Der VfL Schwerte und sein Herzschlagfinale mit Happy End

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Fast auf den Tag genau 20 Jahre ist es her, dass der Jubel auf dem Schützenhof keine Grenzen kannte. Der VfL Schwerte war in die Verbandsliga aufgestiegen. Wir blicken zurück.

Schwerte

, 01.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der VfL Schwerte hatte Arminia Marten am letzten Spieltag mit 2:1 bezwungen. Nach weiteren nervenzerfetzenden drei Minuten folgte die entscheidende Meldung: „Schluss in Heven – 2:2!“ Der Hauptkonkurrent FV Hombruch 09 hatte nur Remis gespielt und damit ein Entscheidungsspiel verpasst. Der VfL Schwerte hatte im Herzschlagfinale das bessere Ende für sich und war nach 28 Jahren in die Verbandsliga zurückgekehrt.

Peter Lodde als Architekt des Aufstiegs

Architekt des Aufstiegs war Peter Lodde. Er übernahm das Ruder im Sommer 1998. Nach einer enttäuschenden Saison, in der Trainer Jochen Vollmer vier Spieltage vor Schluss zurückgetreten war, stand ein völliger Neuaufbau an. 15 neue Spieler kamen, gleich sieben brachte Lodde vom VfR Sölde mit.

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Die Saison 1998/99 lief für die Blau-Weißen gut an, doch Lodde blieb vorsichtig. Als sein Team nach sieben ungeschlagenen Spielen die Tabelle anführte, sprach er noch von „Punkten gegen den Abstieg“.

Erst im 13. Spiel gab es mit 2:3 gegen den SV Sodingen die erste Niederlage. Dennoch überwinterte der VfL als Spitzenreiter.

Wenig erfolgreiche Aufstiegsrunde

In der zweiten Saisonhälfte konnte der VfL aber dann mit dem turmhohen Favoriten, den unter Sponsor Ingo Petersmann hochgerüsteten Nachbarn VfB Westhofen, nicht mehr Schritt halten.

Dennoch gelang es den zweiten Platz zu verteidigen, der zur Teilnahme an einer Aufstiegsrunde berechtigte.

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Hier gab der Verband kein gutes Bild ab, da er während der Austragung mehrmals die Anzahl der aufstiegsberechtigten Teams änderte. Der VfL verspielte schon in den ersten zwei Spielen alle Chancen. Trotz überlegener Spielweise gab es beim FSC Rheda eine 1:2-Niederlage und gegen den TuS Erndtebrück nur ein 1:1, als man sogar zwei Elfmeter verschossen hatte. Am Ende stand aus vier Spielen nur ein Punkt – im ersten Anlauf war der Aufstieg noch verpasst worden.

David Flamme und Lars Kieloch kehrten zurück

Vor der Saison 1999/2000 gab es wenig Veränderungen im Kader. Mit David Flamme (TuS Iserlohn) und Lars Kieloch (VfL Hörde) kehrten zwei Spieler nach nur einem Jahr zurück an den Schützenhof.

Diesmal verlief die erste Saisonhälfte allerdings nicht so gut. Zwar schoss Kapitän Andreas Walther mit drei Toren beim 5:0-Sieg gegen den VfB Schwelm sein Team gleich an die Spitze, doch es folgte eine 1:3-Niederlage in Hombruch.

Nach sieben Spieltagen lagen die Schwerter trotz einer herben 0:4-Schlappe zu Hause gegen den Erler SV dennoch auf Rang zwei, hatten aber bereits acht Punkte Rückstand auf die Mannschaft der Stunde. Vorwärts Kornharpen war mit sieben Siegen gestartet und gab am 8. Spieltag dann auch dem VfL Schwerte mit 2:1 das Nachsehen.

Aufstiegsträume schienen sich erledigt zu haben

Elf Punkte Rückstand nach einem Viertel der Saison – eigentlich hatten sich an diesem Punkt die Aufstiegsträume schon erledigt. In der Folge schwächelte Kornharpen jedoch, holte aus vier Partien nur zwei Punkte. Der VfL setzte zur Aufholjagd an.

Auch im Vereinsheim ging es nach dem entscheidenden 2:1-Erfolg gegen Marten hoch her. Torjäger Matthias Krause tanzte auf dem Tisch.

