch zusammen. Kameradschaft und die Mischung sind wichtig.

Der Mannschaft haben Sie sich schon vorgestellt.

Es war neu für mich, mich so früh vorzustellen. Es war vernünftig mit Issam abgesprochen. Aus der Mannschaft kenne ich nicht viele, aber Nils Venneker wollte ich damals zum Beispiel schon zum LSV holen. Ich habe an dem Abend nach dem Training der Mannschaft dann erzählt, wer ich bin, was ich vorhabe und ihr erklärt, wie ich ticke. Natürlich habe ich der Mannschaft auch gesagt, dass ich mich freuen würde, wenn die Mannschaft zusammenbleibt.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit beim SV Südkirchen?

Ich habe nur positive Erinnerungen. Es war eine tolle Zeit. Meine Frau und ich sind immer gerne zu den Spielen gefahren. Ich bin noch heute davon überzeugt, dass die Bezirksliga die heutige Landesliga ist. Ich hatte viele charakterlich tolle Spieler.

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Wie gefällt Ihnen Capelle?

Meine Frau und ich fühlen uns sehr wohl. Wir wollten immer schon etwas ländlicher leben. Vielleicht hätten wir es zehn Jahre eher machen sollen. Unsere Söhne sind auch mobil.

Den Wechsel Ihres Sohnes Nico zum FC Nordkirchen haben wir Sonntagabend vermeldet.

Ich freue mich total, weil wir uns auch nicht so oft sehen. Nico und ich können es trennen, aber wissen, dass es nicht immer so einfach gesehen wird. Ich hätte ihn aber nicht geholt, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass er die Qualität hat, in der Bezirksliga oder Landesliga Leistungsträger werden zu können. In Lünen hat das gut geklappt. In Herbern kam viel zusammen. Er hat Pech gehabt, der Kader war groß. Ich finde gut, dass er jetzt schon im Winter nach Nordkirchen geht. So kann er alle schon einmal kennenlernen.

Sie haben 1991 zehn Bundesligaminuten für Borussia Dortmund gesammelt. Wie fühlte sich das Westfalenstadion an?

Ich glaube sogar, dass es mehr Minuten waren. Es war ein Riesenerlebnis und kam alles ganz plötzlich. Ich hatte mich gut entwickelt nach dem Wechsel vom LSV zu den Amateuren. Ich war damals im dritten Ausbildungsjahr zum Industrieisolierer. Damals wurde ich für das Training noch nicht mal freigestellt und die Profis und Amateure haben auch nie zusammen trainiert. Morgens kam dann der Anruf, dass ich zum Kader gehören sollte. Ich hatte sogar eine Torchance.

Warum hat es nie zur großen Karriere gereicht?

Ich behaupte: Wenn ich nicht so viele Verletzungen gehabt hätte, hätte ich sicherlich einige Jahre in der 2. Liga spielen können. Ich kann gar nicht sagen, was ich alles für Verletzungen hatte! Angebote hatte ich von Fortuna Köln und dem MSV Duisburg. Aber irgendwann musste ich dann einsehen, dass der Zug abgefahren ist.

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