PSV Bork steigt nach 18 Jahren aus der Kreisliga A ab

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Die 1:4-Niederlage in Bausenhagen besiegelt Borks Abstieg. Auch weil die Schützenhilfe aus Cappenberg ausbleibt. PSV-Trainer Markus Kuhn kritisiert auch den Trainingsfleiß.

Bork

, 26.05.2019, 20:20 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Gesichter sprachen alle dieselbe Sprache: Borks Mittelfeldspieler Darius Brüggemann zog sich das Trikot bis hoch über die Stirn. Er wollte sich nicht mit einem Abstieg in Richtung SuS Olfen verabschieden. Innenverteidiger Marian Kuhn, der ausgerechnet zu Grün-Schwarz Cappenberg wechseln wird – zu dem Ortsnachbarn, der dem PSV nicht mehr die nötige Schützenhilfe im Fernduell mit Niederaden geleistet hatte – saß geknickt am Mittelkreis. Wohin man auch blickte: Leere. Sanmi Ojo, der 36-jährige Altherren-Mittelfeldspieler, der noch zu Borks Besten gehörte, interessierte sich dafür, ob in Niederaden schon Schluss ist. Beim PSV war man informiert über den späten Führungstreffer zum 3:2 des Kontrahenten gegen Cappenberg. Weil in Niederaden die Partie etwas später angepfiffen wurde und der Schiedsrichter länger nachspielen ließ, dauerte es minutenlang, bis der PSV Bork die bittere Gewissheit hatte, nach 14 Jahren aus der Fußball-Kreisliga A abgestiegen zu sein. Borks letzter Abstieg stammt aus dem Jahr 2001. Es dauerte damals vier Jahre, bis der PSV wiederkam.

Enttäuschter Markus Kuhn

Trainer Markus Kuhn stellte sich nach Spielschluss den Fragen. „Es ist die totale Enttäuschung. Wir haben es selbst in der Hand gehabt – und dann hast du es nicht geschafft. Natürlich hofft man, dass Cappenberg noch etwas macht. Aber man sieht ja, was am letzten Spieltag alles möglich ist. Ich mache den Cappenbergern auch keinen Vorwurf. Das müssen wir ganz alleine verantworten. Wir durften auch gar nicht auf die anderen Plätze gucken“, sagte Kuhn.

Borks Trainer nahm auch kein Blatt vor den Mund: „Über die gesamte Saison hinweg ist es verdient. Niederaden hat sich noch einmal herangekämpft und wir haben es nicht geschafft, diesen Abstand zu vergrößern. Da muss man klar sagen, dass es ein verdienter Abstieg war“, erklärte Kuhn.

PSV Bork steigt nach 18 Jahren aus der Kreisliga A ab

Nach diesem Einsteigen von Darius Brüggemann gegen Andreas Meng zeigte der Unparteiische auf den Punkt. © art

Sebastian Kramzik gelingt Borks einziges Tor des Tages

Zwischenzeitlich sah ja alles danach aus, als wenn der PSV sein Relegationsspiel bekommt. Nach Lars Raffenbergs sicher verwandeltem Foulelfmeter hatte Sebastian Kramzik die passende Antwort auf dem Fuß. In Rückenlage und mit ganz langem Bein gab er zwei Minuten später einen Schuss von der Strafraumkante ab – der Ball senkte sich unhaltbar ins Tor. Riesenjubel beim PSV, zumal Niederaden auch nicht führte und sogar einem Blitztreffer durch Abiola Farinde (1.) hinterhergelaufen war. Alle liefen zu Kramzik, beglückwünschten sich, klatschten sich ab. Überhaupt lief offensiv fast alles über den ballgewandten und torgeilen Stürmer, der in dieser Saison mehr Ausfall- als Spielzeiten hatte. Immer wieder suchten Borks Spieler Kramzik – ob mit hohen oder flachen Anspielen. Kramzik war Borks gefährlichster Motor an diesem Tag, dem – um im Bild zu bleiben – irgendwann der Sprit ausging.