Auch im Vereinsheim ging es nach dem entscheidenden 2:1-Erfolg gegen Marten hoch her. Torjäger Matthias Krause tanzte auf dem Tisch. © Manuela Schwerte

Torjäger Matthias Krause gelang der 2:1-Siegtreffer gegen den SSV Südfeldmark in der Schlussminute. Der TuS Heven wurde mit 4:1 und die SG Linden-Dahlhausen mit 6:0 nach Hause geschickt. Und als Matthias Krause mit zwei Treffern einen 1:2-Rückstand bei Arminia Marten in einen 3:2-Sieg drehte, lag der VfL nach der Hinrunde nur noch drei Punkte hinter Kornharpen zurück.

Selbst diese hätte der VfL noch wett machen können, aber das Nachholspiel bei Phönix Eving – die Partie war zuvor wegen abgesägter Tore ausgefallen – ging mit 1:2 verloren.

Als Tabellenführer überwintert

Zwei Spiele standen im Dezember noch an. Der VfL gewann beide. Nach dem 3:0 in Schwelm wurde auch der vom Ex-Schwerter Bodo Sievers trainierte FV Hombruch mit 2:1 durch Tore von Flamme und Krause bezwungen. Damit überwinterte der VfL sogar als Tabellenführer, punktgleich mit Kornharpen und dem BV Brambauer. Hombruch folgte mit einem Punkt Rückstand.

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In der Winterpause holte der VfL drei Verstärkungen. „So eine Chance wie in diesem Jahr wird es so schnell nicht wieder geben. Es gibt keine Übermannschaft in der Liga“, wollte Lodde die Gunst der Stunde nutzen.

Jens Hübner und Christian Zetzmann kamen vom VfB Westhofen, der sein Team bereits nach zehn Verbandsliga-Spielen zurückziehen musste, und Ralf Taube vom LR Ahlen 2.

Krause mit sechs Toren in einem Spiel

Zum Auftakt des neuen Jahres verspielte der VfL nach einer 1:2-Niederlage beim TuS Wengern in letzter Minute zunächst die Spitze, gewann anschließend aber das Spitzenspiel gegen Brambauer durch zwei Walther-Tore mit 3:0.

Nachdem das entscheidende Spiel gegen Marten gewonnen war, lagen sich die Spieler des VfL Schwerte in den Armen.

Nachdem das entscheidende Spiel gegen Marten gewonnen war, lagen sich die Spieler des VfL Schwerte in den Armen. © Manuela Schwerte

Der Kapitän erzielte auch den 1:0-Siegtreffer in Sodingen, mit dem die Schwerter wieder Tabellenführer wurden. Fünf Teams gingen aussichtsreich in das letzte Saisondrittel. Beim 8:2-Kantersieg gegen den FSV Witten erzielte Matthias Krause sechs Treffer. In Erle gelang Marc Braier durch einen Fallrückzieher das 1:0 in der 86. Minute, doch ein Blackout von David Flamme, der nach einer harmlosen Flanke mit beiden Händen zum Ball griff, kosteten durch den fälligen Elfmeter zwei Punkte und die Tabellenführung.

Polizeischutz für den Schiedsrichter

Diese holte sich der VfL durch den 4:1-Sieg im Spitzenspiel gegen Kornharpen zurück. Anschließend musste der Schiedsrichter unter Polizeischutz gestellt werden, denn die Bochumer Anhänger waren nach drei Platzverweisen und einem Elfmeter gegen ihr Team kaum zu bändigen.

„Wir haben das Spiel verdient gewonnen. Die drei Roten Karten werden denen noch weh tun“, zog Peter Lodde seinerzeit nüchtern Bilanz.

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Er sollte recht behalten. In der Schlussphase der Saison blieben nur Hombruch und sein Team im Rennen. Am 26. Spieltag, als Ralf Taube noch ein 2:2 in Südfeldmark rettete, zog Hombruch gleich. Eine Woche später kam Hombruch nur zu einem 0:0 gegen Erle, dann ließ der VfL beim 1:1 in Heven zwei Punkte liegen.

Mit dem 2:1 gegen Marten war der VfL am Ziel

Am vorletzten Spieltag gaben sich beide Teams keine Blöße, sodass es zum Herzschlagfinale der beiden punktgleichen Mannschaften kam.

Am 28. Mai 2000 brachten Jens Hübner und David Flamme den VfL gegen Marten mit 2:0 in Front. Am Ende reichte es zum 2:1-Sieg.

Hombruch geriet in Heven mit 0:2 in Rückstand und kam nur noch zum 2:2 – der VfL Schwerte war am Ziel.

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