Ein blasses Bild aus alten Tagen: Die Meistermannschaft des BV Königsborn aus der Saison 1970/71 - dem Verein, aus dem später der Königsborner SV aufging. © Privat
Vor 50 Jahren

BV Königsborn feiert vor 10.000 Zuschauern den Aufstieg in die dritte Liga

Auf den Tag genau 50 Jahre ist es her, dass der BV Königsborn in die dritthöchste Liga aufgestiegen ist. Vor einer irren Kulisse in Hamm bezwang das Team den Soester Nachbarn - im zweiten Anlauf.

Es gibt Dinge im Leben, da wird der Begriff Legende gern einmal strapaziert. Immerhin: Legendär waren sie aber schon, die Spiele des BV Königsborn und des Soester SV in der Spielzeit 1970/71 der Fußball-Landesliga 5. Daran werden sich viele ältere sportliche Zeitgenossen sicher auch noch nach einem halben Jahrhundert gut erinnern.

Sportlicher Höhepunkt aus BVK-Sicht war sicherlich der 2. Juni 1971. An diesem Tag – also heute vor genau 50 Jahren, feierten die Kicker des damaligen BV Königsborn mit dem 3:0-Sieg gegen den Soester SV den Aufstieg in die Verbandsliga, den größten Triumph in der Vereinsgeschichte. Immerhin war diese Liga einst nach der Bundesliga und der Regionalliga die dritthöchste Spielklasse.

Zuvor entwickelte sich in der bereits erwähnten Saison 1970/71 in der Landesliga 5 ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Soester SV und eben dem BVK um die Meisterschaft. In der regulären Meisterschaftsrunde trennten sich beide Teams im Hinspiel am Bahndamm 1:1-Unentschieden. Im Rückspiel behielten die Unnaer nach einer Galavorstellung an der Arnsberger Straße in Soest mit einem 4:0-Sieg die Oberhand, übernahmen damit erstmals die Tabellenführung in der Liga.

Erstes Entscheidungsspiel bei Tropenhitze endet 3:3-Unentschieden

Dennoch: Am Saisonende standen beide Teams mit 43:17 Zählern punktgleich an der Tabellenspitze, wobei damals noch die Zwei-Punkte-Regelung galt. Auch das Torverhältnis spielte anders als heute keine Rolle, sodass ein Entscheidungsspiel der beiden Kontrahenten an neutraler Stelle notwendig wurde. Diese Partie endete am 23. Mai nach Verlängerung vor 10.000 Zuschauern im Hammer Jahnstadion 3:3-Unentschieden, sodass zehn Tage später eine Neuauflage an gleicher Stelle anhängig war. Eine Zuschauerzahl, die heute im Amateur-Fußballbereich eigentlich nicht mehr denkbar ist.

Sechs Protagonisten aus der BVK-Meistermannschaft von 1971: v. li. Heinz-Jürgen Albert, Harald Raack, Klaus Kater, Helmut Struwe, Heiko Dropp und Peter Höhno. © Hahn © Hahn

Die erste Partie, die über 120 Minuten verlief, war an Dramatik nicht zu überbieten – und das bei tropischer Hitze. Dabei lief es in den ersten 45 Minuten recht gut für die Unnaer, die durch einen Treffer von Harald Raack mit 1:0 führten. Nach dem Wiederanpfiff kam dann die beste Zeit der Soester, die ihrerseits durch Tore von Peter Westen und Ulrich Nübel den Spieß zur eigenen 2:1-Führung umdrehten. Erneut Harald Raack sorgte dann dafür, dass dieses mitreißende Match verlängert werden musste.

Als „Manna“ Lappe die Bördestädter (111.) dann gar mit 3:2 in Front schoss, sah es nach einem Sieg der Elf aus der Nachbar-Kreisstadt aus. Königsborns „Heinzi“ Albert legte mit seinem Tor zum 3:3 jedoch sein Veto ein, sodass nach den damaligen Regularien folgerichtig ein zweites Entscheidungsspiel fällig wurde.

Heiko Droop: „Unser Coach hat uns im Training immer alles abverlangt“

„Wir waren im ersten Spiel das bessere Team“, sagte vor einigen Jahren der Soester Flügelflitzer Manfred Lappe. Sei es drum: Die Unnaer hatten die zehntägige Pause wohl besser zur Regeneration am 2. Juni genutzt. Treffer von „Heinzi“ Albert und Harald Raack sorgten in dieser Begegnung vor erneut 10.000 Zuschauern in Hamm bereits vor dem Seitenwechsel für eine 2:0-BVK-Führung – die Vorentscheidung.

