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Marco Logemann: „Ich bin unwichtig“

hzPSV Bork

Marco Logemann berät den PSV offiziell nur. Aber ist da nicht mehr im Busch? Schließlich ist Logemann auf dem Transfermarkt aktiv und der PSV hat keine Nachfolge für den Sportlichen Leiter.

Bork, Cappenberg

, 19.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Vor zwei Jahren stand Marco Logemann als Sportlicher Leiter bei Grün-Schwarz Cappenberg an der Bande und feuerte seine Mannschaft im Derby gegen den Lokalrivalen PSV Bork an. Logemann, zusammen mit dem ehemaligen GSC-Trainer Patrick Osmolski einer der Architekten des Cappenberger Aufstiegs und des Erfolgs der letzten Jahre, war immer einer der lautesten Zuschauer in Derbys gegen den PSV. Knapp zehn Monate nach seinem Abschied von den Grün-Schwarzen ist es ausgerechnet Logemann, der die vor dem Abstieg stehenden Borker wieder aufrichten und mit seinem Know-how in eine bessere Zukunft führen soll.

Marco Logemann: „Ich bin unwichtig“

Tobias Böcker © Patrick Fleckmann

„Wir brauchten Energie von außen. Jemanden, der uns mit Netzwerk und Ideen begleitet“
Tobias Böcker, Kassierer PSV Bork

PSV Bork suchte jemanden mit einem Netzwerk

Als der PSV vor zwei Wochen den neuen Trainer André Kracker im Vereinsheim vorgestellt hatte, hatte nicht etwa der noch bestehende oder der designierte Vorstand geschweige denn Sportchef Jochen Glischinski eingeladen, sondern Logemann selbst war am Telefon.

Beim gleichen Termin stellte der PSV Logemann auch offiziell als Berater des Vereins vor. „Wir brauchten Energie von außen. Jemanden, der uns mit Netzwerk und Ideen begleitet“, sagte Tobias Böcker, Kassierer und Spieler der ersten Mannschaft.

Das Modell „externer Berater“ nimmt im Fußball augenscheinlich an Popularität zu. Bereits beim Landesligisten Werner SC läuft fast kein Transfer nicht über den Schreibtisch von Ex-Trainer Kurtulus Öztürk, der dem WSC hinter den Kulissen hilft, wie es heißt, ohne ein Amt offiziell zu bekleiden. Als „Matthias Sammer vom PSV“ bezeichnete Böcker die neue Personalie Marco Logemann in Anspielung auf den Berater von Borussia Dortmund scherzhaft.

Logemann zapft sein Netzwerk an

Die Runde hatte dieser Begriff schon in den letzten Wochen gemacht. Denn Logemanns Aktivitäten, die der Verein öffentlich noch weitestgehend geheim zu halten versuchte, blieben nicht ganz im Verborgenen. Wer sein Netzwerk anzapft, wirbelt schließlich Staub auf. Ganz geräuschlos funktioniert das nie. Und so geisterte der Name Logemann schon vor dem Derby vor drei Wochen an der Waltroper Straße umher.

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Einen offiziellen Posten hat „Loge“, wie man ihn in der Fußballszene nennt, beim PSV (noch) nicht. Die Position des Sportlichen Leiters wird nach dem angekündigten Rücktritt von Jochen Glischinski vorerst unbesetzt bleiben, wie Böcker und Geschäftsführer Dietmar De Sacco bestätigten. Aber: „Das Amt mehr ausschmücken als Loge in den letzten Tagen, da hilft auch der Titel nicht“, so Böcker.

Marco Logemann: „Ich bin unwichtig“

Marco Logemann (r.) und Tobias Böcker kennen sich noch aus ihrer gemeinsamen Zeit bei GS Cappenberg. Böcker war unter Logemann mehrere Jahre Spieler. © Sebastian Reith

Er erklärte, dass der PSV Logemann angesprochen habe, ob er dem Vorstand helfen kann. „Er hat uns gesagt, dass er nicht weiß, ob er leisten kann, was ein Sportlicher Leiter aus seiner Sicht leisten muss, aber er ist beratend tätig“, sagte Böcker. Marco Logemann, der in grüner Jacke am Tisch im Borker Vereinsheim saß, bestätigte: „Ich bin beruflich stark eingespannt und bereise mit meinem Sohn die Sportplätze. Der zukünftige Vorstand hat mich zum Meeting eingeladen, wie ich die sportliche Lage beurteile.“

Marco Logemann war maßgeblich an der Trainerverpflichtung beteiligt

„Ich habe zugesagt, dass ich mich schlau mache und meine Netzwerke spielen lasse“, sagte Logemann. Dass der PSV André Kracker als neuen Cheftrainer an Land gezogen hat, ging maßgeblich auf Logemanns Konto. „Nach zweieinhalb Wochen haben wir aus einer Vielzahl an Kandidaten André ausgewählt, weil er zu unserer Vision passt“, sagte Logemann.

