Wernerin Anna Schulte im Interview: „Castrop-Rauxel ist eine Korfball-Hochburg.“

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Anna Schulte ist eine der erfolgreichsten Korfballspielerinnen in Deutschland. Im vergangenen Oktober gewann sie mit der Nationalmannschaft Silber bei den Korfball-Europameisterschaften.

Werne

, 06.05.2019, 12:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Aktuell spielt die Wernerin, die im Januar zu Wernes Sportlerin des Jahres 2018 gewählt wurde, für den Schweriner KC und trainiert dort auch Jugendmannschaften. Während im Sportzentrum Lindert in Werne am vergangenen Wochenende die Entscheidungsspiele um die Regionalliga-Meisterschaft stattfanden, war auch Schulte vor Ort. Die 27-Jährige nahm sich die Zeit für ein Interview über ihre Leidenschaft zur Sportart, das Niveau in Deutschland und was sie sich für die Zukunft von Korfball in Deutschland wünscht.

Wie sind Sie zum Korfball gekommen?

Ich habe beim SV Stockum angefangen, als ich fünf war. Das war damals so mit der einzige Sport, der angeboten wurde. Ich habe Zwillinge als Geschwister, einen Bruder und eine Schwester. Da Korfball gemischtgeschlechtlich gespielt wird, war es perfekt für meine Eltern, uns dahin zu bringen. Da konnte man direkt alle dahin bringen und musste nicht mit den Jungen zum Fußball oder das Mädchen zum Turnen. Da waren wir alle gut versorgt.

Was macht den Sport aus für Sie?

Ich finde, den Sport macht aus, dass es eine Mixed-Sportart ist – also wo Männer und Frauen zusammenspielen – weil es das in keiner anderen Sportart so gibt. Außerdem kann man nur zusammen gewinnen. Es geht nur über die Gemeinschaft, weil das Dribbeln verboten ist. Ich muss quasi mit dem Ball stehen bleiben und bin auf meine Mitspieler angewiesen, dass wir erfolgreich sind. Das ist für mich das Besondere.

Sie haben früher in Stockum gespielt - wie kam es zum Wechsel?

Es gab in Stockum quasi keine Mannschaft mehr für mich, weshalb ich zu Korbjäger Lünen gewechselt bin. Von dort bin ich nach einiger Zeit gewechselt, weil ich professioneller Korfball spielen wollte und dann bin ich nach Castrop-Rauxel gewechselt.

Wie würden Sie das Korfball-Niveau in Deutschland beschreiben?

Es ist tatsächlich so, dass Korfball-Deutschland international in den vergangenen Jahren wirklich erfolgreich geworden ist. Es wurde erfolgreich gespielt und das Niveau ist deutlich höher geworden. Auf nationaler Ebene, gerade im Jugendbereich, ist es schwierig, weil es nicht so bekannt ist und dadurch das Niveau abgeflacht ist. Wir arbeiten aber seit ein bis zwei Jahren daran, dass es wieder erfolgreicher wird. Je mehr Spieler man hat, desto mehr Konkurrenz hat man und dann wird man eben erfolgreicher. Vor fünf Jahren hatte man da wirklich einen Tiefpunkt, aber mittlerweile ist es wieder deutlich erfolgreicher. Es gibt deutlich mehr Senioren- und Jugendmannschaften.

Wernerin Anna Schulte im Interview: „Castrop-Rauxel ist eine Korfball-Hochburg.“

Am vergangenen Wochenende fanden die Entscheidungsspiele um die Regionalliga-Meisterschaft zwischen der SG Pegasus (schwarz) und KV Adler Rauxel in Werne statt. © David Döring

Was würden Sie sich für die Sportart in Deutschland wünschen?

Ich würde tatsächlich wünschen, dass sich die Sportart noch mehr verbreitet. Sie ist halt sehr punktuell in Deutschland. Castrop-Rauxel ist eine Hochburg. In Selm gibt es Korfball auch, da aber etwas am Rand. In Bergisch Gladbach gibt es das auch noch, das war es dann aber auch schon. Ich finde, es ist so eine schöne Sportart, gerade für Schulen durch das Gemischtgeschlechtliche. Ich wünsche mir, dass es sich noch mehr verbreitet, mehr Leute es kennen und mehr Leute es spielen. Nur das, was man kennt, kann man lieben lernen.

Wieso wird Korfball nicht häufiger im Schulunterricht eingesetzt?

Tatsächlich ist Korfball nach Deutschland gekommen durch den Schulsport. Lehrer hatten es in den Niederlanden gesehen und fanden es so cool, dass sie es mit nach Deutschland brachten. Trotzdem ist es noch nicht so verbreitet. Was man nicht kennt, kann man auch niemanden beibringen. Es gibt vereinzelt Aktionen, da wird die Sportart bei Fortbildungen von Lehrern präsentiert. Die Probleme liegen dann woanders: Man braucht die Körbe, die Bälle - wobei man natürlich auch Fußbälle nehmen könnte, aber die Ausrüstung ist oft in vielen Hallen nicht vorhanden. In jeder Halle gibt es einen Basketballkorb, in jeder Halle gibt es Handballtore, dann spielt man eher so was. Ich finde, es ist der perfekte Schulsport. Wenn jemand findet, dass Volleyball langweilig ist, weil er es nicht spielen kann, wäre Korfball eine Alternative. Korfball kann man, egal auf welchem Niveau, spielen. Eigentlich der perfekte Schulsport. Mittlerweile gibt es auch Programme in Castrop-Rauxel, Selm und Datteln, wo wir mit Leuten in die Schulen gehen und es den Lehrern und Schülern zeigen. Da hoffen wir natürlich, dass es weitergetragen wird.

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