Marco Logemann verlässt den PSV Bork: „Bin eigentlich keiner, der mitten im Projekt abbricht“

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Das Projekt PSV Bork muss Marco Logemann frühzeitig beenden. Im Interview hat er darüber gesprochen, wie es beim PSV nun weitergehen muss und welcher Abschied ihm schwerer fiel, der aus Bork oder der aus Cappenberg.

von Carl Brose

Bork

, 01.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Marco Logemann verlässt den Fußball-B-Ligisten PSV Bork wieder. Zum Anfang der Saison sollte er dem Verein im Hintergrund als externer Berater zur Seite stehen. Als dann ein Trainer gesucht wurde, übernahm er als Gefallen den Posten an der Seitenlinie. Beim PSV leitete er gemeinsam mit der Vereinsführung einen Umbruch ein, den er nun aber aus beruflichen Gründen nicht selber abschließen kann. Wir haben mit Logemann über das noch nicht abgeschlossene Projekt in Bork und seine Pläne für die Zukunft gesprochen.

Nach vielen Jahren als Sportlicher Leiter und Co-Trainer waren Sie beim PSV Bork zum ersten Mal selber Cheftrainer. Wie blicken Sie zurück auf Ihre erste Amtszeit?

Ich bin zu dem Trainerjob gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich war das nie großartig meine Intention. Zum Anfang der Saison war ich eigentlich nur im Hintergrund in beratender Funktion tätig. Die Situation hat es dann aber ergeben, dass ich die Arbeit des Trainers übernommen habe. Zurückblickend war das eine sehr, sehr gute Erfahrung, die mir tierisch viel Spaß gemacht hat. Ich hätte das ganze Thema auch gerne bis zum Saisonende durchgezogen mit der Mannschaft, weil wir auf einem guten Weg waren. Leider kam dann der berufliche Umstand dazwischen, sodass ich dann zum Saisonende den Posten hätte abgeben müssen.

Was hat Ihnen besser gefallen, der Job im Hintergrund oder die Rolle als Trainer direkt am Spielfeldrand?

Die beiden Aufgaben sind komplett unterschiedlich. Als Sportlicher Leiter arbeitet man viel im Hintergrund und baut sich ein Netzwerk auf. Dazu liebe ich es aber auch, das Fußballspiel live zu erleben, mit seinen Höhen und Tiefen. Was Fußball angeht, bin ich schon sehr emotional geprägt. Deswegen war ich in Cappenberg als Sportlicher Leiter auch lange Zeit als Co-Trainer an der Seitenlinie unterwegs. Es macht beides Spaß, weil auch beides berufliche Parallelen mit sich bringt für mich.

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Zuletzt ist beim PSV Bork wieder Ruhe eingekehrt und auch sportlich schien die Mannschaft auf einem guten Weg. Das Projekt war gerade erst angelaufen. Wie schwer fällt es Ihnen, das Ganze dann schon frühzeitig zu beenden?

Ich bin eigentlich keiner, der ein Projekt anfängt und dann mitten im Projekt abbricht. Das hat man auch in Cappenberg gesehen, wo ich letztendlich eine feste Vision hatte und diese in zehn Jahren umgesetzt habe. In Bork hatte ich ähnliche Vorstellungen, was leider jetzt beruflich und privat nicht kompatibel war. Ich mache auch nur Dinge, die ich zu 100 Prozent durchziehen kann, deswegen tut es jetzt schon ein stückweit weh. Denn wir waren gerade in diesem Umstrukturierungsprozess drin und der Weg ist mit Sicherheit noch nicht zu Ende.

Wie muss es in Bork Ihrer Ansicht nach nun weitergehen, damit dieser Prozess abgeschlossen werden kann?

Mittlerweile hat man dort innerhalb der Mannschaft komplett umstrukturiert, so dass man vom Personal her eine saubere Basis hat. Von der Qualität her hat man in der kommenden Saison mit Sicherheit noch nicht den Anspruch, dass man direkt aufsteigt. Das ganze Thema muss weiter von Jahr zu Jahr angegangen werden. Mit einer guten Jugendarbeit im Hintergrund und einem breit aufgestellten Vorstand, wo die Leute mit viel Fingerspitzengefühl agieren, um die nächsten Schritte zu machen. Es muss auch auf der Trainerposition eine längerfristige Kontinuität nun reinkommen. Ich sehe den Verein und das Trainerteam auf einem sehr guten Weg.

Sind Sie denn damit zufrieden, wie Sie die Mannschaft jetzt ihren Nachfolgern übergeben?

Mein Ziel war es von vornherein nicht, dass wir in der Tabelle hochrutschen. Sondern ich wollte Ruhe reinbringen und die Situation stabilisieren, damit die Leute sich wohl fühlen und gerne zum Training kommen. Das ist mir gelungen. Meine Meinung nach haben wir auch sportlich eine positive Entwicklung eingenommen. Dazu hatten wir eine gute Trainingsbeteiligung. Das zeugt davon, dass wir jetzt zum Schluss einen positiven Spirit in der Truppe hatten.

Was fiel Ihnen schwerer: Der Abschied aus Bork oder der Abschied aus Cappenberg, wo Sie viele Jahre als Sportlicher Leiter und Co-Trainer aktiv waren?

Das ist schon eine extrem schwierige Frage. Wenn ich aber ehrlich bin, dann schon eher der Abgang aus Cappenberg. Denn in Cappenberg habe ich angefangen nach dem Abstieg in die Kreisliga B. Ich war damals noch als Torwart aktiv und habe dann ein Jahr später die Rolle als Sportlicher Leiter übernommen. Ich habe damals 18 neue Leute geholt und eine komplett neue Mannschaft aufgebaut ohne einen einzigen Euro in der Tasche. Zusammen mit anderen Personen haben wir dann den Verein zu dem geformt, was er heute ist. Eine sehr junge Mannschaft, mit vielen Spieler aus dem nahen Umfeld, die im oberen Tabellendrittel der Kreisliga A ohne einen einzigen Euro Fußball spielt. Das ist, glaube ich, mittlerweile schon eine Seltenheit. In Bork bin ich erst zu der vergangenen Saison als externer Berater hinzugekommen. Deswegen kann man die Situation mit der in Cappenberg nicht wirklich vergleichen.

Werden wir Sie dann in Zukunft noch einmal in einer aktiven Funktion im Seniorenbereich wiedersehen?

Ich kann mir eine Rolle als Trainer oder Sportlicher Leiter schon irgendwann wieder vorstellen. Dann aber zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich Familie, Beruf und Fußball in Einklang bringen kann. Ganz fußballlos wird es für mich sowieso nicht. Ich werde meinen Sohn weiterhin bei Westfalia Wethmar begleiten. Ich gehe davon aus, dass ich auch weiterhin zwei- bis dreimal pro Woche auf dem Sportplatz sein werde, aber in einer anderen Funktion. Ich werde dann eher als Torwarttrainer meinen Sohn unterstützen. Im Seniorenbereich werde ich erstmal weniger aktiv sein. Wenn es die Zeit dann aber zulässt und der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann werde ich aber auch da wieder was machen. Denn ohne Fußball kann ich nicht, das geht nicht. Nach einer gewissen Zeit juckt es dann einfach in den Füßen, um wieder Richtung Sportplatz zu gehen und dort wieder Verantwortung zu übernehmen.

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