E-Sport im Hype: Niklas Mählmann war einer der besten deutschen Zocker

hzSuS Olfen

In der Coronakrise blüht der E-Sport auf. Vor einigen Jahren war SuS-Olfen-Stürmer Niklas Mählmann noch mittendrin und sogar deutscher Vizemeister. Seitdem hat sich viel in der Branche verändert.

von Carl Brose

Olfen

, 21.05.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit dem vergangenen Wochenende rollt der Ball wieder in der Fußball-Bundesliga. Zuvor mussten die Fans in Deutschland knapp zwei Monate auf Live-Sport verzichten. Zumindest auf dem Platz – denn während die Stadien zuletzt leer blieben, verlagerte sich das Sportgeschehen in den Online-Bereich. So startete die DFL im März die „Bundesliga Home Challenge“, bei der an vier Spieltagen E-Sportler und Fußball-Profis der Bundesligavereine auf dem virtuellen Rasen in „FIFA 20“ gegeneinander antraten. Auch der Nordkirchener Arminia-Profi Amos Pieper mischte mit.

Vor dem Bildschirm als Zuschauer war auch der Olfener Stürmer Niklas Mählmann mit dabei. Vor einigen Jahren war er selber noch als E-Sportler aktiv und einer der besten deutschen Spieler in PES (Pro Evolution Soccer), dem Marktkonkurrenten des Fußballsimulationsspiels FIFA. Auch heute beobachtet Mählmann die Szene noch, auch wenn er selber nicht mehr mitmischt. „Der E-Sport hat sich in den letzten Jahren schon extrem gewandelt und hat jetzt durch Corona nochmal einen weiteren Schub bekommen. Ich denke auch nicht, dass diese Entwicklung zurückgehen wird. Es wird immer populärer werden“, sagt der Olfener.

Jetzt lesen

Selber hat Mählmann schon in sehr jungen Jahren angefangen Videospiele zu spielen. 2007 begann er dann mit PES und besuchte zusammen mit seinem Bruder erste Turniere. „Da waren wir noch nicht darauf Bedacht, mega gut zu sein. Wir haben einfach aus Spaß ein bisschen mitgespielt. Dementsprechend haben wir da auch nichts gerissen, wir waren einfach noch nicht wettbewerbsfähig“, erinnert sich Mählmann zurück.

Sieg bei Städteturnieren

Trotz mäßigen Erfolg blieb er aber weiter dabei und begann mit PES 2010 intensiver zu spielen. In der folgenden Version des Spiels gelang Mählmann der Durchbruch: „Bei PES 2011 hatte ich dann zwei Städteturniere gewonnen. Dadurch habe ich mir die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft gesichert.“ Bei dieser holte er sich die Vizemeisterschaft. „Für diese Turniere hat man das Ganze auch gemacht. Einem wurde das ganze Wochenende bezahlt und man hat viele Kollegen dort getroffen“, so Mählmann.

Niklas Mählmann sicherte sich zahlreiche Pokale als PES-Spieler.

Niklas Mählmann sicherte sich zahlreiche Pokale als PES-Spieler.

In den folgenden Jahren ließ er das Spielen etwas schleifen, bis er 2015 sein Comeback in der kompetitiven PES-Szene gab. Ihm gelang sogar noch ein dritter Platz bei den deutschen Meisterschaften, ehe er dann endgültig aufhörte. „Danach hat mir das Spiel einfach überhaupt keinen Spaß mehr gemacht. Es verändert sich ja mit jeder Version und es wurde dann immer schlechter. Außerdem fehlte irgendwann auch der Anreiz. Man hat sich dann gefragt: Wofür mache ich das Ganze überhaupt? Denn Geld hat man damals bei PES kaum verdient“, erklärt Mählmann. Seit zwei Jahren habe er deswegen auch überhaupt kein PES mehr gespielt.

Jetzt lesen

Inzwischen hat sich für den gelernten Stürmer auch auf dem echten Fußballplatz einiges verändert. Im Winter 2016 wechselte er von seinem Jugendverein Viktoria Resse zum SuS Olfen, dem er 2019 mit seinen Toren zum Aufstieg in die Bezirksliga verhalf.

Niklas Mählmann bekommt nach einem Turnier eine Ehrung.

Niklas Mählmann bekommt nach einem Turnier eine Ehrung. © Mählmann

Dabei gibt es für ihn einige Aspekte, die er aus der virtuellen Welt auch auf den echten Fußballplatz übertragen kann: „Bei beiden unterscheiden sich die richtig guten Spieler dadurch, dass sie in den wichtigen Momenten die Ruhe behalten. Außerdem muss man auch jeweils seine Emotionen im Griff haben. Nicht ausrasten nach schlechten Aktionen, sondern geduldig bleiben und das abstreifen.“

„Für Schalke zu spielen, wäre eine coole Sache gewesen“

Über eine Rückkehr in den E-Sport hat Mählmann auch bereits nachgedacht. „Als Schalke verkündet hat, dass sie eine E-Sport-Abteilung aufbauen, bin ich ins Überlegen gekommen. Für Schalke zu spielen wäre nochmal eine coole Sache gewesen. Letztlich habe ich es aber doch gelassen“, sagt er.

Inzwischen hat Schalke vier Spieler unter Vertrag, gegen die Mählmann vor ein paar Jahren noch bei Turnieren antrat: „Damals war man auf Augenhöhe. Deswegen hätte ich mir das schon zugetraut. Das Talent für dieses Spiel hatte ich irgendwie immer und so ganz krass verändert sich das Spiel auch nicht.“

Jetzt lesen

Dass immer mehr Bundesligavereine einsteigen, sieht er als Teil der Entwicklung, die der E-Sport in den vergangenen Jahren gemacht hat. „Heutzutage steckt da viel mehr Geld drin. Mittlerweile gibt es ja sogar Nationalmannschaften. Das war damals, als ich gespielt habe, noch komplett undenkbar“, so Mählmann.

Aber auch die Außenwahrnehmung des E-Sports habe sich verändert: „Es ist von diesen Vorurteilen weggekommen, dass alles E-Sportler Nerds sind. Die bekommen inzwischen von ihren Vereine richtige Trainingspläne, damit sie dann bei den Turnieren von der Konzentration her in Topform sind.“

Lesen Sie jetzt