Schwerter zum Lockdown: „Ich glaube nicht, dass wir in diesem Jahr noch spielen werden“

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Der Amateurfußball macht Pause. Mindestens bis Ende November – so haben es die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten als Teil ihres „Lockdown light“ zur Corona-Bekämpfung beschlossen.

02.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie kommt diese Maßnahme bei den heimischen Fußballern an? Und mit welchen Auswirkungen auf den weiteren Saisonverlauf rechnen sie? Wir sind auf Stimmenfang gegangen und haben bei den Klubs nachgefragt.

Sebastian Schulte, Teammanager des Landesligisten SC Berchum/Garenfeld: „Es ist eine logische Konsequenz, dass der Amateurfußball ruht. Wie sollte man einem Gastwirt erklären, dass er seinen Laden schließen muss und die Sportplätze bleiben offen - das passt einfach nicht. Deshalb müssen wir uns damit abfinden.

Ich glaube nicht, dass wir in diesem Jahr nochmal Fußball spielen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass die Hinrunde im Frühjahr fortgesetzt wird und dass auch diese Hinrunde nur gewertet wird - wie es von Verbandsseite ja auch schon gesagt worden ist.“

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André Haberschuss, Trainer des Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte: „Dass Amateurfußball erstmal nicht mehr stattfindet, ist nicht schön. Aber vergleichsweise ist es das kleinste Übel. Viel schlimmer trifft es doch andere Bereiche. Was sie zum Beispiel mit den Gastronomen machen, finde ich eine absolute Frechheit.

André Haberschuss, Trainer des ETuS/DJK Schwerte.

André Haberschuss, Trainer des ETuS/DJK Schwerte. © Manuela Schwerte

Leid tut es mir auch um die Vereinswirte. Auch die haben jetzt erstmal keine Einnahmen haben, weil auf den Plätzen niemand trainiert.“

Kamal Hafhaf
, Sportlicher Leiter des Bezirksligisten VfL Schwerte: „Es hat mich nicht überrascht, dass die Saison unterbrochen wird. Und ich finde gut, dass jetzt Klarheit herrscht im Sinne einer Gleichberechtigung für alle Vereine.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dieses Jahr nochmal spielen. Ich hoffe, dass es ab Februar wieder geht und die Saison dann irgendwie noch zu Ende gespielt werden kann, was wohl – wenn überhaupt – nur mit vielen Englischen Wochen. Da wird der Verband gefordert sein.“

Thomas Redel, Sportlicher Leiter des Bezirksligisten Geisecker SV: „Wenn man sich die Infektionszahlen anguckt, ist die Entscheidung alternativlos, dass nicht mehr gespielt wird. Ob die Gastronomie, die Profisportler oder auch wir als Amateure – keiner will ein Corona-Hotspot sein. Deshalb geht es wahrscheinlich nicht anders als das zu tun, was jetzt beschlossen worden ist.“

Marvin Horn, Sportlicher Leiter des Bezirksligisten SC Hennen: „Ich hatte in den vergangenen Wochen nicht das Gefühl, dass der Fußball der Infektionstreiber war oder ist. Trotzdem finde es richtig, den Spielbetrieb einzustellen. Das liegt vorrangig an den vielen Partien, die abgesagt worden sind. Dass man ängstlicher im Umgang mit Corona wird, wäre im November sicherlich nicht weniger geworden. Es hätte Verdachtsfälle ohne Ende gegeben, deswegen halte ich die Unterbrechung der Saison mit Blick auf die ganzen Spielabsagen für den richtigen Schritt.

Marvin Horn, Sportlicher Leiter des SC Hennen.

Marvin Horn, Sportlicher Leiter des SC Hennen. © Bernd Paulitschke

Ich halte es für naiv zu denken, dass wir Anfang Dezember wieder starten und dann einfach so weitermachen können. Ich rechne damit, dass wir erst im Frühjahr wieder Fußball spielen dürfen.“

Leonard Gashi, Sportlicher Leiter des A-Ligisten VfB Westhofen: „Dass etwas getan werden muss, war abzusehen – man muss sich doch nur in den Nachbarländern umgucken, welche Auswirkungen das Virus haben kann. Es wird ein langer Prozess, bis wir das im Griff haben. Ob die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt sind, kann ich nicht beurteilen. Aber die Datengrundlagen aus den medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen müssten es hergeben.

Leonard Gashi, Sportlicher Leiter des VfB Westhofen.

Leonard Gashi, Sportlicher Leiter des VfB Westhofen. © Manuela Schwerte

Ich hoffe, die Saison geht weiter. Die Hygienekonzepte auf den Außenanlagen sind relativ gut umzusetzen. Für Bereiche wie Kultur und Gastronomie sind weitaus größere Herausforderungen zu stemmen.“

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Arne Werner, Trainer des A-Ligisten TuS Holzen-Sommerberg: „Es war eine Frage der Zeit, wann die Saison unterbrochen wird – wobei ich gedacht hätte, dass die Entscheidung eher von Seiten des Verbandes gekommen wäre als von der Bundesregierung. Aber letztlich ist es vollkommen in Ordnung so – am Amateurfußball hängen keine Wirtschaftszweige, die zwingend aufrecht zu erhalten sind.

Gut im Sinne der sportlichen Fairness ist, dass wir Einheitlichkeit haben und es keine Nachteile mehr für einzelne Mannschaften gibt.

Arne Werner, Trainer des TuS Holzen-Sommerberg.

Arne Werner, Trainer des TuS Holzen-Sommerberg. © Manuela Schwerte

Ich denke, dass wir 2020 kein Fußball mehr spielen werden. Denn man muss ja mindestens zwei Wochen Karenzzeit einrechnen, bevor man wieder um Punkte spielen kann.“

Björn Ludwig, Sportlicher Leiter des A-Ligisten SG Eintracht Ergste: „Natürlich wünscht man sich, dass der Amateurfußball von den getroffenen Maßnahmen nicht so stark betroffen ist. Allerdings kann man es in diesen Zeiten nun mal nicht allen Beteiligten zu 100 Prozent recht machen, sodass diese Entscheidung dann einfach auch akzeptiert werden muss.

In Anbetracht von dann schon neun Spielen Rückstand ist es für mich schwer vorstellbar, dass die Saison noch zu Ende gespielt werden kann.“

Benjamin Gottstein, Trainer des A-Ligisten Holzpfosten Schwerte 05: „Generell schätze ich die Gefahr einer Ansteckung mit Covid 19 beim Fußball im Freien als relativ gering ein. Das große Problem sehe ich abseits des Platzes in den Kabinen, Duschen und Vereinsheimen. Wenn wir ehrlich sind, kann dort kein Verein eine Ansteckung wirksam verhindern. Und bei den aktuellen Temperaturen möchte ich keinem zumuten, die Besprechung vor einem Spiel und während der Pausen im Freien zu machen. Oder gar ungeduscht und verschwitzt ins kalte Auto zu steigen, um nach dem Auswärtsspiel nach Hause zu kommen. Es macht also Sinn, das zu unterbinden.

Benjamin Gottstein, Trainer von Holzpfosten Schwerte 05.

Benjamin Gottstein, Trainer von Holzpfosten Schwerte 05. © Bernd Paulitschke

Ich glaube nicht daran, dass das Spielen und Trainieren in der kalten Jahreszeit noch sinnvoll gelingen kann. Ich befürchte eher, dass wir im Frühjahr wieder starten und die Saison mit 50 Prozent der Spiele, also der Hinrunde, zu Ende bringen.“

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