Neue Regeln: Was alle Kicker wissen sollten und was ein Schiedsrichter davon hält

hzFußball

Trainer können mit Karten bestraft werden, ausgewechselte Spieler müssen auf kürzestem Weg vom Platz und ein paar andere Sachen mehr – es gibt Regeländerungen, die ab sofort greifen.

Schwerte

, 28.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Denn zur neuen Saison, offiziell ab 1. Juli 2019, hat der Fußball-„Gesetzgeber“ einige Neuerungen vorgenommen, die für Kicker in allen Ligen interessant sind. Wir haben zusammen mit Lars Lehmann, Vorsitzender des Schiedsrichter-Auschusses im Fußballkreis Iserlohn, auf die wichtigsten Veränderungen geschaut. Lehmanns Fazit vorab: „Es sind viele kleinere Sachen, deren Umsetzung sich mit der Zeit einspielen wird – jedenfalls nichts, was den Fußball revolutionieren wird.“ Er plane für Ende August eine Schulung, auf der die Regeländerungen den Vereinen nähergebracht werden sollen, so Lehmann.

Strafen für Offizielle: Meckerei oder gar Beleidigungen von der Seitenlinie wird es wohl auch weiterhin geben. Allerdings ändert sich die Bestrafung dafür. An die Stelle von mündlicher Verwarnung und Innenraumverweis treten jetzt Gelbe und Rote Karten.

„Das hat sicherlich eine Signalwirkung nach außen – wenn eine Karte gezeigt wird, sieht jeder, dass etwas gewesen ist. Faktisch ändert sich bei einem Innenraumverweis aber nichts – ob mit oder ohne Rote Karte“, meint Lars Lehmann.

Spielerwechsel: Ein beliebtes Mittel, um Zeit zu schinden, war bisher, einen Spieler vor seiner Auswechslung zur anderen Seite des Spielfelds zu schicken, von wo er dann gemächlich zur Seite der Trainerbänke schlenderte. Das geht jetzt nicht mehr, denn ausgewechselte Spieler müssen den Platz an der nächstgelegenen Außenlinie verlassen. „Eine absolut sinnvolle Regelung“, meint Lehmann.

Schiedsrichterball: Der alte Satz „der Schiedsrichter ist Luft“ gilt ab sofort nicht mehr in jedem Fall. Zum Beispiel dann nicht, wenn durch seine Berührung ein Tor fällt, eine vielversprechende Angriffssituation entsteht oder der Ballbesitz wechselt. Dann gibt es künftig einen Schiedsrichterball. Ebenfalls neu: Den Schiedsrichterball darf nun immer die Mannschaft ausführen, die vor der Unterbrechung im Ballbesitz war. Im eigenen Strafraum erhält dann der Torwart den Ball.

Handspiel: Bei diesem leidigen Thema hat der Weltverband versucht, mehr Klarheit zu schaffen. So ist bei der Torerzielung künftig jede Handberührung – ob absichtlich oder nicht – strafbar, und das Tor zählt nicht. Dies ist aber nur eine von mehreren Regeländerungen. So gilt für Abwehrspieler künftig verbindlich, dass das Abstützen beim Fallen als natürliche Handbewegung gilt und nicht strafbar ist.

Dennoch gibt es weiterhin Diskussionspotenzial, wenn der Arm nicht komplett angelegt ist – Stichwort „unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche“.

Lars Lehmann sieht die Handspieldiskussionen gelassen. „Wenn es im Profi-Bereich den Video-Assistenten nicht geben würde, gäbe es viel weniger Diskussionen. In unseren Ligen gibt es viele Dinge, die gar nicht als Handspiel wahrgenommen werden und über die deshalb gar nicht diskutiert wird. Ich denke, in diesem Bereich wird es keine allzu großen Veränderungen bei uns geben.“

Strafraum: Abstöße und Freistöße müssen nicht mehr wie bisher aus dem Sechzehn-Meter-Raum gespielt werden, sondern können auch innerhalb des Strafraums ausgeführt werden.

Lars Lehmann dazu: „Auch diese Neuerung ist sinnvoll, denn damit wird auf ein verändertes Spielerverhalten reagiert. Abstöße werden heutzutage nicht mehr immer nur weit nach vorne geschlagen. Und wenn ein Abwehrspieler vom Torwart angespielt wurde und in Bedrängnis kam, konnte er bisher einfach einen Schritt in den Strafraum machen – und der Abstoß wurde wiederholt. Das geht jetzt nicht mehr.“

Freistoß: In einer Mauer ab drei Spielern dürfen künftig keine gegnerischen Akteure stehen, sondern müssen mindestens einen Meter Abstand halten. „Damit soll das Gerangel in der Mauer bei einem Freistoß unterbunden werden. Für den Amateurbereich sehe ich da keine allzu großen Auswirkungen – das Freiblocken in der Mauer ist nicht gerade Kreisliga-typisch“, meint Lehmann.

Elfmeter: Der Torwart muss nicht mehr mit beiden Füßen, sondern nur noch mit einem die Torlinie berühren. Nach wie vor darf er sich aber nicht zu früh bewegen. Auch diese Regelanpassung hat für Lehmann kaum Relevanz im Amateurbereich. „In der Praxis spielt das für mich keine Rolle. Ich pfeife seit etwa 20 Jahren. Aber mir ist kein Fall bewusst, in dem ich einen Elfmeter habe wiederholen lassen, weil der Torwart sich zu früh bewegt hat oder auch weil die Spieler zu früh in den Strafraum laufen“, so der Iserlohner Schiedsrichterausschuss-Vorsitzende.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt