Aus Rödinghausen-Sicht: Wieso der SV Herbern eine echte Siegchance hat

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Tabellenführer der Regionalliga und Topfavorit im Westfalenpokal: Auf den ersten Blick stehen die Chancen für den SV Herbern schlecht, Rödinghausen zu ärgern. Aber es könnte anders kommen.

von Nico Ebmeier

Herbern

, 22.11.2019, 11:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es klingt komisch, wenn jemand von einer Krise redet, bei einer Mannschaft, die in der stärksten Regionalliga Deutschlands ganz oben steht, im November alle Spiele gewann und im Pokal bisher erst zwei Gegentore kassierte. Aber so ganz souverän wie das alles von außen aussieht, läuft es beim SV Rödinghausen aktuell gar nicht.

Wer sich die vergangenen fünf Ergebnisse in der Regionalliga West anschaut, merkt, dass Rödinghausen die Klasse und Souveränität der ersten Wochen längst nicht mehr zeigt. Vor zwei Wochen gegen den gerade aufgestiegenen Bonner SC wirkte der SVR ideenlos, rettete sich aber durch zwei Standardtore - unter anderem vom geborenen Werner Felix Backszat - zu einem glanzlosen 2:1-Sieg. Und auch in der Woche danach gegen eine mittelmäßige Bundesligareserve aus Schalke gelang nur ein sportlich nicht zufriedenstellender 2:1-Erfolg. Im Oktober holte Rödinghausen zunächst mit Ach und Krach einen Punkt gegen eine schon tief in der Insolvenz steckende SG Wattenscheid und eine Woche später verlor man fast chancenlos in Oberhausen.

Pokalergebnisse können dem SV Herbern Mut machen

Und auch im Westfalenpokal ist aus Rödinghauser Sicht eben nicht alles Gold, was glänzt. In der ersten Runde machte es der Westfalenligist aus Emsdetten vor, spielte munter mit, führte nach 20 Minuten mit 1:0 um dann allerdings am Ende durch zu viele Fehler mit 2:7 zu verlieren.

In der zweiten Runde war Drittligist Preußen Münster am Wiehen in Rödinghausen zu Gast. Wie so oft in dieser Saison fiel Rödinghausen auch hier offensiv zu wenig ein und so kämpfte man sich in einem langweiligen Spiel gegen den Favoriten ins Elfmeterschießen und gewann dort. In der vergangenen Runde war Rödinghausen beim Klassenkonkurrenten aus Haltern zu Gast. Der Aufsteiger verteidigte gut, setzte kleine Nadelstiche und hätte einen Sieg durchaus verdient gehabt. Am Ende gewann Rödinghausen aber wieder im Elfmeterschießen.

Und genau diese Einstellungen können dem SV Herbern Mut machen. Da es im Westfalenpokal seit dieser Saison keine Verlängerung mehr gibt, könnte sich der SVH auf seine zuletzt starke Defensive verlassen und im Elfmeterschießen den Favoriten stürzen.

Den SC Verl im Kopf, die Dritte Liga vor Augen

SVR-Geschäftsführer Alexander Müller gibt sich seit Saisonbeginn sehr entspannt, wenn es um die Frage geht, ob der SV Rödinghausen tatsächlich aufsteigen möchte. Zur Erinnerung: Zum Jahreswechsel 2018/19 stand der SVR auf Platz 3 der Regionalligatabelle und die Geschäftsführung stellte sich auf finanziellen und logistischen Gründen gegen einen Lizenzantrag für die Dritte Liga. In diesem Jahr ist Rödinghausen Tabellenführer - zugegeben, weil der SC Verl ein Spiel weniger auf dem Konto hat - und könnte den Aufstieg schaffen, doch auch in diesem Jahr heißt es aus Vorstandssicht wieder abwarten.

Die Spieler erwarten den Aufstieg

Bei den Spielern sieht das aber anders aus. „Es wäre wirklich nicht klug, wenn wir die Lizenz nicht beantragen würden“, sagt der Ex-Werner Felix Backszat. Und auch Topstürmer Simon Engelmann gab sich zuletzt in einem Interview mit Fussball.de ähnlich kämpferisch: „Ich möchte schon sehr bald in der Dritten Liga spielen.“

Dazu kommt es am 30. November eben zum großen Schlagabtausch um die Tabellenspitze gegen den SC Verl. „Es dreht sich momentan viel um Verl. Es ist alles ein bisschen angespannter“, so SVR-Physiotherapeutin Janine Eher. Und an Herbern? Daran denkt keiner so richtig.

Was der Lüner SV im vergangenen Jahr falsch machte:

Vor ziemlich genau einen Jahr war Rödinghausen beim Westfalenligisten aus Lünen zu Gast und machte kurzen Prozess. 4:0 hieß es am Ende bei den Schwansbellern. Und wieso? Weil Lünen mitgespielt hat, versucht hat, Rödinghausen durch Qualität zu schlagen. Aber dann kommt die SVR-Maschine - dessen Kader übrigens nur aus Vollprofis besteht - den Underdog erbarmungslos. Kämpft Herbern allerdings um jeden Grashalm, macht keine unnötigen Fehler und behält vielleicht im Elfmeterschießen die Nerven, könnte tatsächlich die scheinbar übermächtige Mannschaft aus Ostwestfalen geschlagen werden.

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