Enttäuschung über Korfballer: "Blöd und bedauerlich"

BRNO / SELM An ihrem spielfreien Tag bei der Weltmeisterschaft hatte die deutsche Nationalmannschaft einmal überhaupt nichts mit Korfball zu tun. Was nach dem Absturz ins Platzierungsspiel um Rang elf am heutigen Freitag (18.45 Uhr) gegen Indien womöglich bitter notwendig war.

von Von Carsten Loos

, 09.11.2007 / Lesedauer: 3 min

Das Team des Trainergespanns Thorsten Cramer und Thomas Kupka besuchte derweil in Brün (Tschechische Republik) eine Sportschule, in der die Kinder und Jugendlichen neben den regulären schulischen Fächern vor allem Eishockey erlernen. Die Schüler waren Zuschauer beim ersten WM-Spiel der Deutschen. Da dürften sie die Equipe des Deutschen Turner-Bundes (DTB) in guter Erinnerung behalten: Zum Auftakt hatten bekanntlich die Cramer-Schützlinge sich mit 24:10 gegen die USA durchgesetzt - und auf eine erfolgreiche WM hoffen lassen.

Was allerdings danach kam, nannte jetzt Detlef Dülfer (Selmer KV), der Landesfachwart des Westfälischen Turnerbundes (WTB), "schade, blöd und bedauerlich". Nach sechs Spielen hat Deutschland, das mit dem dritten Platz als Ziel in das Turnier gestartet war, zwei Siege und vier Niederlagen (darunter gleich drei Niederlagen mit nur einem oder zwei Körben Rückstand) auf seiner bitteren WM-Bilanz.

    Dülfer bemängelte, dass Deutschland beim 16:17 gegen Ungarn mit "zu wenig Bewegung" gegen die Hinterverteidigung der Südosteuropäer gespielt hätte.

Die Psyche ist angeknackst

Eine ähnliche Spielweise erwartet unterdessen Co-Trainer Kupka nun von Indien. "Ich hoffe, dass wir gewinnen", sagte er trotzig. Die Psyche der deutschen Spieler sei jedoch "schon angeknackst" nach der neuerlichen knappen Niederlage, die zumindest die Chance auf das Trostpflaster des neunten Platzes endgültig zunichte gemacht hatte. Kupka: "Alle Spieler wissen, dass sie eigentlich besser spielen können." Es habe einfach nicht geklappt", suchte Kupka nach einer Erklärung, was "in der Vorbereitung noch funktioniert hat".

"Wenig sagen" möchte Dieter Fernow, Trainer des Verbandsliga-Meisters und Regionalliga-Spitzenreiters KV Adler Rauxel, zum deutschen WM-Auftritt. Er findet es aber bemerkenswert, dass Deutschland sich offenbar nicht einmal mehr gegen so genannte C-Nationen wie Spanien oder Ungarn durchsetzen könne.

Aus seinem Team hatten alle Kandidaten für den WM-Titelkampf abgewunken, auch wenn Fernow jetzt sagt: "Drei, vier Spieler hätten schon in die Mannschaft gepasst." Wie etwa Antje Elverich oder "große, schnelle Männer" wie Henning Schmidt, der Top-Korbjäger der letzten U21-EM, und Martin Schwarze.

Vielleicht fehlen ein paar treffsichere Frauen

Christian Michels, früher selbst Nationalspieler und bis zur letzten Saison Trainer des Verbandsligisten HKC Albatros, kann sich unterdessen keinen Reim auf das schlechte Abschneiden der deutschen WM-Equipe machen. "Es fehlen ein paar Leute, vor allem Frauen, die auch mit Weitwürfen treffen können", betonte er. Zudem frage er sich, warum jemand wie sein ehemaliger Spieler Andre Heppner im ersten Spiel acht Körbe erziele und sich dann auf der Ersatzbank wieder finde.

Für die letzte Motivation im Spiel gegen Indien sollten die deutschen Korbjäger übrigens einmal die offizielle WM-Statistik der Internationalen Korfball-Förderation (IKF) anschauen. In dieser Zwischenrangliste, geführt nach der Summe der in allen Partien geworfenen und kassierten Körbe, liegt Deutschland mit 96:83 Treffern immerhin auf Position fünf.

  

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