Wie Amos Piepers Verein Arminia Bielefeld mit der Corona-Krise umgeht

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Zweitliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld sorgt sich um Einnahmen in Höhe von sechs bis sieben Millionen Euro und den angestrebten Aufstieg in die Bundesliga.

Nordkirchen

, 25.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tabellenführer in der 2. Bundesliga, sieben Punkte Polster auf den Relegationsrang, gar zehn auf Platz vier - es sah alles nach einer Bilderbuch-Saison und der Rückkehr in die Bundesliga für Arminia Bielefeld aus, bei der Amos Pieper in der Innenverteidigung Stammspieler ist. Dann kam die Corona-Krise.

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Vor fast zwei Wochen punktete die Arminia, aber nicht auf dem Platz, sondern mit einer sozialen Geste. Kurz vor dem Bielefelder Heimspiel gegen den VfL Osnabrück stellte die Liga den Spielbetrieb ein. In der SchücoArena lagerten jedoch viele Lebensmittel. Also rückte die Heilsarmee an und verteilte Lebensmittel an Bedürftige in der Stadt. In sozialen Netzwerken gab es viel Lob für die Aktion.

Sechs Millionen Euro fehlen in der Kasse

Hilfsbedürftig könnte aber auch die Arminia selbst nun wieder werden. Arminia-Geschäftsführer Markus Rejek befürchtet, dass sein Verein durch die wegfallenden Einnahmen erneut in finanzielle Schieflage geraten könnte. Durch ein dem Verein wohlgesonnenes großes Sponsorennetzwerk, das Bündnis Ostwestfalen, konnte die Arminia erst in den letzten Jahren den hohen Schuldenstand reduzieren.

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„Wenn man ausbleibende Zuschauereinnahmen auf die weiteren vier Heimspiele dieser Saison hochrechnete und die womöglich auch noch reduzierten Gelder aus Medieneinnahmen für den Fall eines Saisonabbruchs, könnten wir als Arminia Bielefeld das nicht alleine tragen“, sagte Rejek vergangene Woche dem Fachmagazin „Kicker“.

Markus Rejek

Markus Rejek © dpa

„Wenn man ausbleibende Zuschauereinnahmen auf die weiteren vier Heimspiele dieser Saison hochrechnete und die womöglich auch noch reduzierten Gelder aus Medieneinnahmen für den Fall eines Saisonabbruchs, könnten wir als Arminia Bielefeld das nicht alleine tragen.“
Markus Rejek, Geschäftsführer Arminia Bielefeld

Die Einbußen könnten sich laut verschiedener Medien auf sechs bis sieben Millionen Euro summieren. Von drei Millionen Euro fehlender TV-Gelder und weiteren drei Millionen durch Umsatzverluste bei den ausstehenden Heimspielen ist die Rede.

Wirtschaftliches Überleben sichern - Horrorszenario Annullierung

In einem anderen Interview sagte Rejek einige Tage später auf „kicker.de“: „Wir müssen so viele Spiele wie möglich absolvieren, um das wirtschaftliche Überleben der Vereine in den beiden Profiligen zu sichern. Englische Wochen könnten dazu führen, die Saison durchzubringen. Oder sogar weitere Anpassungen.“ Dass in dieser Saison noch einmal Zuschauer im Stadion sein werden, daran glaubt er nicht.

Das Horrorszenario: eine Annullierung der Saison. Für den Fall kündigte Rejek Widerstand an: „Man kann nicht hingehen und sagen, wir tun so, als wenn die Saison nicht gespielt worden wäre“, wird Rejek zitiert: „Da können Sie sich vorstellen, da werden wir als Arminia Bielefeld komplett auf die Barrikaden gehen.“

Personalplanungen liegen auf Eis

Die Personalplanungen lagen einem Bericht der „Neuen Westfälischen“ in der vergangenen Woche auf Eis. „Man merkt, die Berater treten momentan nicht aufs Gaspedal, und das finde ich gut“, sagte DSC-Sportchef Samir Arabi dem Blatt, „wer das jetzt noch tut, hat nicht verstanden, worum es geht.“

Angesichts der aktuellen Lage „brauchen wir nicht über einzelne Vertragsverlängerungen nachzudenken. Es geht ja vielmehr darum, dass bei dem einen oder anderen Verein womöglich in der nächsten Saison kein Fußball mehr gespielt wird“. Amos Piepers Vertrag in Bielefeld läuft noch bis 2022.

Debatte über Gehaltsverzicht im Profifußball

Mittlerweile hat sich eine Debatte über Gehaltsverzicht der Profis entwickelt. Aus Bielefeld gibt es anders als von Bundesligist Borussia Mönchengladbach bislang keine Berichte über Gehaltsverzicht, allerdings prüfe die Arminia Kurzarbeit, hieß es. Gehaltsverzichte könnten aber auch in Bielefeld bald ein Thema werden. „Es gibt in dieser Situation keine Denkverbote mehr. Es geht um viel mehr als um Einzelschicksale“, sagte Arabi dem „Westfalen-Blatt“. Der Verein ist bislang aber ohne Corona-Verdachtsfall.

Amos Pieper äußerte sich bislang nicht zu der aktuellen Lage. Der Verein lehnte eine Interviewanfrage zum Thema ab.

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