Claudia Lokar erklärt ihre Laufleidenschaft

Sportlerporträt

OLFEN Claudia Lokar schleckt an ihrem Eis. Drei Kugeln mit Sahne durften es sein. "Lecker", sagt die Senioren-Europameisterin über 10 Kilometer und widerspricht damit allen Vorurteilen um Läufer und Askese. Sehnig, drahtig, durchtrainiert - das ist Claudia Lokar, trotz gelegentlicher Eisbecher. Ein Porträt.

von Von Alexandra Neuhaus

, 07.07.2009, 15:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Wenn schon Kalorien, dann müssen sie auch schmecken", sagt die 45-Jährige und beißt in die kleine Eiswaffel. Sie wirkt entspannt, positiv und mit sich im Reinen, wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählt - Laufen. "Andere Leute gehen spazieren, ich gehe laufen", sagt sie.

"Anders als zu meiner Profi-Zeit spüre ich heute keinen Druck", sagt die Langstrecklerin vom SuS Olfen. Ihre Profi-Zeit - damals war sie eine der besten Läuferinnen Deutschlands, gewann deutsche Meistertitel, startete für ihr Land bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. 1996 kam dann das abrupte Ende. Der Sehnenansatz des rechten Sitzbeins war angerissen. Laufen war nur unter Schmerzen möglich. "Bis dahin hatte ich keine Erfahrung mit Verletzungen", sagt Claudia Lokar im Rückblick. Alles hat sie versucht, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen - vergebens. Es war das Ende einer vielversprechenden Karriere.

Erfüllung im Beruf: Lehrerin an einer Förderschule

Elf Jahre sind seitdem vergangen. Elf Jahre, in denen sich das Leben der Claudia Lokar grundlegend verändert hat. Aus der Profi-Läuferin ist eine Lehrerin an einer Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung geworden. "Seit zehn Jahren arbeite ich nun in Herten an der Christy-Brown-Schule", sagt die zierliche Lokar (1,61m/42 kg), und während sie von ihrer Arbeit erzählt, verrät das Strahlen in ihren Augen, wie sehr sie in dieser Rolle aufgeht, wie sehr dieser Job die Prioritäten in ihrem Leben verschoben hat.

Plötzlich lag der Fokus nicht mehr auf schnellen Zeiten, plötzlich drehte sich nicht mehr alles primär um einen straffen Trainingsplan, plötzlich fiel auch der finanzielle Druck, ihren Lebensunterhalt durch das Laufen zu erwirtschaften, von ihren schmalen Schultern.

"Das neue Leben erfüllt mich", sagt die gebürtige Hernerin und ihre erfrischend ehrlich wirkende positive Lebenseinstellung geht so weit, dass sie der Verletzung etwas Gutes abgewinnen kann. "Es war Schicksal. Wer weiß, ob ich sonst den Übergang in den Beruf so reibungslos hinbekommen hätte."

Im Sport fand sie Halt

Ihre positive Grundeinstellung - ohne sie wäre sie wohl schon in vielen Zeiten ihren Lebens ins Straucheln geraten. 1976 verunglückten ihre Eltern tödlich. Claudia Lokar war damals gerade zwölf Jahre alt. Im Sport fand sie Halt.

  "Ich war von Beginn an diejenige, die alle platt gelaufen hat", sagt die blonde Athletin. Ihr Trainer Wolfgang Lokar begleitete sie von Beginn, ging mit ihr durch Höhen und Tiefen. Sein Nachname verrät die heutige Verbindung. Mittlerweile sind die beiden nicht nur als Trainer-Athleten-Gespann erfolgreich, sie gehen als Eheleute gemeinsam durchs Leben.Doch bei aller Zufriedenheit - das Laufen ganz aufzugeben, das kam für Claudia Lokar zu keiner Zeit in Frage. "Dafür liebe ich den Sport einfach zu sehr", sagt Claudia Lokar. "Es gibt nichts Schöneres, als laufend in der Natur unterwegs zu sein." Ihr Mann ist immer dabei. Eine Leidenschaft, die seit 2005 auch wieder beschwerdefrei möglich ist. Das Feuer war wieder entfacht.

Sie läuft 100 Kilometer in der Woche "100 Kilometer laufe ich in der Woche", sagt Lokar. Der Aufwand zahlte sich dieses Jahr aus. Ende Mai wurde sie im dänischen Aarhus Senioren Europameisterin, Anfang Juni lief sie in Olfen 34:40 Minuten über 10 Kilometer - Deutsche Altersklassenbestzeit.

Wie lange sie noch Leistungssport betreiben will? "Das weiß ich nicht. Solange meine Knochen und meine Gesundheit mitmachen. Ich habe auch keine festen Ziele mehr, sondern sehe allem was kommt positiv entgegen." Wer hätte bei der sympathisch echten Läuferin etwas anderes erwartet?

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