Eine Szene aus dem ersten Entscheidungsspiel: Harald Raacks Schuss wird von der vielbeinigen Soester Abwehr abgeblockt. Im Hintergrund ist die gewaltige Zuschauerkulisse zu sehen. © Privat © Privat

Als Werner Witthüser, den es nach diesem Spiel zum Regionalligisten Preußen Münster zog, kurz nach dem Seitenwechsel auf 3:0 – dem Endstand – erhöhte, stand der Aufstieg des BVK endgültig fest. Einer der Erfolgsgaranten in diesem Spiel war Königsborns Helmut Struwe, der in der ersten Auflage noch verletzungsbedingt passen musste.

„Dass diese Saison am Ende noch einmal so spannend wurde, hatte sicherlich auch etwas mit dem Kraftverlust in unserem Team zu tun. Unser Coach Friedwill Körber hat uns im Training immer alles abverlangt. Da wäre eine andere Dosierung vielleicht angebracht gewesen“, sagt Abwehrspieler Heiko Droop rückblickend.

Schönes Abschiedsgeschenk zum 29. Geburtstag

Apropos Friedwill Körber: Der BVK-Übungsleiter durfte sich an diesem denkwürdigen Tag nicht nur über die Meisterschaft freuen. Der gebürtige Bayer feierte an diesem 2. Juni 1971 zugleich seinen 29. Geburtstag. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte ihm seine Mannschaft damals eigentlich nicht machen können. Mit diesem Tag beendete Körber danach aus beruflichen Gründen sein Engagement als Trainer.

“SSV ins offene Messer gelaufen” titelte die “Westfalenpost” vor 50 Jahren. Der BV Königsborn siegte im zweiten Entscheidungsspiel deutlich mit 3:0. © Privat © Privat

Dass die Königsborner in diesem Jahr sportlich so weit nach oben kommen würde, daran hätte zehn Jahre zuvor wohl ganz sicher kein Mensch an der Steinstraße gedacht. Da nämlich stieg der BVK aus der damals sogenannten Bezirksklasse in die 1. Kreisklasse ab. Immerhin: Drei Jahre später gelang der Wiederaufstieg in die Bezirksklasse.

Nach und nach wirkte sich dann die gute Jugendarbeit, die unter Fritz Kissing Senior am Bahndamm praktiziert wurde aus: Den Blau-Schwarzen glückte in der Saison 1968/69 der Sprung in Landesliga. Dass in der nun folgenden Saison am Ende sogar der Aufstieg in die Verbandsliga ein Thema sein würde, daran hatten auch die kühnsten Optimisten im Unnaer Norden nicht gedacht.

Hombrucher Duo ist der Garant für den Erfolg

Entscheidend für diesen Erfolg war sicherlich die Verpflichtung von Harald Raack und Klaus „Carlo“ Kater – ein Hombruch-Duo, das nach Ablauf der Wechselsperre vom Verbandsligisten FV Hombruch 09 im Verlauf der Hinrunde für den BV Königsborn spielberechtigt wurde. Der Vereinswechsel war umso bemerkenswerter, weil die Dortmunder in der Saison zuvor nach einer 2:3-Niederlage bei Westfalia Herne nur hauchdünn den Aufstieg in die zweitklassige Regionalliga verpassten.

„Die beiden Akteure mit ihrer Erfahrung haben unserer jungen Mannschaft den entscheidenden Kick verliehen“, erinnert sich Helmut Struwe, ebenfalls Mitglied der Meistermannschaft. Dass die beiden Dortmunder beim BVK gelandet sind, ist der vergeblichen Wohnungssuche der jungen Familie Raack geschuldet. „Die haben uns dort damals Wohnungen angeboten, da wären die Anbieter wohl selbst nicht eingezogen“, sagt Harald Raack heute mit einem Schmunzeln.

Vertragsunterschrift stilecht auf einem Bierdeckel

Zu Hilfe kam dem Duo dann der Ex-BVB-Spieler Erwin Halfen, der seinerzeit als Trainer beim BVK fungierte. „Die Verantwortlichen dort haben uns eine Wohnung besorgt, so bin ich dann in Königsborn gelandet. Bei meinem Polterabend hat der BV Königsborn dann gleich auch noch Klaus Kater unter Vertrag genommen. Die Unterschrift erfolgte seinerzeit auf einem Bierdeckel“, so Harald Raack weiter.

Übrigens: Die zweite Partie gegen den Soester SV war der letzte Auftritt der Königsborner als BVK. Durch die unmittelbar danach vollzogene Fusion mit dem TSV Colonie lief der Klub fortan unter dem Namen Königsborner SV auf.

Die Aufstiegsmannschaft des BVK: Franz Zablocki, Horst Lehnert – Willi Bertolino, Hartmut Weber, Klaus Gerhards, Peter Höhno, Heiko Droop, Hartmut Tschersich, Manfred Antwerpen, Helmut Struwe, Klaus Kater, Harald Raack, Werner Witthüser, Heinz-Jürgen Albert, Jürgen Pröpper.

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