Coronavirus: Kündigt nicht! Die Vereine brauchen euren Beitrag jetzt umso mehr!

hzKlare Kante

Wer infolge der Corona-Krise seine Mitgliedschaft in einem Sportverein überlegt zu kündigen, sollte sich fragen, warum er in der Vergangenheit für Sport weniger als 3 Euro pro Woche bezahlt hat.

Selm

, 30.03.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Coronavirus legt die Sportwelt lahm - wie lange, kann man nicht absehen. Große Kündigungswellen der Mitgliedschaft haben die Sportvereine in unserer Region den ersten Recherchen zufolge noch nicht erreicht. Liebe Sportfreunde, sorgt dafür, dass es auch so bleibt!

Sonderkündigungsrechte haben Beitragszahler von Vereinen nicht. Sollte aber der Sportbetrieb womöglich über Monate nicht stattfinden können, werden sich vermutlich schon einige Mitglieder überlegen, ihren Vereinsbeitrag einzusparen, von dem man bei womöglich selbst knapper Kasse infolge von Kurzarbeit bei seinem Arbeitgeber derzeit gar nichts hat. Schließlich summiert es sich, wenn in einer vierköpfigen Familie jeder einem Sport nachgeht. Dann doch besser kündigen, oder?

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Doch das wäre zu kurz gedacht. Der Verein - damit sind nicht nur Sportvereine gemeint - ist eine Solidargemeinschaft, teilt Werte wie Fairness, Engagement und Ehrenamt. Viele Vereine verstehen sich selbst als „Großfamilie“, in der mal gestritten werden darf, aber alle eigentlich an demselben Strang ziehen. Das muss auch in Krisenzeiten so bleiben. Also: Kündigt bitte nicht!

Vereine erfüllen eine wichtige Funktion in der Gesellschaft

Denn Vereine erfüllen in unserer Gesellschaft eine Funktion, die nicht zu unterschützen ist. Politiker halten gerne Sonntagsreden auf Sportvereine. Sie erzählen, dass der Fußballverein Kinder „von der Straße“ holt, lassen die Höhe der Sportförderung dann aber gerne im Keller.

Trotzdem leben die Vereine. In Westfalen sind sie vielfach der Kleber unserer Gesellschaft. Bei Aufstiegsspielen will das ganze Dorf ihre Helden anfeuern. Sportvereine vermitteln im Leistungsbereich auch Ehrgeiz, Disziplin und den Umgang mit Rückschlägen - ist auch für das Berufsleben wichtig, während vielfach von Werteverfall die Rede ist.

Der Sportverein hat weiter hohe Kosten

Bei aller moralischer Debatte gibt es auch praktische Gründe, warum der Klub weiter Einnahmen braucht: Der Verein hat weiterhin Kosten: Miete für Kursräume, eventuell Pauschalverträge für Energie- und Wasserkosten. Die Anlagen brauchen weiter Pflege. „Das Gras wächst ja weiter“, sagte der Präsident eines Golfclubs süffisant vergangene Woche. Nicht zu vergessen auch die monatlichen Tilgungen an die Bank, denen manche Vereine für den Bau ihrer Anlagen vertraglich verpflichtet sind.

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Schon jetzt fehlen Einnahmen durch Zuschauer, wegen abgesagter Veranstaltungen und den daraus resultierenden Verkauf von Speisen und Getränken. In manchen Vereinen macht er einen fünfstelligen Betrag aus. Die Einsparungen auf der anderen Seite durch Übungsleiterhonorare, die nicht immer weitergezahlt werden müssen, wiegen das nicht auf. Sollte rückblickend doch mehr Geld in der Vereinskasse sein als geplant, war es gut investiert. Kündigt also nicht!

Was ist mir mein Sportverein wert?

Man muss sich selbst die Frage stellen, was einem der Sportverein wert ist. Was er mir bedeutet und warum es sich lohnt, weiter Mitglied zu bleiben. Warum nicht nur die körperliche Betätigung, sondern auch die Gemeinschaft wichtig ist. Dann sollte man priorisieren, sich überlegen, ob man vielleicht an anderer Stelle Geld sparen kann, ob man das neuste Computerspiel oder die neuste Hose braucht oder bei einem Lieferdienst sein Essen bestellen muss.

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Und dann muss man sich ja noch sehen, was man alles bekommen hat, als der Verein noch einem geregelten Betrieb nachgehen konnte. Ein Rechenbeispiel: Ein 13-jähriger C-Juniorenfußballer zahlt beim SuS Olfen einen Jahresbeitrag von 120 Euro, der sich aus Grundbeitrag (6 Euro) und Abteilungsbeitrag (4 Euro) zusammensetzt.

Dafür bekommt der Nachwuchskicker zwei-, manchmal sogar dreimal die Woche Training und Spiele und Turniere geboten - bricht man das runter, ergibt sich pro Trainingseinheit oder Spieltag Kosten, die minimal sind: Sie liegen unter einem Euro. Vielfach sind es weniger als drei Euro pro Woche, von denen der Verein alles unterhält. Ist der Verein aber erstmal kaputt, ist er so schnell nicht wiederaufgebaut.

Wem das Wasser finanziell aber bis zum Hals steht, der wird in seinem Verein sicherlich auf Verständnis stoßen, wenn der Sportler über Stundungen des Mitgliedsbeitrags spricht. Doch wenn es irgendwie geht, haltet eurem Verein in der schweren Zeit die Treue! Kündigt nicht!

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