Erdbeben in Vinnum: Westfalia trennt sich von beiden Topstürmern

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Beide waren Stammspieler - sportlich tut der Verlust weh. Doch dass die Vinnumer zu den Gründen schweigen, zeigt trotzdem, dass der Verein hofft, ohne beide besser dran zu sein.

Vinnum

, 06.01.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Dienstag beginnt die Rückrundenvorbereitung beim Fußball-Kreisligisten Westfalia Vinnum. Allerdings startet Trainer Michael Nachtigall ohne zwei Stürmer, die der Verein im Sommer verpflichtet hatte, in das Training auf dem Kunstrasenplatz an der Borker Straße. Zusammen waren sie für 8 der 13 Vinnumer Saisontore verantwortlich.

Erdbeben in Vinnum: Westfalia trennt sich von beiden Topstürmern

Andreas Stolzenberg und Westfalia Vinnum gehen getrennte Wege. Der Stürmer gehört nicht mehr zum Kader. © Jura Weitzel

Der Verein teilte einen Tag vor dem Start auf Nachfrage mit, dass er sich von Andreas Stolzenberg und David Olschewski (beide jeweils vier Tore - Bestwert im Vinnumer Team) getrennt habe.

Die Initiative sei dabei von Westfalia Vinnum ausgegangen, wie der Sportliche Leiter Patrick Roser deutlich machte, indem er den Satz in der Mitteilung mit einem gefetteten und in Großbuchstaben gesetzten „Wir“ begann: „WIR haben uns zur Rückrunde von David Olschewski und Andreas Stolzenberg getrennt. Wir haben uns dazu entschlossen, dass eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn mehr macht“, schrieb Roser.

Erdbeben in Vinnum: Westfalia trennt sich von beiden Topstürmern

David Olschewski spielte bereits seit Oktober nur noch in die zweite Mannschaft. © Sebastian Reith

Zu den Gründen machte Roser keine Angaben und wollte sich nicht äußern. Deutlicher wurde da Trainer Nachtigall. Er sagte, dass die Verantwortlichen nicht das Gefühl hatten, dass beide Spieler noch zu 100 Prozent hinter der Mannschaft stehen.

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Wie die Redaktion erfuhr, hat es aber immer wieder atmosphärische Störungen mit Neuzugang Stolzenberg gegeben. Ein Beispiel: Nach dem 1:1 gegen RW Erkenschwick am vorletzten Spieltag des Jahres 2019 hatte Stolzenberg offenkundig einen Streit mit Mitspielern. Gegen den SV Hochlar eine Woche später gehörte er nicht zum Kader. Der Verein gab damals nicht an, dass Stolzenberg verletzt sei.

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Bereits vor Weihnachten hätten nach Rosers Angaben dann Geschäftsführer und Spieler Michael Asemann, Trainer Nachtigall und Sportchef Roser gemeinsam entschieden, sich von beiden zu trennen.

Olschewski spielte seit Oktober nur noch in der Reserve

Olschewski war bereits während der Saison in die zweite Mannschaft strafversetzt worden. „David spielt aktuell in der zweiten Mannschaft. Das hat interne Gründe. Aber er wird sicherlich irgendwann wieder für uns auflaufen“, sagte Nachtigall im Oktober. Heute ist klar: Das Gegenteil ist der Fall.

„Olschewski war nie ganz weg. Sollte sich bei der Zweiten wieder ordentlich präsentieren, dann wäre es eine vorübergehende Geschichte gewesen. Wir haben aber gemerkt, dass er nicht das Interesse hatte, voll anzugreifen, so dass wir ihn nicht wieder für Erste nominieren können“, sagte Nachtigall. Bei Stolzenberg hätten sich die gleichen Probleme herauskristallisiert, obwohl Nachtigall von den Qualitäten seines Stürmers überzeugt war.

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Hier lachen David Olschewski und Patrick Roser noch. Jetzt teilte Roser (r.) mit, dass Klub und Spieler sich getrennt haben. © Sebastian Reith

Stolzenberg und Olschewski kannten Nachtigall noch aus gemeinsamen Zeiten in Meckinghoven. Stolzenberg, früher auch schon in Diensten der DJK GW Erkenschwick, Germania Datteln, DJK Eintracht Datteln oder Union Lüdinghausen, holte Vinnum als Eins-zu-Eins-Ersatz für Christian Voßschmidt, der zum PSV Bork wechselte. Nachtigall hatte Stolzenberg sogar erst nach Meckinghoven geholt, später zu Vinnum.

„20 Tore plus X“ - ein Wunsch, der sich nicht erfüllte

Roser bezeichnete ihn bei der Vorstellung als „Stürmertyp, der genau ins Profil passt“ und der für „20 Tore plus X“ pro Saison gut sei. Obwohl Stolzenberg Chancen für viel mehr Tore hatte und unter seinen Möglichkeiten in Vinnum blieb, wird er jedoch nicht mehr als die bisherigen vier Tore schießen - zumindest nicht mehr für die Vinnumer.

Erdbeben in Vinnum: Westfalia trennt sich von beiden Topstürmern

Vier Tore erzielte Vinnums Stürmer Andreas Stolzenberg (M.) in der laufenden Saison. © Sebastian Reith

Ob das bei einem anderen Verein möglich ist, hängt auch davon ab, ob beide die Freigabe erhalten werden. „Wir werden sehen“, sagte Roser dazu. Westfalia Vinnum ist bekannt dafür, Spielern im Winter die Freigabe zu verweigern. Vergangenen Winter musste Sven Görlich nach dessen Rückkehr zu Union Lüdinghausen monatelang auf der Bank schmoren. Vinnum will damit wechselwillige Spieler an ihr Wort erinnern. Allerdings liegt die Gemengelage in diesem Fall anders. Vinnum will die Spieler diesmal abgeben und könnte sich diesmal die Ablöse nicht entgehen lassen.

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Nach Onur Öztürk und Henrik Sengpiel (vor dem Saisonstart) sowie Tejan Sillahs Abgang nach nur zwei Einsätzen sind Stolzenberg und Olschewski die Abgänge Nummer vier und fünf in der laufenden Saison. Alle fünf waren erst im Sommer verpflichtet worden.

Ob Westfalia Vinnum noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werde, ließ Roser offen. „Mit dem 20 Mann starken Kader haben wir auf jeden Fall Personal, auf das wir uns zu 100 Prozent verlassen können und den Abstiegskampf bestreiten wollen“, sagte Roser und erklärte, dass der Tabellen-14., der schon vor der Trennung Not im Sturm hatte, sportlich den Abgang des gefährlichsten Duos auffangen könne.

Nachtigall sagte, dass Tore allein nicht zählen, sondern auch andere Faktoren ausschlaggebend seien. Allerdings sei vieles einfacher gewesen, wenn Stolzenberg die Quote erreicht hätte, die Vinnum sich von ihm erhofft hatte.

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