Selmer Schulleiterin misst sich für den guten Zweck mit 77.000 Läufern und einem virtuellen Auto

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Wenn Christine Jücker normalerweise bei Laufevents mitmacht, treibt sie der Gedanke an: „Hoffentlich überholt mich keiner der anderen Teilnehmer.“ Doch beim „Wings for Life Word Run“ musste die Schulleiterin ein wenig umdenken.

Selm, Werne

, 14.05.2020, 12:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Ziellinie, keine anderen Teilnehmer mit auf der Strecke, aber ein Auto ständig im Nacken. Die letzte Laufveranstaltung von Christine Jücker Anfang Mai klingt erstmal ziemlich skurril, doch dahinter steckt der „Wings for Life Word Run“, bei dem rund 77.000 Teilnehmer aus 104 verschiedenen Ländern an den Start gingen. Und das für den guten Zweck, denn die Startgelder und zusätzlichen Spenden fließen in die Rückenmarksforschung.

Das Event ist so konzipiert, dass es nicht darum geht eine bestimmte Strecke in der schnellsten Zeit zu absolvieren, sondern vor einem virtuellen Catcher Car zu flüchten, dass eine halbe Stunde später als die Läufer startet. Und nach und nach alle Teilnehmer einholt. Durch das Coronavirus konnte dieser Lauf zum ersten Mal nicht als Massenveranstaltung auf der ganzen Welt ausgetragen werden, sodass für alle zur gleichen Zeit per App am Handy ein rein virtuelle Startschuss fiel.

Wettkampf auf der Hausrunde

Bevor Jücker aber vor rund zwei Wochen an den Start ging, stand erst einmal die Routenplanung an. Denn jedem Teilnehmer war es komplett selbst überlassen, wo es während des Wettkampfs lang gehen sollte. Neben dem Streckenverlauf spielte aber auch die Länge eine wichtige Rolle. „Anhand einer Tabelle, dem Goal Calculator, konnte ich grob ausrechnen, dass ich bei einem Schnitt von 6 Minuten auf einem Kilometer grob eine 15 Kilometer lange Strecke schaffen könnte, bevor das virtuelle Auto mich überholt“, erklärt Jücker.

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Auf ihrer „Hausrunde“, die sie normalerweise nur für Trainingseinheiten und nicht für Wettkämpfe benutzt, ging es von Werne aus über Capelle und Südkirchen wieder zurück nach Hause. Während des Laufs hatte die Schulleiterin immer einen Stimme im Ohr, die ihr sagte, wie viele Läufer das Auto bereits eingeholt hatte, und wie viele Kilometer sie selbst schon zurückgelegt hatte. Bei einer zweiten Variante konnte man sich auch die ganze Zeit selbst anfeuern lassen, zwar nicht von echten Menschen am Straßenrand aber von einer virtuellen Stimme. Das brauchte Jücker aber gar nicht, um motiviert den Wettkampf zu überstehen.

Mehr Kilometer geschafft als geplant

Im Halbstundentakt wurde das Catcher Car hinter ihr immer schneller. Davon ließ sich Jücker aber nicht beirren und lief weiter und weiter, sogar etwas schneller als vorher angepeilt. Und das obwohl sie zur Zeit eigentlich gar nicht nach Trainingsplan läuft, da sie sich aufgrund des Coronavirus nicht übermäßig körperlich anstrengen will. „Zwei Kilometer von zu Hause entfernt, habe ich gemerkt, dass es doch mehr als 15 Kilometer werden können.“ Und die 51-Jährige sollte recht behalten: Auf der Anzeige standen im ganz persönlichen Ziel, 200 Meter von der Haustür entfernt, 18,59 Kilometer.

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Von ihrer Tochter bekam sie sofort eine Nachricht auf Whatsapp: „Du bist ja wieder zu Hause.“ Diese schnelle Reaktion war nicht verwunderlich, denn jeder konnte während des gesamten Wettkampfes die Teilnehmer live im Internet verfolgen. Am Ende gab es dann wie bei einem realen Laufwettbewerb eine Urkunde zum Ausdrucken. Im lokalen Ranking schaffte Jücker es mit ihrer Strecke auf den 818. Platz, weltweit auf den 2942. Rang. Bei so einem Rennen noch mal mitmachen, steht für die Läuferin definitiv auf dem Plan. „Das war wirklich mal was anderes und echt eine coole Idee.“

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