Vor 50 Jahren: Ein Vereinsidol des VfL Schwerte wird Deutscher Meister

hzFußball

Borussia Mönchengladbach wurde auf den Tag genau vor 50 Jahren erstmals Deutscher Meister. Zwischen den Pfosten stand mit Wolfgang Kleff ein „Schwerter Junge“.

Schwerte

, 29.04.2020, 16:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war der Beginn einer großen Ära eines bis dahin eher kleinen Bundesliga-Vereins vom Niederrhein: Auf den Tag genau vor 50 Jahren gewann Borussia Mönchengladbach seine erste Deutsche Fußball-Meisterschaft.

Eine Schwerter Torwart-Legende

Vier nationale Titel folgten im weiteren Verlauf der 1970er-Jahre. Zwischen den Pfosten der „Fohlen“ stand einer der prominentesten Sportler, die die Stadt Schwerte je hervorgebracht hat: Wolfgang Kleff (73), den man ohne Übertreibung als eine Torwart Legende bezeichnen darf – auch wenn er das selbst gar nicht so gerne hört.

Jetzt lesen

Einem breiteren Publikum präsentierte sich Kleff am Montagabend beim Fernsehsender Sky, der die Gladbacher Glanzzeit im Gespräch mit Kleff nochmal lebendig werden ließ.

Rückblick auf die gute alte Zeit

In seiner gewohnt locker-flockigen Art blickte Kleff auf die guten alten Zeit zurück. Auch auf seine Anfänge bei der Borussia, bei der der spätere Nationaltorwart seine Profikarriere 1968 begann. „Die haben damals einen guten Torwart gesucht“, erzählte Kleff schmunzelnd.

Auch auf der Jubiläumsfeier des VfL Schwerte anlässlich des hundertjährigen Bestehens im September 2019 durfte Wolfgang Kleff (li.), hier mit dem VfL-Wirtschaftsratsvorsitzenden Bernd Arnhold, nicht fehlen.

Auch auf der Jubiläumsfeier des VfL Schwerte anlässlich des hundertjährigen Bestehens im September 2019 durfte Wolfgang Kleff (li.), hier mit dem VfL-Wirtschaftsratsvorsitzenden Bernd Arnhold, nicht fehlen. © Manuela Schwerte

Gelernt hat der heute 73-Jährige das Torwart-ABC beim VfL Schwerte. Einen Steinwurf vom Stadion Schützenhof entfernt hat Kleff gewohnt, Papa Willi war Jugendleiter beim VfL – der Weg des jungen Wolfgang zu den Blau-Weißen war vorgezeichnet.

„Waren ein richtig guter Haufen“

Beim VfL durchlief Kleff alle Jugendmannschaften und rückte dann in den Seniorenbereich auf, wo er in der Verbandsliga, damals die höchste Amateurspielklasse, ein fester Bestandteil der erfolgreichsten Zeit der VfL-Vereinsgeschichte war.

„Wir hatten damals keine überragenden Einzelspieler, aber wir waren ein richtig guter Haufen. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, kriege ich heute noch Gänsehaut“, erzählt Kleff.

Nur allzu gerne erinnert er sich auch an die Schlagzeilen in der damals noch existierenden „Fußballwoche“. Kleff: „Da wurden wir als 1:0-Mannschaft bezeichnet – wir haben zwar nicht viele Tore geschossen, aber auch kaum eins kassiert. Und das war für mich als Torwart natürlich ein Kompliment“, erzählt der Keeper.

Gladbacher Talentspäher wurden aufmerksam

Die starken Leistungen des jungen Torwarts blieben auch den Talentspähern der Mönchengladbacher Borussia nicht verborgen – auch wenn das damalige Scouting-System nicht annähernd so akribisch war wie das heutzutage der Fall ist.

So wechselte Kleff 1968 mit 21 Jahren vom Schützenhof zum Bökelberg – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. „So viel ich weiß, bin ich der einzige Torwart, der von einem Amateurverein in die Bundesliga wechselte und dann ein Jahr später als Stammspieler Deutscher Meister geworden ist“, sagt Kleff nicht ohne Stolz.

Beim ETuS/DJK Schwerte fungiert Wolfgang Kleff (re.), hier mit Lukas Hedtheyer (im Sprung) und Kevin Loke seit rund zwei Jahren als Torwarttrainer.

Beim ETuS/DJK Schwerte fungiert Wolfgang Kleff (re.), hier mit Lukas Hedtheyer (im Sprung) und Kevin Loke seit rund zwei Jahren als Torwarttrainer. © Bernd Paulitschke

Am 30. April 1970 war es so weit. Mit dem 4:3-Zittersieg der Gladbacher nach 4:0-Führung machte die Mannschaft des legendären Trainers Hennes Weisweiler am vorletzten Spieltag der Saison 1969/70 gegen den Hamburger SV ihr Meisterstück. „Der Schwerter Junge war Deutscher Meister – unglaublich“, sagt Kleff rückblickend.

Eine beachtliche Titelsammlung

Für Wolfgang Kleff war der Triumph anno 1970 der Beginn einer beachtlichen Titelsammlung. Neben den fünf Deutschen Meisterschaft gewann Kleff zweimal den Uefa-Cup und wurde einmal Deutscher Pokalsieger Pokal. In sechs Spielen trug er das Trikot der Nationalmannschaft und wurde mit Deutschland 1972 Europameister sowie 1974 Weltmeister – wenn auch nicht als Stammtorwart.

Bei allen Erfolgen und trotz der räumlichen Entfernung ist Kleffs Verbindung zu seiner Geburts- und Heimatstadt nie abgerissen – im Gegenteil. „Ich weiß, woher ich komme und ich weiß, welche schönen Stunden ich in Schwerte verbracht habe“, sagt er.

Schirmherr des ETuS/DJK-Hospizturniers

Deshalb habe er auch vor elf Jahren nicht lange überlegen müssen, als Hans Haberschuss, damals wie heute der Vorsitzende des ETuS/DJK Schwerte, ihn fragte, ob er die Schirmherrschaft über das Benefizturnier der „Östlichen“ zugunsten der Hospiziniative übernehmen wolle.

Zu Haberschuss‘ Freude sagte Kleff spontan zu – der Anfang eines freundschaftlichen Verhältnisses der beiden.

Ein Mann mit Schwerter Fußballherz

Auch die Fußballschule, die Kleff zweimal in den Osterferien angeboten hat – 2015 auf dem Schützenhof, zwei Jahre später in Schwerte-Ost – sind ein Beleg für Kleffs Schwerter Fußballherz. Auch bei der VfL-Jubiläumsfeier anlässlich des 100-jährigen Bestehens durfte das Vereinsidol nicht fehlen.

2015 richtete Wolfgang Kleff (re.) ein Fußball-Feriencamp auf dem Schützenhof aus.

2015 richtete Wolfgang Kleff (re.) ein Fußball-Feriencamp auf dem Schützenhof aus. © Bernd Paulitschke

Und auch in Zukunft wird Wolfgang Kleff im Schwerter Fußball – sobald der Ball wieder rollt – weiter präsent sein. Denn den Job als Torwarttrainer beim ETuS/DJK, den er vor rund zwei Jahren angefangen hat, werde er „zu 99,9 Prozent“ auch in der nächsten Saison ausüben, verrät der jung gebliebene 73-Jährige.

Lesen Sie jetzt