Torwarttrainer Pascal Formann vom VfL Wolfsburg: „Das Ziel ist Europa!“

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Das Trainingslager ist zu Ende, die Winterpause auch. Für Pascal Formann hat das Jahr 2019 mit einer Pflichtspielniederlage in Köln begonnen. Das Ziel ändert sich dadurch nicht für ihn.

Nordkirchen

, 21.01.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Pascal Formann (37) ist seit 2013 Torwarttrainer des VfL Wolfsburg. Vor drei Jahren rückte er zu den Profis auf. Der gebürtige Südkirchener spricht im Interview über das Trainingslager in Portugal, die Verletzung des Stammkeepers in der Hinrunde und gibt einen Tipp ab, wer bei der EM 2020 im Tor der deutschen Nationalmannschaft steht.

Herr Formann, wie haben Sie die Feiertage in der Winterpause verbracht?

Wir waren zu Hause, haben recht viel Zeit mit der Familie verbracht. Beide Familien, meine aus Südkirchen und die meiner Frau, waren in Wolfsburg. Silvester haben wir bei meinen Schwiegereltern in Kassel verbracht. Ich habe die Tage viel geschlafen, gut gegessen, mich erholt und die Zeit genossen.

Sie waren kürzlich im Trainingslager. Wie ist das Trainingslager abgelaufen?

Wir sind direkt zum Trainingsstart nach Portugal geflogen, hatten tolle Bedingungen, ein super Hotel, gute Plätze und tolles Wetter. Wir konnten uns auf die Rückserie gut vorbereiten. Es ist vergleichbar mit einer intensiven Trainingswoche, die man auch im normalen Saisonverlauf vorfinden würde.

Es war eine recht erfolgreiche Hinrunde für Sie mit dem VfL Wolfsburg. Wie fällt Ihr Fazit zur Hälfte der Saison aus?

Wir sind letztes Jahr Sechster geworden und haben mit einem neuen Trainer nahtlos daran angeknüpft. Es gab eine Systemumstellung und andere Impulse. Wir haben vielleicht das eine oder andere Unentschieden zu viel gespielt und einige Punkte in der Bundesliga liegen lassen, aber die Dreifachbelastung mit Pokal und Europa League war Neuland für viele Spieler. Im Pokal – das muss man ehrlicherweise sagen – waren wir gegen RB Leipzig chancenlos an dem Tag. In der Europa League haben wir die Gruppenphase souverän gemeistert. Man lässt sich vielleicht immer etwas täuschen von unbekannten Gegnern, aber die spielen ja auch nicht ohne Grund in dem Wettbewerb.

Was war Ihr persönliches Highlight in der Hinrunde?

Der Sieg gegen Gladbach war schon ein Highlight. Auch die erste Halbzeit gegen Schalke war sehr, sehr gut und die ersten 45 Minuten gegen Dortmund waren sehr ordentlich. Aber ein Spiel dauert halt 90 Minuten und nicht 45, 60 oder 75. International zu spielen in der Europa League ist auch ein Highlight. Das ist natürlich ein nächster Schritt gewesen, aber am meisten Spaß macht das tägliche Brot – und das ist die Bundesliga.

Torwarttrainer Pascal Formann vom VfL Wolfsburg: „Das Ziel ist Europa!“

Pascal Formann ist seit sieben Jahren Torwarttrainer bei den Wölfen. © VfL Wolfsburg/regios24

Sie hatten in der Europa League in PFK Oleksandrija, AS St. Etienne und KAA Gent noch nicht die ganz großen Namen des europäischen Fußballs. Macht es trotzdem Spaß?

Im Heimstadion wurde es bisher noch nicht ganz so gut angenommen, weil vielleicht auch die Namen auf dem Papier gefehlt haben. Auswärts war die Atmosphäre aber vorhanden. Man darf nicht vergessen: Wir haben gegen den französischen Rekordmeister gespielt und Gent hat auch eine gute Mannschaft. Das Spiel gegen Oleksandrija in Lemberg in der Ukraine war eine Erlebnisreise, aber Fußball spielen können die auch. Dass wir sie klar schlagen mussten, war uns bewusst, aber du darfst keine Mannschaft unterschätzen.

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Ist die Europa League auch Ihr persönliches Ziel?

