Der Datenschutz lässt grüßen: Darum gibt es auf sis-handball.de nur noch Vornamen zu sehen

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Nach einer Eltern-Beschwerde haben die Macher der Internet-Plattform haben aus Datenschutzgründen reagiert. Doch zur neuen Saison kommt für die Handballer ohnehin ein neues Portal zum Zuge.

Schwerte

, 27.05.2019, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Plötzlich sieht es ganz anders aus. Beim Blick auf „sis-handball.de“, die Internet-Plattform, die alle relevanten Daten der Handballspiele von der Bundesliga bis zur Kreisklasse enthält, fällt seit ein paar Wochen eine gravierende Veränderung auf: Waren dort bislang komplette Spielberichte zu entnehmen, mit den jeweiligen Mannschaftsaufstellungen, in denen die Akteure mit Vor- und Zunamen erwähnt waren, finden sich dort augenblicklich nur noch die Vornamen der Beteiligten sowie der erste Buchstabe des Nachnamens.

Gleiches gilt für den einsehbaren Spielverlauf. Da wirft dann ein Thomas das Tor zum 5:2, ehe ein Sebastian ein paar Minuten später eine Zeitstrafe kassiert – Informationen nur noch für Insider.

Androhung eines Ordnungsgeldes

Warum ist das so? Andreas Tiemann, Vize-Präsident Spieltechnik beim Handballverband Westfalen, klärt auf. Man habe Post vom Landesinstituts für Datenschutz und Informationsfreiheit (LDI) in NRW erhalten. Der Inhalt: Die Veröffentlichung von Daten auf der Plattform sis-handball.de sei zu verändern.

LDI-Pressesprecher Nils Schröder erklärte auf Anfrage, dass es eine Beschwerde „betreffend die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten eines Kindes auf dem Portal sis-handball“ gegeben habe. Sie war offenbar der Anlass einer Überprüfung durch das LDI, das daraufhin unter Androhung eines Ordnungsgeldes empfohlen habe, den Liveticker abzuschalten und die Spielberichte aus dem Internet zu nehmen, wie Tiemann berichtet.

Letztendlich habe die Firma GateCom, die für das Internetportal zuständig ist, ohne Rücksprache mit dem Handballverband Westfalen die Nachnamen der Spieler gekürzt.

Moderneres Portal „Siebenmeter“ kommt

Für die kommende Saison wird das aktuelle Portal laut Tiemann abgelöst und durch das System „Siebenmeter“ ersetzt. „Siebenmeter“ ist ein Programm, das in anderen Landesverbänden wie Baden und Schleswig-Holstein bereits etabliert ist.Es soll moderner und schneller sein als „sis-handball.de“ – und es soll ein Tool enthalten, mit dem die Datenschutzproblematik gelöst werden kann.

Denn jeder Spieler soll dazu aufgefordert werden, selbst zu entscheiden, ob sein Name veröffentlicht werden darf oder nicht.Anders komme man aus der Problematik wohl nicht heraus, meint Andreas Tiemann. „Die Alternative wäre, alle 93.000 Spielerpässe in Westfalen in die Tonne zu kloppen. Aber ich glaube, das kann auch nicht im Sinne des Erfinders sein.“


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