Wie Hammerwerfer Rik Amann die Corona-Krise erlebt - Teil 7

Coronavirus

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln.

von Rik Amann

Olfen

, 29.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hammerwerfer Rik Amann muss sich mit einem Medizinball abgeben - der unterscheidet sich in den Wurfeigenschaften aber massiv von seinem Lieblingswurfgerät.

Hammerwerfer Rik Amann muss sich mit einem Medizinball abgeben - der unterscheidet sich in den Wurfeigenschaften aber massiv von seinem Lieblingswurfgerät. © Rik Amann

Die letzten Wochen habe ich immer über mein alternatives Training zuhause gesprochen, doch wie genau läuft so ein Training ab? Denn was die meisten nicht wissen: Das Training von uns Sportlern zuhause unterscheidet sich doch sehr stark von dem Training, was die meisten Hobbyathleten zurzeit machen.

Mal ein paar Kilometer laufen gehen, zu Hause vor dem Laptop sein Homeworkout machen oder sich für ein paar Stunden auf sein Fahrrad setzen. Das ist das, was die meisten Leute zurzeit machen, um sich fit zu halten, und das ist auch sehr gut so. Doch wir Athleten wollen mehr, als uns „nur“ fit zu halten.

Auch wir brauchen Laufeinheiten und Stabi-Training

Natürlich brauchen wir auch Laufeinheiten und Stabilisations-Programme, um eine gewisse Grundfitness aufzubauen und zu halten. Viel wichtiger, gerade in solchen Zeiten, in denen wir keine Wettkämpfe haben, sind für uns Wettkampfsportler Technikeinheiten. Wir spulen unseren Bewegungsablauf nicht tagtäglich ab, wie es sonst in der Wettkampfphase wäre, in der kaum ein Tag vergeht, ohne dass man nicht wenigstens ein paar Würfe absolviert.

Rik Amann sehnt sich nach einer Rückkehr in den Hammerwurf-Käfig.

Rik Amann sehnt sich nach einer Rückkehr in den Hammerwurf-Käfig. © Rik Amann

Seit nun mehr als sechs Wochen hatte ich keinen Hammer mehr in der Hand. Das macht sich schon dramatisch in der Technik bemerkbar. Sieht man bei den Profis zu, dann sieht es immer so einfach aus, doch es steckt jedes Jahr eine Menge Arbeit dahinter, seine Technik so weit voran zu bringen, dass man wieder Bestleistungen werfen kann. Also was tun in Corona-Zeiten, in denen man nicht werfen kann?

Medizinballwürfe, Medizinballwürfe, Medizinballwürfe

Zurzeit muss ich mich mit Medizinballwürfen begnügen. Der ein oder andere wird vielleicht denken: „Nun gut, ähnliches Gerät, ähnlicher Bewegungsablauf!“ Doch diese Einschätzung ist weit gefehlt. Den Medizinball habe ich direkt in der Hand, der Hammer hat einen circa einen Meter langen Draht, an dem sich dann die Kugel befindet.

Somit hat der Hammer einen viel größeren Drehradius um den Athleten und man ist größeren Kräften beim Wurf ausgesetzt. Durch den geringeren Radius des Medizinballs erhöht sich jedoch die erreichte Geschwindigkeit, was wiederum bedeutet, dass Eingangsgeschwindigkeit und Kniehöhe angepasst werden müssen.

Dieser kleine Auszug aus der Technik des Hammerwerfens zeigt, wie komplex der Bewegungsablauf doch ist und wie schwer er ohne Hammer zu imitieren ist. Daher auch die immer größer werdende Hoffnung aller Athleten, so bald es aus gesundheitlichen Gründen möglich ist, die Sportplätze wieder nutzen zu dürfen.

Alle Teile der Serie:

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln. Amann war bereits Leichtathlet des Jahres im SuS Olfen, in dem er seit 2006 Mitglied ist. Seine größten Erfolge waren die Silbermedaille bei den Deutschen U16-Meisterschaften im Jahr 2016 und der sechste Platz in der U18 im Jahr 2018.
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