„Der Verband sollte die Saison vernünftig abwickeln“ - Reaktionen der Fußballer auf FLVW-Mitteilung

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Die Verantwortlichen der Fußballmannschaften sind geteilter Meinung über die Entscheidung, den Spielbetrieb nur „bis auf Weiteres“ auszusetzen. Einigen geht die Entscheidung nicht weit genug.

Olfen, Selm, Nordkirchen

, 29.03.2020, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Freitag hatte der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) seine Sprachformel für die wegen des Coronavirus unterbrochene Saison verändert. Statt nur bis zum 19. April werde die Saison nun „bis auf Weiteres“ ausgesetzt. Zwei Wochen vor der geplanten Wiederaufnahme der Meisterschaftsspiele will der FLVW seine Mitgliedsvereine informieren. Was halten die Vereine davon?

Issam Jaber atmete bei der Frage erstmal tief durch. Der Trainer des Fußball-Bezirksligisten FC Nordkirchen ist noch bis zum Saisonende im Amt. Seine Abschiedstour macht das Coronavirus derzeit zunichte. „Ich bin zwiegespalten“, sagte Jaber nach der Verbandsankündigung. Er habe mit dem 19. April ein Ziel vor Augen gehabt, einen Fixpunkt im Kalender, der nun auf wackligen Beinen steht und wahrscheinlich bald kippen wird.

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„Eigentlich ändert sich an der Situation nichts“, sagte er. Ob und wie es weitergeht, sei nicht Inhalt der Verbandsmitteilung gewesen. Dabei würde Jaber die Saison gerne zu Ende spielen - „in welchem Modus auch immer.“

Norbert Sander hält 14 Tage Vorlauf für zu kurz

Norbert Sander, Sportlicher Leiter des Bezirksligisten SuS Olfen, der nach einer Hirnoperation vor drei Jahren im Rollstuhl sitzt, zählt selbst zur Risikogruppe und meidet aktiv Kontakte. Mit dem Nachfolger von Coach Michael Krajczy, Jupp Ovelhey, sei Sander mehrmals pro Woche in engem Austausch.

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„Die Saison auf Gedeih und Verderb zu Ende zu bringen, halte ich für verkehrt“, sagte Sander am Sonntagnachmittag. Die Vorlaufzeit von 14 Tagen bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs halte er aus sportlicher und gesundheitlicher Sicht für gewagt bis bedenklich. „Meine persönliche Meinung: Der Verband sollte die Saison vernünftig abwickeln.“ Das Einfrieren der Tabelle zur Hinrunde sei aus Sanders Sicht die fairste Lösung.

Marco Logemann denkt derzeit nicht viel an Fußball.

Marco Logemann denkt derzeit nicht viel an Fußball. © Sebastian Reith

Marco Logemann sieht noch eine lange Fußballpause

Marco Logemann, Trainer des B-Ligisten PSV Bork, geht nach wie vor nicht davon aus, „dass in absehbarer Zeit an Fußball zu denken ist.“ Der Familienvater sagte: „Wenn man schulpflichtige Kinder hat und keine Schule stattfindet, wird es auch kein Fußballgeschehen auf den Plätze geben.“ Amateurfußball sei für ihn ohnehin derzeit zweitrangig. „Man kann froh sein, wenn man bald wieder frei auf die Straße gehen kann und mit Freunden in seinem Garten grillen kann“, sagte Logemann.

Sebastian Schimschewski, Sportlicher Leiter beim B-Ligisten SC Capelle, hält die neue Regelung des FLVW für ein Ausweichmanöver. „Aus Funktionärssicht ist es die richtige Entscheidung. Dann muss man nicht wöchentlich Wasserstandsmeldungen abgeben. Für einen Verein ist es aber nicht planbar.“

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