Königstransfer: SG Selm holt Tormaschine nach drei Jahren zurück

hzFußball

Die SG präsentiert eine Neuverpflichtung, die man gut und gerne als bisherigen Königstransfer des Vereins bezeichnen könnte. Die Rückhol-Aktion basierte auf Hartnäckigkeit und geheilten Knochen.

Selm

, 24.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Aufwärmshirt von der SG Selm hat der Rückkehrer noch aus seiner Zeit unter den Ex-Trainern Frank Bidar und Mark Bördeling im Schrank. Auch einen Pulli besitzt der Stürmer noch. „Den muss ich gar nicht vollständig einkleiden“, scherzte Norbert Hanning, Sportlicher Leiter der SG Selm, deshalb bei der Vorstellung am Dienstagabend.

Sebastian Kramzik zurück zur SG Selm zu holen, kostete den Sportchef der Selmer eine Menge Zeit. Seit der Winterpause waren Hanning und „Krabbe“ in intensiverem Kontakt. Doch Kramzik wollte die Saison bei Westfalia Vinnum II zu Ende spielen. Es ist dem Vernehmen nach vor allem Hannings Hartnäckigkeit zu verdanken, dass Kramzik schließlich zusagte. Hanning: „Wenn ich jemanden haben möchte, rede ich auf den ein wie auf eine kranke Kuh.“ Kramzik nickte zustimmend grinsend, als wollte er sagen, dass er nur dann endlich Ruhe haben würde, wenn der Strafraumstürmer wieder für die SG Selm spielt.

Die SG Selm hat Sebastian Kramzik (r.) vorgestellt. Norbert Hanning, Sportlicher Leiter des A-Ligisten, präsentierte den Neuzugang.

Die SG Selm hat Sebastian Kramzik (r.) vorgestellt. Norbert Hanning, Sportlicher Leiter des A-Ligisten, präsentierte den Neuzugang. © Sebastian Reith

„Ich habe Norbert anfangs auch gesagt, dass wir uns gar nicht unterhalten müssen. Irgendwann kam der Gedanke: vielleicht doch! Daher war es eine Option, auch wieder nach Selm zurückzukommen“, sagte Kramzik. Ausschlaggebend für den Wandel war auch der gesundheitliche Zustand des Mittelstürmers.

Sebastian Kramzik war von viel Verletzungspech geplagt

2017 wechselte er von der SG Selm zu seinem Jugendverein PSV Bork. Mehrere Jahre hatte Kramzik bei der SG gespielt und mit Toren überzeugt. Immer wieder quälte sich der 28-Jährige in den vergangenen Jahren aber mit Verletzungen herum. Sprunggelenk, Knie, Rücken - Kramziks Beschwerdeliste war lang.

Oft Zuschauer statt Spieler: Sebastian Kramzik hat eine lange Leidenszeit hinter sich.

Oft Zuschauer statt Spieler: Sebastian Kramzik hat eine lange Leidenszeit hinter sich. © Sebastian Reith

Oft biss er auf die Zähne, sein Onkel und Trainer Markus Kuhn brachte Kramzik oft noch in der Schlussphase, um Spiele irgendwie zu drehen. Trotzdem stieg Bork ab, Kramzik wollte dann bei Westfalia Vinnum II in der Kreisliga B kürzertreten. „Ich erhoffe mir, dass bei etwas weniger Intensität und Aufwand die Knochen vielleicht mal länger heile bleiben“, sagte er damals. Vieles deutete auf ein lockeres Ausklingen der Karriere hin.

Jetzt lesen

Und nun? „Das ist es ja: Alles bestens! Ich habe die Saison über nichts gehabt!“ Kramzik ist - zu seiner eigenen Überraschung - wieder völlig schmerz- und beschwerdefrei. Zudem hat Kramzik ordentlich Gewicht verloren. Von früher einmal 100 Kilogramm, die er auch wegen der Ausfallzeiten wog, hat er 15 Kilogramm verloren. Kurz: Sebastian Kramzik ist wieder fit.

Sebastian Kramzik wird hier noch bei der SG Selm von Tobias Tumbrink (l.)und Jan Gumprich vom Platz getragten.

Sebastian Kramzik wird hier noch bei der SG Selm von Tobias Tumbrink (l.)und Jan Gumprich vom Platz getragten. © Weitzel

Sebastian Kramzik greift wieder an bei der SG Selm

Das führte nur zu einem Schluss: „Ich habe schon vor einigen Wochen und Monaten gemerkt, dass etwas fehlt: mehr Ehrgeiz, mehr Trainingsfleiß - das fehlte einfach. Ich hatte nicht gedacht, dass es noch einmal so weit kommt. Irgendwie juckte es aber doch noch etwas. Ich wollte wirklich weniger machen und habe trotzdem jede Einheit mitgenommen“, sagte Kramzik.

Sebastian Kramzik (l.), hier im Test gegen den SV Südkirchen, traf häufig für Westfalia Vinnum II.

Sebastian Kramzik (l.), hier im Test gegen den SV Südkirchen, traf häufig für Westfalia Vinnum II. © Jura Weitzel

Der Wechsel in die erste Vinnumer Mannschaft sei auch Thema gewesen. „Es war am Ende ein Bauchgefühl. So lange habe ich auch noch nie überlegt“, sagte Kramzik. Westfalia Vinnum bestätigte das. „Es war klar abgesprochen, dass er in der zweiten Mannschaft spielt und aushilft, wenn in der ersten Mannschaft Not am Mann ist“, sagte Patrick Roser, Sportlicher Leiter von Westfalia Vinnum. Das tat Kramzik auch und trug sich sogar in die Torschützenliste ein.

Dauerhafte Verwendung hätte die Westfalia für Kramzik durchaus auch gehabt. „Wir haben die Gespräche intensiviert, als Selm ein Thema wurde. Bevor er den Verein verlässt, könnte er auch gerne bei uns in der ersten Mannschaft spielen“, sagte Roser. Jetzt hat sich Kramzik aber für die SG entschieden. Roser: „Wir haben ihn als fairen Sportsmann kennengelernt und hegen keinen Greul.“

Lesen Sie jetzt