PSV Bork steigt nach 18 Jahren aus der Kreisliga A ab

Kurz nach dem 0:1 erzielte Sebastian Kramzik (r.) den Ausgleich. © Sebastian Reith

PSV Bork bricht nach einer Stunde ein

Als nach etwas mehr als einer Stunde Bausenhagens Führungstor fiel und Fabian Holtze Cappenbergs Ausgleich in Niederaden erzielt hatte, wirkte Bork irgendwie platt. Spätestens mit dem 3:1 wenige Minuten später war Bork gebrochen und das Zittern begann. Dass das Tor Abseits war und nicht hätte zählen dürfen, war am Ende nicht mehr ausschlaggebend. Bausenhagen kam zu Abschlüssen im Minutentakt. Borks Entlastungsangriffe entsprangen Brechstangenfußball. Doch noch war nichts verloren, weil Cappenberg das Remis hielt.

Kuhn erklärte: „Es ist bei vielen auch ein Konditionsproblem. Ich habe im Training vieles gesehen. Und es kommt ja nicht von ungefähr, dass wir meistens ab der 60. Minute keine Kraft mehr haben. So kannst du nicht in der Kreisliga A bestehen“, sagte er. Einen Vorwurf, dass die Mannschaft nicht wollte, mache er ihr nicht. „Aber die Mittel sind einfach nicht da. Die Spritzigkeit und Fitness haben wir nicht, so ein Spiel noch zu drehen“, sagte er und bestätigte, dass ein Faktor des Abstiegs neben Ausfällen die Trainingsbeteiligung gewesen ist. „Einer, der jetzt zurückgekommen ist, ist Kramzik. Er macht das Tor und kämpft. Aber die Ausfälle waren einfach ein Knackpunkt. Das waren Leute, die immer beim Training waren und das Gerüst gestellt haben. Das ist schwer aufzufangen“, sagte Kuhn.

PSV Bork steigt nach 18 Jahren aus der Kreisliga A ab

Markus Kuhn in einer Verletzungsunterbrechung mit Kapitän Sebastian Kramzik © Sebastian Reith

Der neue Vereinschef Marcel Michl nahm den Abstieg sportlich. „Es ist sehr schade, dass wir den kleinen Vorsprung nicht verteidigt haben, um uns in das Relegationsspiel zu retten – und so die Saison zu retten. Wir haben jetzt Klarheit, auch wenn die nicht schön ist“, sagte Michl. Auch er hatte konditionelle Defizite festgestellt. „Man hat gemerkt, dass nach dem 1:2 die Luft raus war. Jetzt müssen wir die Uhren zurückstellen und auf die neue Saison blicken.“

Markus Kuhn will es nicht glauben

Doch für Markus Kuhn, der kommende Saison bekanntlich wieder die Bezirksliga-Damenmannschaften trainiert, wird der Abstiegs wohl nur schwer zu verdauen sein. „Ich hatte fest mit der Relegation gerechnet, weil wir Donnerstag beim Training mal wieder 13 Mann waren. Ich muss es erstmal verpacken. Es ist auch mein erster Abstieg. Das war schon eine harte Geschichte in diesem Jahr“, sagte Kuhn, „aber das ist im Sport nunmal so. Es gibt Verlierer und Sieger. Und wir sind diesmal der Verlierer. Rechnen konnte man damit, aber man will es nicht so wirklich wahrhaben.“

Zehn Minuten vor dem Ende schoss Daniel Marona dann das alles entscheidende Tor, das Bork in die B-Liga beförderte. Gegen gleich drei GSC-Verteidiger behauptete sich der zierliche Niederadener Angreifer, bis er alleine vor Philipp Grenigloh auftauchte – und dem Torwart dieses Mal keine Abwehrchance ließ. Das 3:2 für den TuS ging in lautstarkem Jubel unter.

Niederaden zittert sich in die Relegation

Als die Spielzeit in Niederaden die 90 Minuten überschritten hatte, war der ganze Rasenplatz an der Kreisstraße in Stille gehüllt. Denn genau jetzt kamen die Grün-Schwarzen zu ihren besten Chancen des Spiels. Kopfball Cappenberg, Torwart Benjamin Gillner parierte. Dann tauchte Holtze im Strafraum auf, zog ab – und die Querlatte hielt Niederaden in der Relegation. „Klar ist es für uns nicht schön, dass uns ein Derby wegfällt. Wir haben versucht, das Spiel zu gewinnen. Für alles andere können wir nicht mehr viel für“, verteidigte sich Cappenbergs Trainer Pascal Harder.

Für Bork beginnt eine neue Ära – ohne A-Liga-Fußball am Kunstrasenplatz an der Waltroper Straße.

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