Salut-Jubel findet Nachahmer - Verband kündigt „Null-Toleranz-Politik“ an

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Die türkische Nationalmannschaft sorgte mit ihrem Salut-Jubel für Aufregung. Nun fanden sich in den Amateurligen Nachahmer der Geste. Der FLVW kündigt ein strenges Durchgreifen an.

von Carl Brose

Selm

, 17.10.2019, 10:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Fußball auf Politik trifft und andersrum, entsteht schnell ein leicht reizbares Spannungsfeld. So war es auch in den vergangenen Tagen zu beobachten, als die umstrittene türkische Militäroffensive gegen die kurdische Miliz YPG in Nordsyrien auf einmal auch Thema auf den Fußballplätzen geworden ist. Aufgekommen war die Problematik, nachdem die türkische Nationalmannschaft in den vergangenen Länderspielen ihre Tore wiederholt mit einem Salut-Jubel feierte. Mit dem Militärgruß sorgte die türkische Mannschaft europaweit für Aufregung und Diskussionen.

Am vergangenen Wochenende fand die Geste nun auch Nachahmer im Amateurfußball, wie der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen in einer Pressemitteilung verkündete (FLVW). So berichtete der WDR von Vorfällen aus dem Kreis Recklinghausen bei den Vereinen SG Hillen, Genclikspor Recklinghausen und der zweiten Mannschaft von der DTSG Herten. Aktuell wird in diesen Fällen noch ermittelt. Das Strafmaß reiche von einer Verwarnung bis zu einem Ausschluss auf Zeit.

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Recklinghausens Kreischef Hans-Otto Matthey sagte am Dienstag in einem Gespräch mit der Redaktion: „Wir werden hart durchgreifen und das nicht dulden. Politische Demonstrationen wie das Salutieren für einen Kriegstreiber sind untersagt!“ Auch die Recklinghäuser Zeitung berichtete darüber ausführlich.

Salut-Jubel findet Nachahmer - Verband kündigt „Null-Toleranz-Politik“ an

Kreisvorsitzender Hans-Otto Matthey steht auf dem Sportplatz von Genclikspor Recklinghausen. Der Kreis Recklinghausen hat ein Sportgerichtsverfahren gegen drei Fussballvereine eingeleitet. Spieler haben am Wochenende den umstrittenen Militärgruß gezeigt. © dpa

Verhalten verstößt gegen Werte und Grundsätze

Der FLVW kündigte an, mit einer „Null-Toleranz-Politik“ gegen den Militärgruß vorzugehen. „Der Fußball lässt sich weder für Provokation noch für Diskriminierung missbrauchen“, so Vizepräsident Manfred Schiebers. Das Verhalten verstoße gegen die Werte und Grundsätze des Verbandes, denen er sich in der Verbandssatzung verschrieben habe, heißt es weiter in der Mitteilung.

In den anderen Fußballkreisen aus der Region kam es am vergangenen Spieltag aber zu keinen bekannten Vorfällen dieser Art. „Es ist definitiv ein sensibles Thema, bei dem womöglich auch einigen die genauen Hintergründe nicht ganz klar sind. Aber bei uns ist das aktuell kein offenkundiges Problem“, sagte der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses des Kreis Dortmund Markus Schanz.

„Problem für UEFA und Bundesliga“

Im Kreis Ahaus/Coesfeld möchte Kreisvorsitzender Willy Westphal die Schiedsrichter für das Thema sensibilisieren. „Wir werden das auf der kommenden Kreisvorstandssitzung thematisieren und an Schulungsabenden unsere Schiedsrichter in Zukunft darauf aufmerksam machen“, so Westphal. Ein ganz großes Problem sieht er aber nicht auf seinen Kreis zukommen: „Wir haben nur wenige Mannschaften im Kreis mit entsprechenden Hintergrund und bei denen habe ich keine Bedenken. Ich denke, es ist eher ein Problem für die UEFA und die Bundesliga als für uns.“ Falls es aber doch zu Salut-Jubeln kommen sollte, werde der Kreis mit „aller Schärfe dagegen vorgehen“.

Laut Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes sind Geldbußen und Sperren bis hin zu Punktabzügen denkbar. „Wir lassen uns nicht auf der Nase rumtanzen und von Minderheiten kaputtmachen“, sagte Matthey der Deutschen Presseagentur. Die Fälle werden nun vor dem höchsten Verbandssportgericht verhandelt.

Muharrem Gürbüz, Geschäftsführer von Genclikspor Recklinghausen, hat in der „Recklinghäuser Zeitung“ Stellung bezogen. „Die Aktion war einfach eine Gedankenlosigkeit, niemand wollte damit provozieren. Ich weiß nicht, ob jetzt so ein Fass aufgemacht werden muss, nur weil einige sich dumm verhalten“, zitiert das Blatt den Funktionär.

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