„Wir“, „unser“ – Logemann benutzt schon auffallend vertrautes Vokabular, mit dem er den Verein nach außen repräsentiert und sich als Teil des Teams sehen darf. Und auch sonst findet er nur lobende Worte: „Der Verein ist top aufgestellt, hat einen Altherrenbereich, einen guten Damenbereich und eine durchgängige Jugend. Der Verein ist im Kern gesund und wirtschaftet sauber. Die Kommunikation ist sehr harmonisch“, sagte er. Er habe schon schlimmere Situationen bei Vereinen vorgefunden als die beim PSV.

Marco Logemann gibt dem Verein keine Schuld für die Misere

Dass das Aushängeschild, die erste Mannschaft, sportlich so abgerutscht ist, dafür könne der Verein nichts. Ihm tue der Verein leid: „Das hat er nicht verdient.“ Logemann zeigte auf das Meisterbild an der Wand im Borker Vereinsheim, das vor zwei Jahren entstanden ist, als der PSV so dicht vor der Bezirksliga stand – und dann nach dem Scheitern die Mannschaft auseinanderbrach. „Wenn trotz Zusagen viele Spieler zum 1. Juli Alzheimer bekommen…“, sagte er.

Marco Logemann: „Ich bin unwichtig“

2016/17 war der PSV Bork unter Trainer Ingo Grodowski (l.) Meister der Kreisliga A. Das Bild zeigt die Präsentation der Mannschaft nach dem 1. Juli. © Sebastian Reith

Und dann fiel irgendwann der Satz des Abends: „Ich bin unwichtig“, sagte Logemann, „der Verein ist wichtig.“ Schließlich sei er nur im Hintergrund tätig, die Hauptakteure seien andere. „Klar ist, dass wir auf die Strahlkraft des Namens Marco Logemann und seine Art zurückgegriffen haben, aber ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, dass er den PSV wie den Phönix aus der Asche wieder in die Erfolgsspur zurückbringt. Wir haben uns sicherlich Kontakte und Netzwerk eingefangen, aber wir als PSV sind gut aufgestellt“, sagte Böcker. Logemann war auch in die Transfers von Christian Voßschmidt und Daniel Rosengart involviert, die der Verein vergangene Woche vorgestellt hatte. Weitere sollen folgen.

Marco Logemann: „Ich bin unwichtig“

Marco Logemann © Sebastian Reith

„Ich bin unwichtig“
Marco Logemann, externer Berater PSV Bork

Ganz so unwichtig, wie alle tun, ist Logemann also wohl offenbar nicht. Dagegen, dass Logemann dem PSV nur kurzfristig helfen könnte, spricht auch, dass er dem Verein bereits ein Zwei-Jahres-Konzept vorgestellt hat, „wie das hier die nächsten zwei Jahre laufen könnte, selbst bei einem Abstieg in die B-Liga.“

Früher beim Ortsrivalen, heute beim PSV

Doch wie passt es zusammen, dass Logemann nach einem Jahrzehnt in Cappenberg für den Rivalen Bork arbeitet. „Das ist mit alter Verbundenheit zu erklären. Ich habe früher selber für drei Jahre mein Zelt beim PSV aufgeschlagen. Da ging es dem Verein auch schon mal nicht so gut in der B-Liga. Der Verein war mir sicherlich immer sympathisch, auch wenn ich an der Seitenlinie bei Cappenberg mitgefiebert habe, weil ich halt positiv bekloppt bin. Ich lebe Fußball halt und gebe alles für die Mannschaft, für die ich unterwegs bin. Klar war ich Sportlicher Leiter bei Cappenberg und habe dort die Interessen vertreten und mit Feuereifer meine Vision verfolgt“, sagte Logemann.

Marco Logemann: „Ich bin unwichtig“

Marco Logemann (2.v.l.) übernahm beim A-Ligist GS Cappenberg die Neuvorstellungen: Vor drei Jahren auf diesem Bild (v.l.n.r.): Gerd Appel (Geschäftsführer), Marco Logemann (Sportlicher Leiter), Sebastian Drews, Fabian Holtze, Etienne Naffin, Jannis Drees, Markus Brzenska und Patrick Osmolski. © Teri Herrero

Borks Vereinschef Bodo Hicking warb dafür, „über den Tellerrand hinauszuschauen.“ Rivalität zwischen den Vereinen gebe es sicherlich auf dem Feld, aber der Kontakt zu Cappenberg sei immer harmonisch gewesen: „Wenn das Spiel zu Ende war, hat man ein Bier zusammen getrunken.“

GS Cappenberg wünscht sich keine Abwerbeversuche

Und wie reagiert der Ex-Verein? Thorsten Garber, Präsident von Grün-Schwarz Cappenberg, sagte, dass Marco Logemann „eine besondere Verantwortung seinem eigenen Werk gegenüber“ habe. „Jeder ist frei, eine neue Aufgabe anzugehen, aber ich würde reagieren, wenn er bei uns wildert und mit ihm ein ernstes Wort sprechen. Er hat in Cappenberg etwas aufgebaut, ist damals als Spieler aufgestanden und hat den Verein nachhaltig gestärkt“, sagte Garber. Logemann sei als ein engagierter Sportchef aufgetreten - und Garber vertraue ihm.

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