Selmer Kickbox-Weltmeister im Leerlauf: „Wie ein Zug, der auf einmal abstoppt“

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Normalerweise bestimmt der Wettkampfsport das Leben von Al Amin Rmadan. Momentan herrscht für ihn da aber wegen der Corona-Krise Stillstand. Für den Kickboxer eine schwierige Situation.

von Carl Brose

Selm

, 13.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wäre Al Amin Rmadan gerade im Trainingslager in Slowenien, um sich auf den Kickboxing World Cup in Ungarn am kommenden Wochenende vorzubereiten. Wegen der Corona-Krise wurde dieser, wie auch viele andere Turniere, allerdings abgesagt und anstatt sich mit den besten Kickboxern Europas zu messen, muss Rmadan sich im heimischen Garten fit halten. Das Sportleben des Selmers wurde in den vergangenen zwei Monaten ziemlich durcheinandergebracht. „Es ist, als ob ein Zug, der die ganze Zeit auf Höchstgeschwindigkeit die Strecke lang rast, auf einmal abstoppt – vom einen auf den anderen Moment. Die ganze Zeit ist der Körper im Hochleistungsmodus und auf einmal kann man nicht mehr trainieren“, beschreibt Rmadan die wettbewerbsfreie Zeit.

Eine Phase, in der der 22-Jährige aufpassen muss, dass er nicht aus dem gewohnten Rhythmus kommt. „Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt solange am Stück zu Hause war. Es ist sehr wichtig, im Flow zu bleiben. Nach Corona wird sich dann auch zeigen, wer das geschafft hat“, so Rmadan. Zu seinem Glück steht ihm mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder ein Trainingspartner zu Verfügung, der mit ihm zusammen wohnt und auch seit über 15 Jahren beim Kickboxen aktiv ist.

Fast jeden Tag trainierten die Beiden zuletzt zusammen und kämpften miteinander Sparring. Denn Fitnesstraining alleine würden Rmadan nicht weiterhelfen: „Das Fitnessstudio ist nur Beihilfe. Es hilft beim Muskelaufbau und dabei Stabilität zu holen, damit man fürs Kickboxen ein stärkeres Fundament hat und die Verletzungsgefahr verringert. Das kann ich aber auch relativ problemlos zu Hause machen.“ Dafür hat sich der Selmer mit Geräten und Matten fast ein komplettes Sportstudio im eigenen Garten errichtet. Auch sein Kampfstudio Tan Gun Sports in Brambauer war die vergangenen Wochen geschlossen.

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In den vergangenen Wochen wurden die Turnierabsagen nach und nach verkündet. Europameisterschaft, Deutsche Meisterschaft und große Ranglistenturniere – alles fällt zunächst aus. In dieser Phase gibt es auch etwas Unklarheit bei Rmadan: „Es herrscht ein leichter Druck auf einem, weil man weiß, dass man den Rhythmus nicht verlieren darf. Es ist auch schwierig zu sagen, wo man aktuell steht. Ich kann so viel trainieren wie ich will, ohne einen wirklichen Wettkampf fehlt das Feedback über den eigenen Leistungsstand.“

In diesem Jahr rechne er aber zunächst nicht mehr damit, an einem größeren Wettbewerb teilzunehmen: „Unsere Wettkämpfe werden immer in einem Turniermodus ausgetragen. Dadurch sind automatisch immer viele Leute vor Ort auf einem Fleck. Das macht das Ganze problematisch.“ Als Randsportart habe Kickboxen zudem nicht so eine große Aufmerksamkeit, wie andere Freizeitaktivitäten. „Es gibt jetzt nicht so einen großen Druck aus der Gesellschaft, wenn es ums Kickboxen geht. Deswegen wurden wir in den Diskussionen in den letzten Wochen auch sicherlich etwas vernachlässigt“, so Rmadan.

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Aktuell gebe es Überlegungen aus dem Verband, wenn es möglich ist, zunächst mit regionalen Wettkämpfen wieder einzusteigen und dann beispielsweise kleinere Turniere innerhalb Nordrhein-Westfalens zu veranstalten. Inwiefern das Sinn ergeben würde, ist für Rmadan aber noch fraglich. „Da sind die Leistungsunterschiede einfach sehr groß und wenn ich dann gegen jemanden kämpfe, der eventuell nicht meinem Maßstab entspricht, lasse ich es vielleicht lieber. Dafür wäre die Organisation des Ganzen auch zu aufwendig. Ich brauche eigentlich schon das Niveau aus den anderen Bundesländern oder aus dem Ausland“, so der mehrfache Welt- und Europameister. Bis dahin heißt es für Rmadan zunächst weiter, sich im eigenen Garten auf das kommende Wettkampf-Jahr vorzubereiten.

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