Es ist schon so, dass wir als Verein bestätigen wollen, was wir im letzten Jahr geschafft haben. Man darf sich natürlich nichts vormachen. Wir dürfen uns nicht viele Aussetzer erlauben und sind selbst dafür verantwortlich, dass wir unsere Punkte holen. Wir haben schon gute Chancen, aber müssen in jedem Spiel hellwach sein. Das Ziel ist Europa, aber wir wissen um die Schwere.

Derzeit hat Wolfsburg 24 Punkte auf dem Konto. Ist noch in den Hinterköpfen, dass der Verein um den Klassenerhalt gespielt hat?

Es ist kein zentrales Thema, über das wir sprechen. Wenn man die Ergebnisse verfolgt, sind viele Spiele mit einem Tor Unterschied ausgegangen. Ein Abstiegskandidat hat Europa-League-Teams besiegt, wir haben Gladbach geschlagen, die Bayern verlieren in Frankfurt mit 1:5. Da ist vieles abhängig von der Tagesform. Man darf nicht den Fehler machen, zu glauben, dass nichts passieren kann. Aber unser Augenmerk liegt klar darauf, oben wieder anzuknüpfen.

Mussten Sie Ihren Torwart nach dem 1:6 im DFB-Pokal gegen Leipzig wieder aufbauen?

Wir sprechen darüber. Aber egal, ob wir 4:0 gewinnen oder 0:6 verlieren – die Analyse fällt bei mir immer auf die gleiche Art aus. Wir müssen die Leistung isoliert vom Ergebnis betrachten und auch klar ansprechen, was gut und was schlecht war. Bis zu einem Punkt haben wir es gut gemacht. Dann hat uns Leipzig einfach überrollt mit der Qualität nach vorne. Das Spiel mussten wir spätestens am nächsten Morgen abhaken, weil wir auf die nächsten Aufgaben blicken mussten. Ich habe mit dem Torhüter das Spiel genauso analysiert wie nach dem Sieg gegen Gladbach beispielsweise.

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Stammtorwart Koen Casteels war lange verletzt in dieser Saison.

Ein Haarriss im Wadenbein hatte ihn lange außer Gefecht gesetzt und es hatte länger gedauert, als wir alle gehofft haben. Aber er ist direkt in alter Stärke zurückgekommen. Wir hatten mit Pavao Pervan einen vernünftigen Ersatz, der seine Sache gut gemacht hat. Da haben wir gesehen, dass wir uns auf die Torhüter, die hintendran stehen, zu 100 Prozent verlassen können.

Was verändert sich im Training, wenn die Nummer eins verletzt ist?

Wir müssen die Einheiten so steuern, dass der Torwart, der spielt, fit ist. Es geht darum, an ein paar Stellschrauben zu drehen, aber nicht am ganz großen Rad. Koen Casteels und Pavao Pervan sind unterschiedliche Torwart-Typen. Da ist auch die Eigeninitiative des Spielers gefragt, was er für das gute Gefühl braucht. Da ist das Zusammenspiel zwischen Torwart und Torwarttrainer gefragt.

Torwarttrainer Pascal Formann vom VfL Wolfsburg: „Das Ziel ist Europa!“

In der Trainingsgruppe von Pascal Formann befinden sich unterschiedliche Torwart-Typen. © VfL Wolfsburg/regios24

Kürzlich wurde der Wechsel von Alexander Nübel von Schalke zum FC Bayern München bekannt. Was denken Sie über den Wechsel?

Ich bin zu weit weg, um das beurteilen zu kennen, finde den Wechsel aber nicht unbedingt glücklich. In dem Alter muss ein Torwart 30 bis 40 Spiele pro Saison machen, um sich weiterzuentwickeln. Wenn Manuel Neuer noch bis zur EM 2024 im eigenen Land spielen möchte, ist es für die Entwicklung eines jungen Torhüters schwierig. Die Gesamtkonstellation ist für alle Beteiligten eher unglücklich als beflügelnd.

Wer steht bei der EM 2020 für Deutschland im Tor: Neuer, ter Stegen oder ein anderer?

Ich habe das nicht zu entscheiden. Zuletzt habe ich Manuel Neuer wieder intensiver verfolgt und glaube: Wenn er die Leistung bestätigt und gesund bleibt, steht er im Tor für Deutschland.

Wer wird Deutscher Meister?

Ich tippe auf Bayern München oder RB Leipzig.

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