Gemeinsam für die gute Sache: Der SuS Lünern und die BVB-Traditionself haben den Zuschauern beim Benefizspiel am Freitagabend einen unvergesslichen Abend bereitet. © Neumann
Fußball

„Einfach nur sensationell“ – der BVB sorgt für Ausnahmezustand beim SuS Lünern

Es war ein Fest, das der SuS Lünern feierte. Der B-Kreisligist hatte die Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund zu Gast, um einen Menschen zu ehren und Spenden zu sammeln.

Die Spieler des SuS Lünern wärmen sich in einer Ecke des Fußballplatzes am Ostfeldweg auf. Kai Hutmacher, Trainer und Spieler in Personalunion beim B-Kreisligisten, gibt die Kommandos: Anfersen, Sidesteps und kurze Sprints – das ganz normale Programm vor einem Fußballspiel.

Aber normal ist an diesem Freitagabend in der kleinen Ortschaft im Osten Unnas eigentlich gar nichts. Schon eine Stunde vor dem Anstoß ist die Anlage mit Zuschauern befüllt, über 700 Leute sehen das Spiel am Ende – wahrlich nicht die Kulisse, die die Spieler des SuS gewohnt sind. Heute ist der Gegner allerdings auch nicht die dritte Mannschaft des SuS Kaiserau oder der PSV Bork. Hutmacher und Co. treffen auf die Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund und damit auf Spieler wie Jörg Heinrich, David Odonkor oder Frank Mill.

Für alle Beteiligten ist es ein besonderer Abend. Als die Spieler des BVB erstmals den Rasen betreten, werden die Handys gezückt – wie zu besten Zeiten stehen Salvatore Gambino und Giovanni Federico wieder im Blitzlichtgewitter.

Ein kleiner Junge, vielleicht vier oder fünf Jahre alt, steht staunend daneben und fragt seine Mutter: „Sind die echt?“ Ja, das sind sie in der Tat. Aber ich verstehe ihn. Fußballprofis, ob nun aktive oder ehemalige, waren für mich in dem Alter auch nicht greifbar, fast wie Außerirdische.

BVB-Legende Frank Mill scheitert doppelt am Pfosten

Doch die Spieler in den schwarz-gelben Trikots sind aus Fleisch und Blut. Und sie sind nicht nach Lünern gekommen, um sich einen schönen Abend zu machen – sehr zum Leidwesen von Andre Holl, dem baumhohen SuS-Verteidiger, der Odonkor schon nach wenigen Minuten im Strafraum legt. Den fälligen Elfmeter schießt Frank Mill, doch der Ball springt vom rechten Innenpfosten an den linken und will einfach nicht rein. Mit spektakulären Fehlschüssen kennt sich der Mann auch im Alter von 63 Jahren noch aus.

Wenig später schlägt die große Stunde von Ismail Oturak, der den Ball aus zwanzig Metern ins BVB-Tor schweißt und Lünern in Führung bringt. „So ein Tor gegen Dortmund zu schießen – das ist etwas ganz Besonderes für mich, ein mega Highlight“, sagt der 33-Jährige nach Abpfiff. Zwischen Oturaks Glanzmoment und dem Spielende dreht der BVB das Spiel und gewinnt am Ende standesgemäß mit 4:1.

Doch das Ergebnis spielt an diesem Ausnahme-Tag keine Rolle. Es ist ein Fest, das der SuS Lünern feiert und so schnell nicht wieder vergessen wird.

„Sensationell, einfach nur sensationell“, trifft Helge Kleinjohann den Nagel auf den Kopf. Der erste Vorsitzende des Klubs hat das Event federführend organisiert: „Die letzten Tage stand ich richtig unter Strom, war komplett on fire.“ Am Freitagabend ist Kleinjohann aber hochzufrieden, das Lächeln in seinem Gesicht will einfach nicht verschwinden.

„Ein mega Highlight“: Ismail Oturak freut sich über seinen Treffer zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung des SuS Lünern.
„Ein mega Highlight“: Ismail Oturak freut sich über seinen Treffer zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung des SuS Lünern. © Neumann © Neumann

Anders sieht es kurzzeitig bei Sebastian Schweizak aus. Der Außenverteidiger hat es in der ersten Halbzeit mit Francis Bugri zu tun. „Der läuft ja noch wie ein Pferd“, klagt er schwer atmend in der Pause seinen Mitspielern gegenüber. Nach dem Spiel hat er mehr Luft – und freut sich auf die dritte Halbzeit: „Da wird jetzt sicher noch der eine oder andere Tropfen fließen.“

„Die Jungs bleiben noch“, sagt Hutmacher. Gemeint sind die BVB-Spieler, die noch bleiben, um den Bundesliga-Auftakt am Ostfeldweg zu schauen. Hutmacher hofft, einen Platz neben Jörg Heinrich zu finden: „Ein toller Typ! Das trifft aber auf alle zu, das sind super Charaktere.“

Gänsehaut schon vor dem Anpfiff

Als Menschen mit feinem Gespür erweisen sich aber auch die Spieler des SuS Lünern. Die eingangs beschriebene Szene des Aufwärmens ist nämlich noch nicht zu Ende erzählt. Denn plötzlich bleiben die Spieler stehen, unterbrechen ihre Übungen und fangen geschlossen an zu klatschen. Sie applaudieren Uwe Hawes, ihrem langjährigen und schwer erkrankten Trainer, der an ihnen vorbeischreitet, um am Spielfeldrand Platz zu nehmen.

Lünerns scher erkrankter Trainer Uwe Hawes saß zu Freude aller am Spielfeldrand - auf einer Bank, die alle Spieler für ihn unterschrieben hatten.
Lünerns scher erkrankter Trainer Uwe Hawes saß zu Freude aller am Spielfeldrand – auf einer Bank, die alle Spieler für ihn unterschrieben hatten. © Neumann © Neumann

Auf einer neuen Bank, signiert von allen Spielern, die an diesem Abend auf dem Platz stehen. Denn ihm zu Ehren wird dieses Spiel veranstaltet. Und heute zählt nicht das Ergebnis, sondern nur drei Sachen. Erstens: der Spaß. Zweitens, dass viele Spenden für den ambulanten Hospizdienst in Unna sowie das Lebenszentrum in Königsborn zusammengekommen sind. Und drittens, dass er es geschafft hat: Dass Uwe Hawes am Spielfeldrand sitzt und seine Mannschaft spielen sehen kann.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.