Durch das neue Regelwerk gibt es jetzt weniger Schlupflöcher für Rotsünder: Strafen können nicht mehr verfallen, da sie nun anders berechnet werden. Doch nicht für alle Wettbewerbe gilt die resultierende Sperre. Wir klären auf.

Selm

, 27.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) hatte im Sommer eine Lücke im Regelwerk geschlossen: Wer eine Rote Karte absitzen muss, kann diese künftig nicht mehr an freien Wochenenden folgenlos abfeiern. Vor dem Saisonstart gibt es hier alle Infos zur neuen Regel.

? Was genau hat der Verband geändert?

Der Verband hat die Sanktionsweise von einer Zeitsperre, nach der Spieler früher wochenweise gesperrt wurden, zu einer Sperre nach Spielzahlen umgestellt. Der Grund: Die Sperren entfalteten früher nicht immer die gewünschte Wirkung. Manchmal waren Mannschaften aufgrund des Spielplans an einem Wochenende spielfrei - dann verpasste ein Spieler ein Spiel weniger als im Strafmaß eigentlich angedacht. Noch drastischer: Wer am Spieltag vor der Winterpause eine Rote Karte kassierte und beispielsweise vier Wochen gesperrt war, verpasste selten ein Pflichtspiel für seine Mannschaft. Damit ist nun Schluss.

? Bezieht sich die Regeländerung auch auf Gelb-Rote Karten?

Ja. Grundlage für die neuen Sperren ist die Rechts- und Verfahrensordnung des WDFV. Hier heißt es: „Wird ein Spieler infolge zweier Verwarnungen im selben Spiel durch Zeigen der Gelb/Roten Karte des Feldes verwiesen, so ist er automatisch für ein Spiel (...) gesperrt.“

? Was ist mit der fünften Gelben Karte?

Der FLVW hat hier in den Durchführungsbestimmungen 2020/21 ergänzend aufgeführt, dass es auch hier jetzt keine zehntägige Sperre mehr gibt, sondern der Spieler für das nächste Meisterschaftsspiel gesperrt ist. Auch diese Lücke ist geschlossen.

? Für welche Wettbewerbe gilt eine Rote Karte?

Das ist vielleicht der komplizierteste Punkt in dem Regelwerk. Denn obwohl ein Spieler eine Rote Karte gesehen hat, kann er für andere Wettbewerbe spielberechtigt sein. Gesperrt ist ein Spieler für den Wettbewerb, in dem die Tat begangen worden ist, und für „ranghöhere Wettbewerbe.“ An rangniedrigeren Wettbewerben darf der Spieler teilnehmen.

? Was hat es mit diesen Rängen auf sich?

Der Verband hat eine Rangfolge der Wettbewerbe festgelegt. Diese lautet: 1. Meisterschaftsspiele, 2. Pokalspiele, 3. Freundschaftsspiele, 4. Turnierspiele.

? Was bedeutet es, wenn ich in der Meisterschaft die Rote Karte gesehen habe?

Der WDFV hat dafür ein ganz einfaches Beispiel konstruiert: Erhält ein Spieler in der zweiten Mannschaft seines Vereins in einem Meisterschaftsspiel eine Rote Karte und wird für drei Spiele gesperrt, ist er so lange für alle Meisterschaftsspiele aller Mannschaften seines Vereins gesperrt, bis die zweite Mannschaft drei Meisterschaftsspiele absolviert hat. Er darf aber in den rangniedrigeren Wettbewerben, also Pokal-, Freundschafts- und Turnierspielen eingesetzt werden.

? Und wenn ich im Pokal eine Rote Karte sehe?

Dann gilt wieder: Für denselben Wettbewerb und ranghöhere Wettbewerbe ist der Spieler gesperrt, also für Meisterschaftsspiele und Pokalspiele. Kurios ist daran: Wer in der Meisterschaft Rot sieht, darf im Pokal spielen. Wer im Pokal Rot sieht, muss auch in der Meisterschaft zugucken. Bei einer Roten Karte, die ein Fußballer im Freundschaftsspiel sieht, gilt das gleiche Prinzip. Die Sperre bezieht sich auf Freundschaftsspiele, Pokalspiele und Meisterschaftsspiele - bis der Spieler drei Mal zugucken musste. Bei Turnieren dürfte er spielen.

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? Was passiert, wenn ein Spiel abgebrochen wird?

Abgebrochene Spiele zählen als verbüßt, ausgefallene Spiele nicht. Sperrstrafen aus zwei verschiedenen Wettbewerben werden in der Reihenfolge der zugrundeliegenden Vergehen nacheinander abgeleistet, heißt es im Regelwerk.

? Gibt es damit gar keine Zeitstrafen mehr?

Nein, Zeitstrafen sind nach wie vor möglich. Es heißt: „Rechtsorgane können auch Zeitsperren nach Monaten und Jahren aussprechen. Diese gelten für jeglichen Spielverkehr.“ Das wird aber nicht die Regel sein, sondern nur bei schweren Vergehen angewandt. Bei Attacken auf Schiedsrichter sind beispielsweise immer noch ein Jahr Mindestsperre ausgewiesen.

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? Wie lange wird man gesperrt?

Die Rechts- und Verfahrensordnung enthält einen Katalog mit dem Strafmaß und dazugehören Vergehen. Die automatische Sperre liegt nun bei zwei Spielen.

  • Unsportliches Verhalten: 2 bis 12 Spiele, in minderschwerem Fall 1 Spiel
  • Grobe Unsportlichkeit: 4 bis 24 Spiele
  • Rohes Spiel: 4 bis 24 Spielen
  • Beleidigung oder Bedrohung der Schiedsrichter: 4 bis 24 Spiele
  • Schuldhaftes Spielen ohne Spielberechtigung: 4 Spiele
  • Nichtantreten zu einem Auswahlspiel oder -lehrgang: 4 Spiele
  • Tätlichkeit: 6 bis 72 Spiele, in besonders schweren Fällen ist auch eine Sperre bis zu acht Jahren möglich, in minderschwerem Fall kann ein Sportgericht die Sperre auf die Hälfte oder mindestens zwei Spiele bei beiden Milderungsgründen verringern

? Welche Sonderregeln gibt es weiterhin?

Eine Sperre, die wegen eines Feldverweises in einem Pokalspiel auf Verbandsebene oder in einem Freundschaftsspiel erfolgt ist, bleibt für die Einsatzberechtigung in Bundesspielen ohne Wirkung, damit ist auch der DFB-Pokal gemeint. Außerdem gibt es zusätzliche Sonderregeln für die Regionalliga, die Sperren bei fünf Gelben Karten und eine Sperre bei Ampelkarten auch für Einsätze Tochtergesellschaften vorsehen.

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